Kategorie: Rechnungswesen

  • KI, AI, Chat-GPT und dann noch Rechnungswesen… passt das zusammen?

    KI, AI, Chat-GPT und dann noch Rechnungswesen… passt das zusammen?

    Tradition trifft auf Moderne, auch so könnte der Titel dieses Blogartikels lauten. Das Rechnungswesen, das seit vielen Jahrhunderten Traditionen und Regelwerke hat, welches sich hauptsächlich durch steuerliche Anpassungen neu definiert, sich aber in normalerweise vorgefertigten Bahnen bewegt, scheint sich jetzt doch entscheidend zu verändern. Digitalisierung und Automatisierung hielten schon vor geraumer Zeit Einzug in das betriebliche Rechnungswesen. Automatische Belegübernahmen durch Schnittstellen sind seit vielen Jahren bekannt. Auch Optical Character Recognition (OCR) Software, welche Belege in Form von Texten erkennt und umwandelt, um diese digital zu verarbeiten gibt es bereits in vielen Buchhaltungsabteilungen.

    Aber was hat es nun mit der KI oder AI oder anderen Instrumenten und Systemen im Rechnungswesen auf sich? Gibt es die schon? Braucht es die vielleicht? Wo steuern wir hin?

    Durch all den technologischen Fortschritt verändern sich nicht nur die Aufgaben, sondern auch die damit zusammenhängenden Kompetenzen im Bereich des Rechnungswesens. So ist es schon jetzt wichtig dafür zu sorgen, dass die zukünftigen Mitarbeiter*innen im Rechnungswesen gut ausgebildet sind und genau diese Kompetenzen innehaben, die es für die neuen Ansprüche braucht. Aber was hat sich eigentlich verändert?

    Was bewegt die Digitalisierung?

    In einer aktuellen Studie der KPMG Deutschland (2024, S. 14) gaben mehr als 20 % der befragten Unternehmen an, dass Sie bereits drei große Themen im Bereich Digitalisierung umgesetzt haben. Das ist zum einen die Homogenisierung der Systemlandschaften, also eine Vereinheitlichung aller angewandten Systeme im Unternehmen, weiters geht es aktuell um die papierlose Buchhaltung (z.B. OCR-Texterkennung) und als drittes wird die Abschaffung der Legacy-Systeme (Altsysteme) genannt. Diese und weitere Themen, wie Schaffung einer einheitlichen Datenbasis oder Management der Stammdatenqualität und auch Standardisierung des Workflows, sind bei vielen Unternehmen bereits in Teilbereichen umgesetzt.

    KI und ein möglicher Nutzen

    Ein wenig anders sieht es aus beim Einsatz von KI im Bereich Buchhaltung. Nur etwa 15 % (KPMG AG, 2024, S. 18) der befragten Unternehmen nutzen lernende Systeme, wie zum Beispiel Chat-GPT. Dies kann zum einen daher kommen, dass es sowohl interne wie auch externe Barrieren zur Einführung von KI in Unternehmen gibt. Eine Studie der OECD (2021, zitiert in Grünbichler & Salimbeni, 2023, S. 56) zeigte auf, dass sowohl hohe Kosten wie auch eine gewisse Unsicherheit, wie KI genutzt werden kann, mögliche Barrieren für die Einführung von KI sein können. Ebenso ist es wichtig, die Mitarbeitenden und Führungskräfte sowohl in den entsprechenden Kompetenzen zu schulen wie auch das Verständnis für KI zu entwickeln und vertiefen.

    Gerade in der Buchhaltung, wo eben historisch verankert die manuelle und transaktionale Tätigkeit immer im Vordergrund stand, jetzt aber automatisierte Workflows und technologiebasierte Prozesse Einzug halten, gerade hier soll nun auch noch KI eingesetzt werden. Führungskräfte sehen die vorwiegende Tätigkeit im Rechnungswesen über kurz oder lang dort, dass die Mitarbeiter*innen sich mit kontrollierenden Aufgaben beschäftigten. Es wird also der Schwerpunkt der Tätigkeit in der Kontrolle und Qualität liegen (KPMG AG, 2024, S. 16).

    Aber wie geht es den Mitarbeitenden im Unternehmen mit der Aussicht auf den Einsatz von KI? Genau diese Frage zu KI im Rechnungswesen wurde von der TU Graz (Greimel & Grünbichler, 2023, S. 64) an die Mitgliedschaft des österreichischen Bilanzbuchhalterklubs gestellt. Die Forscher*innen erhoben Variablen zu wahrgenommener Nützlichkeit und Benutzerfreundlichkeit, ebenso aber die Einstellung zu Technologie und Erfahrungen (2023, S. 65). Sie zeigten auf, dass die befragten Personen den Einfluss von KI durchaus positiv auf ihre Job-Performance bewerten. Es zeigt sich aber, dass Personen unter 41 Jahren positiver über KI urteilen als ältere Arbeitnehmer*innen. Allerdings berichtet die Studie auch, dass 37 % der befragten Personen noch gar keine Erfahrung mit KI im Rechnungswesen haben.

    Zukunftsrollen im Rechnungswesen

    Laut KPMG (2024, S. 31) ist sehr deutlich zu erkennen, dass sich das Rechnungswesen verändert hat. 78% der befragten Unternehmen bestätigen, dass sich die Prozesse und Arbeitsabläufe durch die Digitalisierung optimiert haben. Ebenso bestätigen 65 %, dass sich die Rollenprofile der Mitarbeitenden verändert haben und fast gleichlautend auch deren Fähigkeiten. Forscher*innen der FH Oberösterreich (Leitner-Hanetseder, Eisl, Lehner & Forstenlechner, 2020) berichten über das Future Finance Team und definieren anhand der Persona-Methode die Mitarbeitenden der Zukunft im Rechnungswesen. Diese Rollenbilder beinhalten nach wie vor den/die Buchhalter*in und Controller*in, aber genauso Business Data Analysts, Compliance Officers oder Sustainability Manager*innen. Sie fügen aber auch die Rolle des Software Roboters hinzu, der das Team im Accounting voll und ganz unterstützt und rund um die Uhr Informationen verknüpft und Prognosen erstellt. Durch diese bunte Zusammensetzung der zukünftigen Teams im Rechnungswesen wird aber auch die Notwendigkeit sichtbar, einen Kompetenzkompass (Leitner-Hanetseder et al., 2020, S. 24) und Aus- und Weiterbildungswege zu entwickeln.

    Es ist also bereits eindeutig zu sehen, der digitale Wandel hat das Rechnungswesen und speziell auch die Buchhaltungsabteilungen schon im Fokus. Noch sind die Unternehmen sehr unterschiedlich in Ihren Weiterentwicklungsschritten im Bereich Automatisierung und Digitalisierung. Durch KI wird sich aber auch noch weiter Einiges in der Welt der Zahlen ändern. Es bleibt auf jeden Fall noch spannend, was die KI im Rechnungswesen bewirkt und wie die Rollenbilder im Rechnungswesen in Zukunft aussehen werden.

    Literatur:

    Greimel, Katharina/Grünbichler, Rudolf (2023). Künstliche Intelligenz im Rechnungswesen. BÖB Journal, (96), 90.

    Grünbichler, Rudolf/Salimbeni, Sergio (2023). KI-Implementierungshürden in Unternehmen. BÖB Journal, (96), 90.

    KPMG AG (2024). Digitalisierung im Rechnungswesen – Studienausgabe 2023/2024, 47.

    Leitner-Hanetseder, Susanne/Eisl, Christoph/Lehner, Othmar/Forstenlechner, Carina (2020). Future_Finance_Team_2030_LeitnerHanetseder_Eisl_Lehner_Forstenlechner__1_.pdf. Controlling. Accounting.Risiko.Finanzen. CARF Luzern, Luzern: o.V.

    OECD (2021). The Digital Transformation of SME´s: OECD Studies on SME´s and Entrepreneurship, paris: OECD Publishing, https://doi.org/10.1787/bdb9256a-en

  • Rechnungswesen – Alte Materie, neue Ein- und Ausblicke

    Rechnungswesen – Alte Materie, neue Ein- und Ausblicke

    Fad, langweilig, verstaubt?

    Die Vorurteile und Klischees zum Rechnungswesen reichen von fad, langweilig, verstaubt, hemdsärmelig bis hin zu lauter Erbsenzähler_innen (siehe auch: Rechnungswesen – langweilig und fad – was haben Sie davon?). Ich könnte Ihnen jetzt sagen „Nein, das Rechnungswesen ist spannend, aufregend, vielfältig, modern und so aktivierend“, würden Sie mir glauben? Wohl eher nicht, aber sehen Sie selbst: Wir befinden uns in einem riesigen Entwicklungsschritt der Digitalisierung und Automatisierung in den meisten Unternehmen und das, auch im Rechnungswesen. Die „verstaubten“ Belege sind Vergangenheit und die manuelle Vorkontierung von Buchungen ist obsolet. Im Rechnungswesen hält nun ein Workflow Einzug, der oft schon vollautomatisiert abläuft.

    Zahlen und Daten verstehen muss jede/r!

    Jetzt ist es ok, wenn Sie sagen, Sie arbeiten nicht im Rechnungswesen, aber darum geht es gar nicht. In jeder Abteilung und Organisationseinheit eines Unternehmens gibt es Zahlen, Daten und Fakten. Diese Zahlen und Daten zu erstellen ist eine Sache, diese Zahlen und Daten aber zu verstehen und korrekt zu interpretieren eine andere.

    Das Rechnungswesen eines Unternehmens hat viele Schnittstellen innerhalb und auch außerhalb des Unternehmens. Diese Schnittstellen haben nicht unbedingt mehr nur mit Buchungssätzen oder Belegen zu tun. Abläufe, Prozesse und Datenmengen kommen und gehen vom Rechnungswesen in alle Abteilungen. Früher manuell durchgeführte Buchungen oder Analysen werden zunehmend durch automatisierte Prozesse und Workflows abgelöst.

    90 % der Arbeitsabläufe könnten automatisiert ablaufen

    So ist es mittlerweile Fakt, dass bereits 90 % der Arbeitsabläufe in einer Buchhaltung automatisiert laufen können (KPMG, 2021). Begriffe wie Robotics, Künstliche Intelligenz und Artificial Intelligence, Big Data oder Business Process Management gehören dadurch ebenso zur Fachsprache im Rechnungswesen, wie Bilanz, Buchung oder Gewinn- und Verlustrechnung.

    Neue Karrierewege

    Neue Karrierewege eröffnen neue Perspektiven: für die Fachexpert_innen im Rechnungswesen ebenso, wie für Datenexpert_innen, die für die fehlerfreie Verarbeitung und sichere Datenschnittstellen verantwortlich sind (BÖB, 2022). Das bringt eine Veränderung der Rollen im Unternehmen mit sich, aber ebenso eine Veränderung der Kompetenzen im Rechnungswesen und in den anderen Fachabteilungen.

    Die Fachexpert_innen werden sich Aufgaben wie Planung, Budgetierung oder Controlling widmen, die manuellen Tätigkeiten werden verschwinden (König, 2020). Fachliche Kompetenzen und die Soft-Skills wie Empathie, Kreativität oder Flexibilität bleiben wichtig wie eh und je. Durch den Fortschritt der Digitalisierung werden aber Kompetenzen wie Problemlösung, Selbstmanagement, Kollaboration oder Technikanwendung und -entwicklung auch im Bereich Rechnungswesen immer wichtiger (Weforum, 2020). Diese neuen Anforderungen gibt es aber nicht nur direkt im Rechnungswesen, sondern auch in den „belieferten“ Abteilungen. Neue Berufsbilder, wie eben Datenexpert_innen, Business Partner_innen oder Digital Translators erobern den „eingestaubten“ Fachbereich der klassischen Buchhaltung und der Kostenrechnung. Was alle gemeinsam haben, ist das Wissen über die Grundlagen im Rechnungswesen. Auch digitale Expert_innen müssen die Hintergründe verstehen und bei Anwendungsfällen die Korrektheit erkennen.

    Und genau hier kommen Sie ins Spiel: Als zukünftige Absolvent_innen werden Sie Positionen innehaben, wo genau diese Grundlagen Ihre Expertise darstellen, auf die Sie aufbauen können. Ganz egal in welchem Tätigkeitsbereich eines Unternehmens Sie ankommen, Sie werden die Kompetenz im Rechnungswesen gewinnbringend einsetzen und immer zu Ihrem Vorteil nutzen können.

    Viel Freude beim Entdecken der Zahlenwelt!

    Literatur:

    KPMG AG, 2021, Digitalisierung im Rechnungswesen 2021

    BÖB, 2022, Wissensnetzwerk für Rechnungswesen in KMU, Ausgabe 89/22, Traisen

    https://www.weforum.org/agenda/2020/10/top-10-work-skills-of-tomorrow-how-long-it-takes-to-learn-them/ (Abruf am 28.7.22, 12:58)

    König Nicole, 2020, Vom Hochschulstudium in die Praxis der Buchhaltung, FH Wien der WKW, Wien.

  • Rechnungswesen – langweilig und fad – was haben Sie davon?

    Rechnungswesen – langweilig und fad – was haben Sie davon?

    Immer wieder erleben wir potenzielle Studierende in den Aufnahmegesprächen, aber auch Studierende zu Studienbeginn, die eine gewisse Unsicherheit oder vielleicht sogar diffuse „Angst“ vor dem Fachbereich Rechnungswesen und Controlling haben.

    Schlechte Erfahrungen mit Buchhaltung?

    Sie bringen vielleicht „schlechte“ Erfahrungen aus der Schule mit oder haben noch gar keine Berührungspunkte mit der Thematik gehabt. Für viele sind auch schon ein paar Jahre vergangen, seitdem Sie das letzte Mal mit Buchhaltung, Kostenrechnung oder Controlling zu tun hatten.

    Und dann kommt das Studium. Mit der Freude über den Studienplatz, kommt oft gleich der Gedanke – „Puh, und gleich zu Beginn kommt die Lehrveranstaltung Rechnungswesen …“.

    Den Erfolg des Unternehmens messen können

    Ja, stimmt – das ist mit Absicht im Curriculum so angesetzt, denn Rechnungswesen ist eine Grundkompetenz der Betriebswirtschaftslehre. Jeder Kaufmann, jede Kauffrau braucht eine gewisse Kompetenz, um das Unternehmen steuern, den Erfolg des Unternehmens messen zu können und die Vermögens- und Kapitalwerte darzustellen.

    Wieso soll mich das interessieren?

    Jetzt können Sie sagen: „Wieso soll mich das interessieren? Ich bin nicht selbständig.“ Gute Frage, leichte Antwort: Jede Führungskraft ist mit Auswertungen, Analysen und dergleichen konfrontiert und um diese lesen und analysieren zu können, bedarf es einer Grundkompetenz. Niemand kann Zahlen oder Berichte lesen, wenn es kein dahinterliegendes Verständnis dafür gibt. Und dazu brauchen Sie kein Unternehmen zu gründen.

    Stellt sich die Frage, was hat es nun mit der Lehrveranstaltung und Thematik Rechnungswesen auf sich? Warum brauchen Sie dieses Fachwissen?

    Liegt da nicht ein Bericht mit Zahlen auf meinem Schreibtisch?

    Klarerweise gibt es zu Beginn Theorie und vielleicht langweilige Praxis, die aber einfach wichtig ist, weil durch das praktische Tun die Zusammenhänge klarer werden. Sie werden aber bald bemerken, diese theoretischen Übungen sind wirklich in der Realität anzutreffen. Haben Sie schon einmal auf Ihren Schreibtisch geschaut? Liegt da nicht ein Bericht mit Zahlen? Oder eine Analyse von Budgets? Oder gibt es Auswertungen zu Personaleinsatz und mögliche Kennzahlen aus dem HR-Bereich?

    Die richtigen Fragen stellen

    Und genau hier soll die Verbindung von der Lehrveranstaltung in die Realität und Praxis geschehen: Sie werden durch Ihre erworbenen Grundkompetenzen und das Fachwissen im Rechnungswesen hinter jedem Bericht die zugrundeliegenden Informationen erkennen. Durch den kompetenzorientierten Aufbau der Lehrveranstaltung können Sie das Fachwissen auch tatsächlich anwenden! Das bedeutet für Sie, Sie können Ihre Expertise in Ihren Arbeitsbereich einbringen und selbständig auch die richtigen Fragen stellen – ohne Abhängigkeit von Expert_innen im Rechnungswesen.

    Dorthin soll es gehen und dazu ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Eintauchen in die Zahlenwelt!