Kategorie: Digitale Kompetenzen

  • Über Fernstudieren, Deep-Thinking und Entscheidungsprozesse

    Über Fernstudieren, Deep-Thinking und Entscheidungsprozesse

    Jede Veränderung, jeder Schritt in die Zukunft birgt etwas Unbekanntes, etwas oft nicht Berechenbares. So auch unsere selbstgeschaffenen technologischen Neuerungen, von denen wir als potenzielle Nutzer:innen bei ihrer Erfindung oder Einführung mitunter nicht sofort wissen, wie wir damit umgehen sollen, entweder auf der Ebene des Individuums, der Organisation oder der Gesellschaft.

    Wie mag es dem Schachweltmeister Garry Kasparov gegangen sein, als er seinen intellektuellen Wettstreit gegen das Schachprogramm Deep Blue austrug? Schach ist eine Sportart, die wohl am besten symbolisiert, wie sich ein komplexe, ungewisse und variantenreiche Zukunft – Zug um Zug – darstellen kann. Laien kalkulieren in Anbetracht der Möglichkeiten hier eventuell einen Zug im Voraus, Amateur:innen eventuell ein paar mehr, ja und Schachweltmeister:innen oder Profi-Schachspieler:innen, „who knows“. Jedenfalls sind all jene Menschen, die versuchen den Schacholymp zu besteigen, für das Schlagwort Deep-Thinking im Rahmen des 64-Felderspiels der lebende Beweis. Im Falle Kasparov´s  obsiegte 1996 am Ende noch der Mensch gegen die Maschine (Endstand 4:2)1.

    Aus Science-Fiction wurde teilweise Ernst und Realität.

    Eine Maschine konnte konstruiert werden, die erfolgreich auch menschliches Verhalten nachstellt und sich mit dem menschlichen Intellekt auf Schach-Großmeister:innen-Level messen kann. Zum Glück müssen wir nicht fürchten, dass der Terminator, iRobot, die Matrix und Co. jetzt aber baldige Realität werden, auch wenn Hollywood uns das manchmal eindrucksvoll und visuell ansprechend weißmachen möchte.

    Künstliche Intelligenz als die nächste logische Etappe?

    Der Reiz, sich mit dem Thema der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens auseinander zu setzen, mag vielfältig sein. Fest steht, dass dieses Thema die logische nächste Etappe der Informations- und Digitalgesellschaft sein muss. Wie anders sollen die Menschen dem durch die Digitalisierung verursachten Datenreichtum – manche sagen Datenflut – begegnen oder zumindest lernen, damit umzugehen? Wie sollen wir im Rahmen der Allgegenwärtigkeit unzähliger Informationen sinnvoll und rational Entscheidungen fällen? Wie eruiert ein Schachweltmeister:innen den besten nächsten Zug? Fragen, deren Beantwortung wir erst finden müssen. Fest steht, dass der Mensch mit seinen kognitiven Mitteln nur sehr eingeschränkt zu sogenanntem Deep-Thinking fähig ist. Eine genaue Definition für den Begriff Deep-Thinking existiert noch nicht, aber halten wir einmal fest, dass all jene die zu tiefem Denken neigen, alles bis ins mögliche Detail analysieren. Diese Menschen wollen den Sinn hinter den Dingen verstehen und nehmen sich gerne Zeit für die Verarbeitung von Informationen (auch wenn es große Datenmengen sind).

    Die klaglosen Maschinen

    Im Bereich des Deep-Thinking sind Computer und Algorithmen aufgrund ihrer Rechenleistungen und klaglosen, nie ermüdenden datenwühlenden Prozedurabarbeitung die wohl besseren Kandidat:innen. Künstliche-Intelligenz, maschinelles Lernen und Deep-Thinking sind also nicht nur Buzzwords oder temporäre Hypes, sondern wie schon erwähnt höchstwahrscheinlich die nächste Stufe der Digitalisierung der Gesellschaft und der Wirtschaft. Die Digitalisierung kennzeichnet sich derzeit schon auffällig durch User:innen-verursachte und automatisierte Erstellung, Verarbeitung und Weiterleitung von digitalen Daten. Dabei werden große Datenmengen angehäuft, die wir als Menschen ohne Hilfsmittel gar nicht mehr bewältigen oder bearbeiten können. Um es mit den Worten von Paul Watzlawick (1987) zu formulieren und zu karikieren: Die Lösung ist gleichzeitig das Problem.

    Fernstudieren als organisatorische Herausforderung

    Es ist aber nur insofern ein Problem, als dass wir wohl einfach noch nicht so recht herausgefunden haben, was in Anbetracht der Informationsfülle zu tun ist. Auch im Rahmen eines digitalen Fernstudiums liegt zunächst eine unüberschaubare Datenlage vor. Dies kann man sowohl aus organisatorischer als auch inhaltlicher Perspektive betrachten. Daher experimentieren die Studierenden zu Beginn ihres Studiums mit diversen Zeitmanagement- und Organisationsmethoden. Sie versuchen sich Listen zu erstellen, wann etwas zu bearbeiten, zu erledigen oder abzugeben ist. Es werden Lern-, Dokumenten- und Wissensverwaltungssysteme geprüft und organisiert. Das ganze manchmal bis an die Grenzen der eigenen Informationsbelastbarkeit in der jeweils beruflichen, privaten und studientechnischen Konstellation. Letztlich finden die erfolgreich Studierenden eine Strategie in Abwägung aller persönlicher Faktoren, die ihnen hilft für jeden Zug oder Schritt die richtige Entscheidung zu treffen. Interessant dazu ist auch der Beitrag meiner Kollegin Tanja Adamcik (Link).

    Fernstudieren mal kontrafaktisch und futuristisch gedacht

    Denken wir jetzt aber einmal bewusst kontrafaktisch: Was wäre, wenn … den Studierenden zu Beginn des FernFH-Studium nicht nur ein Studierendenausweis und ihre Zugangsdaten zum Online-Campus ausgehändigt würden, sondern auch ein maschineller Assistent. Über die kommenden Semester könnte sich ein Mensch-Maschine-Team entwickeln, das sich gegenseitig bereichert und voneinander lernt, z.B. im Kontext von Lernorganisation, Wissensorganisation oder Zeitmanagement. Das Maschinen-System hätte Zugriff zu einem großen Datenschatz aus vorangegangenen Semestern und Absolvent:innen. Es hätte Analysen zu erfolgreichen und weniger erfolgreichen Lern- und Organisationsstrategien bereits getätigt und könnte auf Basis dessen Entscheidungsfindungsprozesse, in denen sich die Studierenden laufend befinden, begleiten. Das Maschinenassistenzsystem könnte die Studierenden beraten, ob ein baldiger Meilenstein zügig zu bearbeiten ist oder ob man in Anbetracht anderer Prioritäten eventuell noch eine Fertigstellung hintenanstellen könnte. Es könnte auf Basis des Lernverhaltens und Lernerfolgs Tipps und Trick für zukünftige Prüfungssituationen vorschlagen. Es könnte sprachgesteuert das Studierenden-e-Portfolio pflegen und Zusammenfassungen schreiben, ähnlich wie uns Apple-Geräte automatisch unsere Urlaubsvideo zusammenschneiden. Und noch vieles mehr, der Fantasie sind hier sicherlich keine Grenzen gesetzt.

    Nicht den Kopf in den Sand stecken

    In einer von Komplexität und Informationsfülle geprägten Zeit sollte man Künstliche-Intelligenz-System auf dem Radar haben und diese eventuell als Möglichkeit einer nicht so fernen Zukunft betrachten. Sowohl aus der Datenbewältigungs- als auch Entscheidungs-Perspektive können neue Mensch-Maschine-Teams entstehen, in denen Deep-Thinking beide Parteien begleitet. Praktische Implikationen dieser neuen Technologie – egal in welchem Kontext – werden sich aus unseren Problemen als auch neuen Anforderungen ergeben. In diesem Sinne lohnt sich eine Reflexion, wie wir derzeit unsere Entscheidungsprozesse gestalten und dies zukünftig zu tun gedenken.

    Heute schon eine Runde Schach2 gespielt? Gegen einen Menschen oder gar eine Maschine? 😊


    1) Garry Kasparov versus Deep Thought Documentary – abgerufen 09.11.2022 Link

    2) Gratis Schachplattform – www.lichess.org


  • Gut zu wissen: Warum es Typologien wie das Generationenmodell braucht, worauf man aber achten sollte.

    Gut zu wissen: Warum es Typologien wie das Generationenmodell braucht, worauf man aber achten sollte.

    Ein Blick in die Forschungsprojekte der FERNFH verrät, dass Generationen ein aktuelles und wichtiges Thema sind. Wie können unterschiedliche Generationen motiviert werden? Welches unterschiedliche Führungsverständnis erfordern gegenwärtige Generationen? Wie unterscheiden sich Generationen hinsichtlich ihres Kaufverhaltens? Man merkt schon, die Zugehörigkeit zu einer Generation ist Erklärung für vieles. Das Verständnis, dass jede Generation hinsichtlich ihrer Werte, Motive und Bedürfnisse sich sowohl von der vorhergehenden als auch nachfolgenden abgrenzt, enthüllt Einflüsse und Zusammenhänge auf verschiedenste z.B. im Personalwesen oder Marketing nutzbare Sachverhalte.

    Generationen als wiederkehrende Abfolge von Jugend

    Unser Generationenbegriff findet seinen Ursprung beim österreichisch-ungarischen Soziologen Karl Mannheim. In seiner Publikation „Das Problem der Generationen“ (1928) forderte er, Generationen nicht länger bloß durch die biologisch determinierte Abfolge von Geburtsjahrgängen zu ordnen. Vielmehr sind es die gemeinsamen Erlebnisse und deren Bewältigung, die verbindend wirken. Die immer wiederkehrende Abfolge neuer Jugendgenerationen und ihre unterschiedlichen Verhaltensmuster befeuern auch den gesellschaftlichen Wandel.

    Von den Baby Boomer bis zur Generation Alpha

    Die Generation der Baby Boomer war bestimmt vom Wiederaufbau sowie Friedens- und Umweltbewegungen der 1980’er. Die Jugend der Generation X wurde vom technologischen Fortschritt, aber auch Umweltkatastrophen (z.B. Ozonloch, Tschernobyl) und wirtschaftlichen Krisen begleitet. Die Generation Y war mit hohen Unsicherheiten (z.B. 9/11, Jugendarbeitslosigkeit) konfrontiert. Für sie ist Arbeit auch nicht mehr zentraler Lebensinhalt, die Work-Life-Balance gewinnt an Stellenwert. Die Generation Z ist geprägt von einer fortschreitenden Digitalisierung (z.B. mobile Technologien, soziale Netzwerke). Das Streben nach Individualisierung und eigener Zufriedenheit wird bevorzugt, die Bedeutung der Erwerbsarbeit nimmt weiter ab. Als jüngster Begriff findet sich die Generation Alpha, deren zukünftige Lebenswelten wohl völlig von der Digitalisierung durchdrungen sein werden.

    Das Problem mit dem Begriff am Beispiel der Digital Natives

    Die Generationenbezeichnungen haben sich im allgemeinen Sprachgebrauch verankert, ihre Einteilung ist zwar einfach, aber nicht widerspruchsfrei. Das Bestreben, neue Generationen auszurufen und zu beschreiben, beruht häufiger auf ökonomisch verwertbaren, denn soziologischen Motiven. So kommt es auch vor, dass innerhalb einer Beschreibung kein Konsens über Bezeichnung, gemeinsame Erlebnisse oder Wertesysteme existiert. Beispielsweise beanspruchen die Digital Natives sowohl die Generation Z, als auch Teile der Generation Y. Diese von Marc Prensky (2001) eingeführte Begrifflichkeit beschreibt eine Kohorte, bei der digitale Technologien integraler Bestandteil ihrer Jugendbiografien sind. Die Fähigkeit Digitalisierung zu beherrschen, wurde ihnen (als quasi Ureinwohner_innen einer digitalen Welt) in die Wiege gelegt. Alle vorangegangenen Jahrgänge sind in die digitale Welt lediglich eingewandert und müssen sich die damit verbundenen Erfordernisse erst aneignen (Digital Immigrants).

    Digital Natives oder Digital Immigrants?

    Die Trennung zwischen Natives und Immigrants birgt, obgleich populär und häufig in Medien weitergetragen, berechtigten Anlass zu Kritik. Denn jede Generation durchlebt in ihrer Jugend ihre eigenen Medienerfahrungen. Waren Fernsehen und MTV fester Medienbestandteil der Generation X, sind es Internet und Smartphone für die Jüngeren. Ungeachtet des technologischen Fortschritts braucht es sowohl beim einen als auch dem anderen dieselben Kompetenzen: das Wissen darüber, den kritischen Umgang damit und die Fähigkeit der (Mit-)Gestaltung. Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten miteinander zu kommunizieren, verändert aber auch bestehende. Technischen Strukturen kommt jedenfalls eine wesentliche Rolle zu. Dabei ist es egal, ob der Kontakt mit digitalen Medien bereits im Jugendalter stattfindet oder – wie beispielsweise im Falle der Generation X – häufig erst im späteren (Berufs-)Leben. Das bloße Aufwachsen damit führt jedenfalls nicht zu einem automatischen, beiläufigen Erwerb erforderlicher Kompetenzen, um sich in der Digitalisierung beheimatet zu fühlen. Hier ist das Konzept der Digital Natives nicht ausreichend kritisch. Es  vernachlässigt die Tatsache, dass auch jede junge Generation den Umgang mit der Digitalisierung erst für sich entdecken und erlernen muss (Schulmeister, 2008; Jenkins et al., 2009; Hepp et al., 2012).

    Idealtypisch aber nicht real

    Ich selbst zähle mich zu den X’lern. Dennoch waren bereits im Volksschulalter (Heim-)Computer und Videospielkonsole für mich liebgewonnene Spielzeuge. Anders als heute, brauchte die grafische Darstellung in Computerspielen damals noch die eigene Fantasie. Wie sonst hätte ich einen klobigen, geraden Strich als Tennisspieler_in und einen rechteckigen Punkt als Ball erkennen können? Wie viele andere meines Jahrgangs und Freundeskreises bin ich mit Computertechnologie groß geworden, auch wenn wir das noch nicht als Digitalisierung wahrgenommen haben. Dennoch wäre ich nach Marc Prensky’s These ein Digital Immigrant, kein Digital Native. In erster Linie ein konzeptioneller Widerspruch, aber auch ein Problem kategorialer Typologien: die Beschreibung idealtypischer, nicht realer Formen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass sie „da draußen“ abgewandelt oder in Kombination auftreten.

    OK Boomer

    Diesem Beispiel zum Trotz, eine modellhafte Typisierung, auch die der Generationen, ist korrekt und sinnvoll. Für die (wissenschaftliche) Analyse ist sie unverzichtbares Instrument, da erst diese Form der Vereinfachung es ermöglicht, komplexe Realitäten zu beschreiben, zu erklären und miteinander vergleichen zu können. Vorsicht ist dennoch geboten, da gerade die Vorstellung einer „reinen“ Existenz von Typen die Gefahr eines klischeebehafteten Denkens birgt. Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass wenn Menschen in „Generationenschubladen“ gesteckt werden, dies gesellschaftliche Differenzen reproduziert und hervorbringt. Dadurch können sich Memes wie „OK Boomer“ rasch verbreiten, obgleich sie das stereotype Bild einer engstirnigen, belehrenden und herablassenden älteren Generation transportieren. Und natürlich sind Handlungsfreiheit, Sicherheit, Zugehörigkeit und Wertschätzung für die Generation Z zentrale Voraussetzungen einer attraktiven Arbeitsstelle, für uns andere (ältere) aber nicht minder (siehe dazu auch den Blogbeitrag von Christa Walenta). Um nicht in den Kanon einfach kommentarloser Wiedergabe miteinzustimmen, braucht es die Erkenntnis, auch bewährte und bereits im Alltagswissen etablierte Modelle zu hinterfragen.

    Die Leistungsfähigkeit und die Einschränkungen von Typologien

    Wenn Sie also das nächste Mal ein typologisches Modell verwenden, egal ob in einer Forschungsarbeit oder in einem Alltagsgespräch, denken Sie auch darüber nach, was davon eigentlich nur theoretische Erklärung ist und was tatsächlich die Realität beschreiben kann. Bleiben Sie kritisch und fragen Sie nicht nur nach der Leistungsfähigkeit einer Typologie, sondern auch nach ihren Einschränkungen. Im Studium an der FERNFH haben Sie diese Kompetenz erworben.

    Quellen

    Hepp, Andreas/Berg, Matthias/Roitsch, Cindy (2012). Die Mediatisierung subjektiver Vergemeinschaftungshorizonte: Zur kommunikativen Vernetzung und medienvermittelten Gemeinschaftsbildung junger Menschen. In Krotz, Friedrich & Hepp, Andreas (Hrsg.), Mediatisierte Welten. Forschungsfelder und Beschreibungsansätze. Wiesbaden: Springer VS, S. 227-256.

    Jenkins, Henry/Purushotma, Ravi/Weigel, Margart/Clinton, Kathi/Robinson, Alice J. (2009). Confronting the challenges of participatory culture: Media education for the 21st century. Cambridge MA: MIT Press.

    Mannheim, Karl (1928) Das Problem der Generationen. Kölner Vierteljahreshefte für Soziologie, 7, S. 157-184. Prensky, Marc (2001), Digital Natives, Digital Immigrants. On the Horizon, 9(5), S. 1-6. Schulmeister, Rolf (2008). Gibt es eine Net Generation? Widerlegung einer Mystifizierung. In: Seehusen, S., Lucke, U. & Fischer, S. (Hrsg.), DeLFI 2008: Die 6. e-Learning Fachtagung Informatik. Bonn: Gesellschaft für Informatik e.V.. (S. 15-28).

  • Das Internet ist kein Zweitgedächtnis

    Das Internet ist kein Zweitgedächtnis

    Über 8 Millionen Menschen in Österreich haben Zugang zum Internet. Dort wartet eine nahezu unendliche – und vor allem auch unordentliche – Menge an Informationen. Doch wie nähern wir uns diesen Informationen und sind diese uns wirklich so nützlich? Wie können wir sinnvoll mit dieser Informationsfülle umgehen? In Gesprächen mit Freunden und Bekannten lässt sich für mich ein Informationsverwaltungstrend erkennen: in unserer modernen, vom Internet und von Mobile Devices geprägten Gesellschaft muss man nur noch wissen, wo man etwas findet und den entsprechenden Zugang zu Text, Bild und Ton haben. Doch was passiert hier mit unserem Denken oder unserer Gesprächskultur? Laufend bekomme ich Smarte Devices unter die Nase gehalten. Selten ist ein/e Gesprächspartner_in in der Lage eine selbstformulierte Beschreibung zum Sachverhalt zu liefern.

    Agieren via Suchmaschinen

    Selbstverständlich, wir müssen alle persönlich selektieren und filtern, was uns interessiert und bewegt. Wir legen uns dabei Routinen zu. Im Kontext des Internets agieren wir digital gern via Suchmaschinen. Schlagwort getippt, Treffer reflektiert, zwei oder drei Seiten überflogen und dann … Dann wenden wir uns womöglich wieder einfach anderen Dingen zu oder verlieren uns im Hyperraum der Hyperlinks.

    Unsere Alltagsmethodik im Umgang mit dem Internet ist denkfeindlich

    Obwohl oder besser gesagt, gerade weil uns das Internet doch alle Informationen dieser Welt bietet und bequem serviert, möchte ich die These aufstellen, dass unsere Alltagsmethodik, mit dem Internet umzugehen, regelrecht denkfeindlich ist. Für uns als Informationskonsument_innen führen die Struktur, die Virtualität und eben die Fülle an Einträgen im World Wide Web dazu, dass wir uns nur auf Suchmaschinen verlassen und womöglich dazu verleitet werden, das aktive Denken an das Netz outzusourcen. Wem wiederum diese Suchmaschinen gehören und nach welchen Grundsätzen oder Interessen diese betrieben werden, ist noch ein ganz anderes Thema. Auch der Autor und Wirtschaftsjournalist Nicholas Carr diagnostizierte an sich selbst bereits 2008 die Minderung seiner „Deep Reading“ Fähigkeit und machte seinen übermäßigen Internet- und Suchmaschinen-Gebrauch dafür verantwortlich, der seinem Geist die Web-Informationsverarbeitung antrainiert habe, welche sich wiederum vor allem durch schnelles und oberflächliches Lesen und Selektieren auszeichnet (Carr 2008).

    Wie können wir Informationen langfristig in das eigene Gedächtnis bringen?

    Heute soll es eher darum gehen, wie man, statt kognitives Cloud-Sourcing zu betreiben, gesammelte und selektierte Informationen langfristig in das eigene Gedächtnis bringen kann. Erst durch diesen Ansatz lassen sich über Zeit Wissen oder so etwas wie Erkenntnisse generieren. Erst aus gesammelten Informationen – nennen wir sie Notizen – lassen sich Themen, Probleme und Gedanken clustern, identifizieren und verknüpfen. Denken ist ein kreativer wie auch analytischer Prozess, keine Suchmaschine der Welt kann mir persönlich diese Denk- und Kreativarbeit abnehmen.

    Keine Suchmaschine der Welt kann mir diese Denk- und Kreativarbeit abnehmen

    Was also tun? Die Wissenschaft hat bereits erkannt: schematisches Denken geht nicht ohne externe Hilfsmittel. Denn unsere kognitiven Fähigkeiten und speziell unsere Erinnerungsfähigkeiten sind begrenzt. Unser Kopf ist so gut wie unfähig, verschiedene Dinge gleichzeitig präsent zu halten. Zumindest in diesem Punkt sind uns die Server und Festplatten dieser Welt weit überlegen. Und so empfiehlt der Bildungs- und Sozialwissenschaftler Sönke Ahrens den Aufbau einer Informationsverarbeitungsroutine gekoppelt mit dem Anlegen eines notizbasierten persönlichen Zweitgedächtnisses, mit dem man regelmäßig kommuniziert (Ahrens 2017).

    Notizen sammeln

    Wenn man also im Internet eine Informationssuche durchführt oder vielleicht einfach nur ein spannendes (Fach-)buch liest, dann muss man sich zu den persönlich für wesentlich erachteten Informationen Notizen machen, direkt beim Lesen oder Hören. Im Idealfall geschieht dies durch umformulierendes Schreiben des Gelesenen oder Gehörten. Eine solche Sammlung an Notizen kann dann über Zeit zu einem großen Vorrat an Themen und Gedanken anwachsen. Man beginnt in Hinblick auf seine Notizsammlung zu lesen, zu recherchieren und womöglich zu schreiben. Gleichzeitig trainiert man den bewussten Umgang mit Informationen, Begriffen und Argumenten, sowie die Unterscheidungsfähigkeit und Informationskompetenz. Und so ganz nebenbei praktiziert man die Kunst, sich einfach und verständlich auszudrücken. Gott oder ihre Mitmenschen werden es Ihnen vergelten.

    Eine unschätzbare Ressource

    Das Internet ist ein gigantischer Wissensspeicher und wird diese Rolle bzw. Funktion wohl noch eine Weile ausfüllen. Aber eine durchgeführte Suchmaschinenanfrage – rein in Request-Response-Manier – ohne persönliche Aufbereitung und Ablage der gefundenen und für wertvoll eingeschätzten Informationen führen nicht zum Aufbau eines persönlichen Wissensschatzes oder Zweitgedächtnisses. Persönliches analytisches und kreatives Denken kann uns das Internet nicht abnehmen und funktioniert nur mit Hilfsmitteln wie einer Notizsammlung. Intelligent und durchdacht verknüpfte Notizen liegen dann für Außenstehende womöglich wieder in einer Form der Unordnung vor – wie ja auch das Internet. Für uns persönlich ist diese Form der Sammlung aber eine unschätzbare Ressource der Themenfindung, Problemidentifikation und einfach auch Spielwiese, um mit den eigenen Gedanken kreativ zu werden. Für den weiterführenden Prozess des Schreibdenkens hat übrigens die Psychologin Barbara Scheuermann ein gutes und kurzgehaltenes Büchlein verfasst (Scheuermann 2016). Wer auch hier mehr erfahren möchte, nimmt sich am besten die Zeit für eine konzentrierte Kontemplation dieser Lektüre. Aber bitte das Notieren nicht vergessen. 😊

    Empfehlenswerte Literatur zum Weiterlesen

    Ahrens, Sönke. 2017. Das Zettelkasten-Prinzip – Erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen. 1. Auflage. Norderstedt: BoD (Books on Demand).

    Carr, Nicholas. 2008. „Is Google Making Us Stupid?“ Teachers College Record 110 (14): 89–94. https://doi.org/10.1177/016146810811001427.

    Scheuermann, Ulrike. 2016. Schreibdenken – Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. 3. Auflage. Opladen & Toronto: Verlag Barbara Budrich.

  • Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    „Digitalisierung in Lehre und Studium bedeutet weit mehr als Vorlesungen zu streamen, Seminare im Netz abzuhalten oder Lehrveranstaltungsunterlagen herunterladen zu können…“

    Mit diesen Worten leitet das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung den Menüpunkt Digitalisierung von Studium und Lehre ein.

    Die Coronapandemie hat der Digitalisierung einen enormen Schub verliehen und mancherorts kann man lesen:

    „Wenn man sich nicht selbst neu erfindet, wird man verdrängt.“

    An der FernFH sind digitale Elemente im hybriden Lernsetting seit Bestehen der Bildungseinrichtung ein fester Bestandteil in unseren Lehr- und Lernsettings. Wir haben Follower bekommen. Viele Fachhochschulen und Universitäten mussten von heute auf morgen ihren Betrieb auf Onlinelehre umstellen, um einen möglichst friktionsfreien Unterricht zu gewährleisten. Nicht immer zur Freude aller Beteiligten. Neues schafft Unsicherheit und Arbeit, Routinen müssen aufgegeben werden, es dauert, bis man sich in einer neuen Umgebung eingewöhnt hat. Und: es geschah nicht ganz freiwillig, das schafft schnell mal Reaktanz. Doch die eingeschränkte Freiheit durch die Pandemie wurde an den Fachhochschulen und Universitäten durch eine neue ersetzt: Anfahrtswege und Wartezeiten fielen weg, die Annehmlichkeiten des Home- oder Mobile Working-Settings wurden gern akzeptiert. Unsere Studierenden kennen diese Form des Lehr-und Lernsettings schon von Studienbeginn an.

    Digitale Elemente in der Lehre überwinden Distanz, schaffen (oft) eine 24/7 Zugriffsmöglichkeit auf Unterlagen und Lerninhalte und ermöglichen Kollaboration ungeachtet des Wohn- und Arbeitsorts und weitgehende Flexibilität in der Selbstorganisation. Im Studium ist es Wissenserwerb auf einer Ebene, die im Arbeitsleben in vielen Branchen längst Einzug gehalten hat.

    Nicht mehr als ein Werkzeug

    Ich möchte der Digitalisierung nicht absprechen, einen enormen Anteil in unserer Arbeits- und Lebenswelt zu haben. Vieles ändert sich schneller als wir selbst. Innovationen, Adaptionen, Neuerungen, Verbesserungen sind uns immer ein Stück voraus. Das Leben ist dadurch einfacher geworden, auch wenn es im ersten Moment komplex erscheint. Dennoch meine ich, Digitalisierung ist ein „Werkzeug“ aber keine Philosophie, es ist plakativ gesprochen vielmehr ein „Transportmittel“ für Austausch, Ideenfindung, Erneuerung, Transfer und vor allem Organisation in seiner Vielschichtigkeit. Dabei ist es für alle Akteur:innen notwendig, sich digitale Kompetenzen anzueignen und entsprechendes didaktisches Know-how und Medienkompetenz aufzubauen um sich gut im digitalen Setting bewegen zu können.

    Und darüber hinaus ist es unerlässlich, OFF-Line Settings beizubehalten, so wie in unserem Blended Learning Format an der FernFH umgesetzt, um Social Distancing, wie wir es aus Pandemiezeiten zur Genüge kennen, zu vermeiden. Denn genau die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, was wir unabhängig von den digitalen Möglichkeiten ebenso brauchen, um ein freudvolles und sinnerfülltes Arbeits-, Studien-, und Privatleben zu führen: soziale Nähe.

  • Früher war alles besser: Alter und Digitalität – geht das zusammen?

    Früher war alles besser: Alter und Digitalität – geht das zusammen?

    Als ich meine erste Arbeitsstelle angetreten habe, gab es Telefon, Fax, Telex und Rohrpost. Die wenigen Computer mit einfachen Datenverarbeitungsprogrammen hielten nach und nach Einzug in die Arbeitswelt, die Bildschirme flimmerten grün schwarz und waren nicht wirklich langfristig augentauglich. Die Entwicklung schritt rasch und stetig voran und heute sind digitale Geräte nicht mehr aus der Arbeits- und Bildungswelt wegzudenken. Ganz zu schweigen vom Privatleben. Wir sind vernetzt und überall erreichbar. Jede beliebige Information kann jederzeit abgerufen werden. Digitale Bildung beginnt schon im Kleinkindalter.

    Wir sind so digital wie nie

    „Laut Globalwebindex beträgt die durchschnittliche Nutzungsdauer des Internets in Österreich rund fünf Stunden und 45 Minuten pro Tag. Österreichische Internetnutzer im Alter zwischen 16 und 64 Jahren verbringen täglich eine Stunde und 22 Minuten in sozialen Medien (Stand 2020; statista.com)“

    Eher neueren Datums ist die Forschung, wie ältere Menschen mit digitalen Medien umgehen und welche Hemmschwellen sie dafür überwinden müssen oder auch sollten. Während wir uns darüber freuen, dass der Berufsalltag und das Privatleben immer papierloser wird und alles flexibel-leicht über mobile Endgeräte speicher- und abrufbar wird, stöhnen die Älteren. Filialen verschwinden, Automaten ersetzen Angestellte, Termine werden Online ausgemacht, Telefonservice wird mittels Sprachservice automatisiert. Das muss nicht sein. Denn Digitalität vermag auch viel Positives. Wichtig ist es, sich von negativen Altersstereotypen zu befreien.

    Digitale Teilhabe hört nicht mit dem Pensionsantritt auf.

    Ältere Menschen können sich genauso wie andere Generationen weiterentwickeln, es gilt hier den geänderten Bedürfnissen gerecht zu werden. Gerade die Zeit um Covid-19 hat gezeigt, dass digitale Vernetzung wesentliche Vorteile bringt, wenn es um sozialen Austausch, medizinische Unterstützung oder alltagsbedingte Informationsangebote geht.

    Inklusion der älteren Generationen

    Es scheint jedoch noch einen gewissen diffusen Leerstand zu geben. Erst im hochbetagten Alter werden AAL Konzepte attraktiv und zwangsläufig notwendig. Dazwischen gibt es vielfach konzipierte Annäherungsversuche. Was bereits in der LLL Strategie angekommen ist, nämlich „Punkt 9. Die Bereicherung der Lebensqualität durch Bildung in der nachberuflichen Lebensphase“, muss sich noch in den Köpfen der Partizipient_innen verankern. Dabei gilt es die Interessen aller Anspruchsgruppen zu bündeln. Einerseits in der Lehre, andererseits im sozialen Umfeld und letztendlich bei den Betroffenen selbst.

    Was braucht es dazu?

    Laut meiner Einschätzung Mut zur Veränderung, positive Vorbilder und Geduld. Ältere Menschen haben andere Grundvoraussetzungen, müssen Scheu abbauen und benötigen unter Umständen einen längeren Lernprozess, bis gewisse Handlungsschritte eingeübt worden sind. Essenziell bleibt, die Vorzüge beim Gebrauch von digitalen Medien praxisnah zu veranschaulichen und die lernende ältere Generation dabei in den Mittelpunkt zu stellen. „Die Dosis macht das Gift“ – ein abgewandelter Spruch, der von Paracelsus überliefert ist, mag wohl auch für die Digitalität im Alter stimmen. Der soziale Raum kann erweitert werden, wenn die Möglichkeiten sinnvoll und gezielt genutzt werden.

    Ich wünsche Ihnen einen erholsamen, sozialen Sommer!

    Weiterführende Lesetipps:

    https://erwachsenenbildung.at/themen/lebenslanges_lernen/oesterreichische_strategie/aktuell.php#lll2020

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/digitalisierung-im-alter-internetnutzung-der-senioren-16432678.html

  • Über das Lesen – Chancen und Nebenwirkungen

    Über das Lesen – Chancen und Nebenwirkungen

    Aller Anfang war leicht … Lesen im Kindesalter

    Lesen ist eine der Kulturtechniken in Kombination mit dem Schreiben, die wir mehr oder weniger enthusiastisch im Vorschulalter erlernen. Da werden aus Zeichen plötzlich erste Wörter. Wir konnten die Buschstaben A-P-F-E-L dem Objekt Apfel zuordnen. Lesen ist eine Schlüsselkompetenz. Dies bedeutet, dass Wörter und Texte sinnerfassend verarbeitet und auch reflektiert werden können. Auch abseits der Schule ermöglichte das Lesen es, die Informationen des Alltags zu erfassen. Lesen bedeutete in der Kindheit ein Stück weit Unabhängigkeit. Es machte Spaß, Buchstaben zu erkennen, zu verknüpfen, lesen zu lernen und die Geschichten, die aus Buchstaben im Kopf entstanden, zu erleben.

    Von Lust zu Frust oder umgekehrt?

    Später dann, wenn der externe Auftrag kam, etwas lesen zu müssen, (z.B. Seminar-, oder Abschlussarbeiten an der FernFH) wandelte sich manche Lust in Frust. Die Texte wurden länger, die Inhalte komplexer und es ging uns nicht mehr so leicht von der Hand. Auch hat sich in unserer multimedialen Welt die Haltung zum Lesen stark verändert. Wir legen ein anderes Leseverhalten an den Tag. Wir lesen vermehrt überschriftenorientiert und schnell erfassbar muss es sein. Die Umwelt hat sich verändert und eine Vielfalt von Textsorten (digital und/oder analog) stehen uns zur Verfügung. Es bedarf einiger Selektionskriterien.

    Die Suche nach Genres oder Fachliteratur war nie so leicht aber auch nie so komplex wie jetzt. Zum einen findet man sehr schnell viele Angebote, zum anderen befindet man sich meist auch gleich in einem Dilemma. Es ist zu viel! Es bedarf eines guten Systems, um relevanten Lesestoff ausfindig zu machen. Hat man den passenden Text oder das Medium gefunden, gilt es die nächste Hürde zu meistern….

    … und wie liest man jetzt richtig?

    An dieser Stelle möchte ich zwei Aspekte anführen. Das Lesen „zum Vergnügen“, also der Roman, der Zeitungsartikel zu meinem Lieblingshobby, das bedeutet für uns Lesespaß, Entspannung und Unterhaltung. Das geht meist runter wie Öl, finden Sie nicht? Man taucht ganz in die Geschichte ein. Ehe man es sich versieht, sind Stunden verflogen. Und ganz nebenbei trainieren wir auch noch unsere kognitiven Fähigkeiten, erweitern unseren Wortschatz und reduzieren Stress.

    Auf der anderen Seite gibt es auch Schriften, die nicht unbedingt zur Entspannungslektüre zählen, jedoch gefordert und zweckdienlich sind. Hier wäre es sinnvoll, sich nicht unvorbereitet in die Materie zu stürzen, sondern sich ein paar Fragen zu stellen: Was will ich mit dem Lesen erreichen? Schnelle Information? Einen groben Überblick? Tiefergehendes Verständnis für eine mir (gerade) wichtige Materie erlangen? Jetzt geht es um zeit- und energiesparendes, effektives Lesen.

    Anregungen mit positiven Nebenwirkungen

    Hier helfen ein paar Tipps, meine Favoriten möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

    1. Verorten Sie die Texte – das Wissen über die Autor_innenschaft unterstützt bei der Einordnung der Texte und schafft Verständnis für den Rahmen, in dem ein Werk entstanden ist.
    2. Bei Artikeln empfiehlt es sich, das Abstract zu lesen. Passt der Inhalt nicht, weglegen.
    3. Lesen Sie nicht Wort für Wort: Unser Gehirn kann mehrere Worte gleichzeitig verarbeiten, sie ergeben mehr Sinn als jedes einzelne und noch dazu bleiben wir konzentrierter.
    4. Machen Sie sich Notizen im Buch: Markieren Sie die Seiten und Stellen, die Ihnen merk-würdig erscheinen (z.B. auf der ersten Innenseite)
    5. Schreiben Sie auf, was Sie über den Inhalt denken – verfassen Sie quasi Ihre persönliche Buchrezension.
    6. Reflektieren Sie. Die paar Minuten zahlen sich aus. Sie verknüpfen die Inhalte mit ihrem Wissenstand. Gelesenes bleibt so länger im Gedächtnis.

    Machen wir es wie die Kinder, lassen wir uns auch von fordernder Lektüre überraschen, seien wir stolz, wenn wir Inhalte verinnerlichen konnten und kreieren wir aus komplexen Buchstabenketten unsere persönlichen AHA-Erlebnisse. Mehr zu guter Lesetechnik im Studienumfeld gibt es sicher demnächst in einem meiner nächsten WissBlog Beiträge.

    Artikel zum Thema:

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/im-gespraech-umberto-eco-sind-sie-der-ideale-leser-signor-eco-1635716.html

    http://www.buecherlei.de/fab/hesse/uelesen.htm

  • Masterpasswort – sicher, geheim und gut zu merken: geht das?

    Masterpasswort – sicher, geheim und gut zu merken: geht das?

    Mit Hilfe von Passwortmanagern können viele unterschiedliche Zugangsdaten und Passwörter sicher verwahrt und verwaltet werden.

    Dafür ist es nötig, ein sicheres Masterpasswort zu haben. Dieses soll schwer knackbar und zusätzlich auch gut zu merken sein. Natürlich gilt dies für jedes selbst zu merkende Passwort und nicht nur für ein Masterpasswort, da beispielsweise beim PC-Login ein Passwortmanager nur schwierig eingesetzt werden kann.

    Das alte und schwierige Passwort

    Bisher galten Passwörter bestehend aus einer Kombination von Sonderzeichen, Groß- und Kleinbuchstaben, sowie Ziffern als Maß der Dinge. Auch Passwörter von mindestens 8 Zeichen wurden, bzw. werden teilweise immer noch empfohlen. Ein Beispiel dafür ist das Passwort „f9D22+P#“.

    Leicht zu merken ist ein solches Passwort allerdings nicht. Hinzu kommt, dass es einem Computersystem egal ist, wie unzusammenhängend der Aufbau des Passworts ist. Um ein Passwort zu knacken, werden einfach alle Möglichkeiten durchprobiert und in der Regel gibt es damit nach durchschnittlich 50 % der möglichen Kombinationen einen Treffer.

    Das leicht zu merkende und sichere Passwort

    Wie kann nun ein leicht zu merkendes Passwort erstellt werden, welches sogar deutlich komplexer ist als die oben genannte Kombination aus Groß- und Kleinschreibung, sowie Sonderzeichen und Ziffern?

    Ganz einfach: wir nehmen etwas, auf dessen „Speicherung“ unser Gehirn trainiert ist. Wörter aus dem Wörterbuch! Bereits durch vier zufällig gewählte Wörter aus einem deutschsprachigen Wörterbuch erhalten wir eine höhere Sicherheit als mit 8 beliebigen Zeichen. Beispielsweise durch das zufällige Passwort: „Dachs faul logisch Gerät“.

    Sogar, wenn ein angreifender Computer weiß, dass für das Passwort Wörter aus dem Wörterbuch genutzt wurden, muss er bei einem Wortschatz von 100.000 Wörtern 50 % der möglichen 100.000.000.000.000.000.000 (einhundert Trillionen) Kombinationen durchprobieren, um das genutzte Passwort zu finden (für ganz Interessierte: die Berechnungen dazu findet ihr am Ende der Seite). Das ist viel und dauert auch sehr lange 😉

    Probiert es einfach aus! Es ist sehr leicht zu merken und jedes weitere Wort des Passworts erhöht die Sicherheit um das 100.000-fache!

    Am Schluss noch ein Tipp: viele Systeme (beispielsweise der PC-Login) fordern immer noch eine Kombination aus Buchstaben, Sonderzeichen und Ziffern und lassen daher die Wörterbuch-Passwörter nicht zu. Diese Hürde kann ganz einfach überwunden werden, indem am Ende des Passworts eine Ziffer und ein Sonderzeichen gestellt werden. Da diese keine wirkliche Relevanz für die genannte Passwortsicherheit haben, können hier auch Zeichen genutzt werden, die schnell zu tippen sind. Das oben genannte Passwort könnte damit dann einfach „Dachs faul logisch Gerät 9+“ lauten.

    Dies ist das Ende meiner Serie zum Thema Passwortsicherheit. Wenn ihr Wünsche und Vorschläge zu weiteren Sicherheitsfragen aus der Alltagspraxis habt, dann würde ich mich über eure Anregungen in den Kommentaren sehr freuen 🙂

    Und wie wird die Komplexität und Sicherheit der Passwörter nun berechnet?

    Beispielsweise ein Passwort „f9D22+P#“ mit 8 Zeichen und Erfüllung aller oben genannten Kriterien hat somit folgende Komplexität:

    • 26 Großbuchstaben +
    • 10 Ziffern +
    • 36 Sonderzeichen (alle Sonderzeichen der deutschen Tastatur)
    • = 98 mögliche Zeichen pro Stelle.
    • Bei 8 Zeichen sind das 98^8 mögliche Passwortkombinationen.

    Ein Hochleistungs-PC, welcher 2.148.000.000 Passwörter in der Sekunde ausprobieren kann, benötigt somit durchschnittlich ca. 23 Tage um das Passwort herauszufinden (50% der Möglichkeiten).

    Bei der Nutzung von vier zufälligen Wörtern aus dem Wörterbuch (kein Satz, sondern tatsächlich zufällig gewählte Wörter wie beispielsweise „Dachs faul logisch Gerät“), ergibt sich bei Nutzung der 100.000 unterschiedlichen Wörter des Österreichischen Wörterbuchs (AF20) folgende Komplexität:

    • 100.000 mögliche Wörter pro „Stelle“ (ein Wort ist somit eine Stelle).
    • Bei 4 Wörtern sind das 100.000^4 mögliche Passortkombinationen.

    Ein Hochleistungs-PC (der selbe PC wie im ersten Beispiel), welcher 2.148.000.000 Passwörter in der Sekunde ausprobieren kann, benötigt somit durchschnittlich ca. 738 JAHRE um das Passwort herauszufinden (50% der Möglichkeiten).

  • Verlässlichkeit und Qualität von Quellen

    Verlässlichkeit und Qualität von Quellen

    „Ein Auto, ein Computer, ein Mann “.[1]

    So oder so ähnlich begann die Serie Knight Rider in meiner Jugend, die man, dank gefühlten 1000 Fernsehsendern auch jetzt noch schauen kann. Zufällig zappe ich in das Intro, denke mir, dass die Zeit die Serie irgendwie überholt hat – und damit meine ich nicht, dass David Hasselhoff sich als Sänger bezeichnet. In der Regel reichen bei mir 5 Minuten 80er Nostalgie als maximale Dosis, ich zappe auf die Nachrichten und höre von einem Tesla, dessen Batterie gebrannt hat. Doch nix mit „überholt“ also, denke ich.

    Als Teslafahrer beschließe ich jedoch der Sache auf den Grund zu gehen, wer will schon im Auto eine Sitzheizung mit offener Flamme. Ich mache mich also auf die Suche nach der Quelle der Neuigkeiten und stelle fest, dass dies eine Meldung des ORF Tirol ist[2]. Die Meldung wurde offenbar unhinterfragt von ziemlich allen Medien ohne weitere Prüfung übernommen.

    Als Wissenschaftler fällt mir da neben dem Begriff „Quelle“ auch sofort „Validität“ ein,

    also die Überprüfung der Verlässlichkeit einer Aussage. In der Wissenschaft kann man Dinge nicht einfach behaupten, deren Ursprung muss mit Daten belegbar sein, die wiederum nachvollziehbar sein müssen. Kann man Daten nicht überprüfen, dann kann man zwar Behauptungen aufstellen, jedoch keine Hypothesen darauf aufbauen.

    Im Falle der brennenden Batterie des Tesla stellte sich übrigens heraus, dass nicht die Batterie, sondern das Kühlmittel der Klimaanlage brannte, der Akku selbst blieb sogar unversehrt vom Brand[3]. Die Quellen hierzu sind valide. Die Bilder des Akkus des betroffenen Autos zeigen ihn unversehrt, Expert_innen haben dies zusätzlich empirisch überprüft. Im Vergleich zu Elektroautos kommen laut Martin Winter vom Forschungszentrum Jülich Autos mit Benzin- oder Dieselmotor auf etwa 90 Fahrzeugbrände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer im Gegensatz zu zwei Bränden pro einer Milliarde Kilometer bei Tesla[4].

    Quellenangaben kritisch zu hinterfragen sollte also nicht nur bei wissenschaftlichen Arbeiten, sondern auch im Alltag mit omnipräsenter Medienflut zu einer täglichen Routine werden.

    Es gehört zu den oft genannten digitalen Kompetenzen, Informationen nicht nur schnell, sondern auch valide zu konsumieren.

    Michael Knight hat sein Auto übrigens auch über seine Smart Watch rufen können – da hat die Wissenschaft noch Ziele auf die sie hinarbeiten kann – obwohl, … Moment, da war doch schon was … Doch mehr dazu in einem der nächsten Blogs zum Thema Smart Watches.

    [1]        „Knight Rider“, Wikipedia. 22-Okt-2019.
    [2]        „Brennender Tesla muss in Kühlcontainer“, tirol.ORF.at, 04-Okt-2019. [Online]. Verfügbar unter: https://tirol.orf.at/stories/3015765/. [Zugegriffen: 11-Dez-2019].
    [3]        symple.ch, „Er ist draußen | AUTO & Wirtschaft“, Er ist draußen | AUTO & Wirtschaft. [Online]. Verfügbar unter: https://autoundwirtschaft.at/news/32808-er-ist-draussen. [Zugegriffen: 11-Dez-2019].
    [4]        „Internationales Wiener Motorensymposium“. [Online]. Verfügbar unter: https://wiener-motorensymposium.at/. [Zugegriffen: 11-Dez-2019].