Schlagwort: Hypothesen

  • Abschlussarbeiten schreiben – Give me the Fragebogen and nobody gets hurt!

    Abschlussarbeiten schreiben – Give me the Fragebogen and nobody gets hurt!

    Endlich kann man kreativ werden und Daten erheben! Immerhin hat man sich bisher schon mit der Themenfindung, der Problemstellung, der Literatur, dem Theoriekapitel und den Hypothesen abgemüht! Jetzt ist es Zeit, dass man sich mal selbst an die Arbeit begibt und die Erhebung gestaltet und nicht immer nur das zusammenfasst was andere gemacht haben. 😉 Bei Erhebungen gibt es wieder einiges zu beachten, weil wenn man einen Blödsinn erhoben hat, bringt einem die beste Auswertungsmethode nix mehr.

    Wie kann ich meine Hypothesen beantworten?

    Meine Forschungsfrage ist: „Welche Bedeutung haben Geldgeschenke im Familienkontext?“. Und meine Hypothesen sind: H1: „Je älter die Kinder sind, desto weniger finanzielle Unterstützung erhalten sie von ihren Eltern.“; H2: „Personen, die ein eigenes Einkommen haben, erhalten weniger finanzielle Unterstützung von ihren Eltern, als Personen, die kein eigenes Einkommen haben.“. Da habe ich mich ja schon entschieden, dass ich diese quantitativ, also mit einem Experiment oder einem Fragebogen untersuche. Bei einem Experiment werden Personen zufällig zu Experimentalbedingungen zugewiesen. Auch wenn ich das gerne möchte, aber leider kann ich nicht manipulieren, ob mir meine Eltern Geld geben oder nicht. Daher kann ich hier auch kein Experiment durchführen. Aber ich kann Leute mit einem Fragebogen befragen und damit meine Hypothesen beantworten.

    Konstrukte getrennt voneinander erheben

    Um Hypothesen mit einem Fragebogen zu beantworten, muss man die Dinge (auf g’scheit: Konstrukte), die in den Hypothesen vorkommen, getrennt voneinander erheben. Ich will wissen, ob das Alter negativ mit der finanziellen Unterstützung durch die Eltern zusammenhängt. Daher muss ich im Fragebogen einerseits erheben, wie alt meine Teilnehmer_innen sind und andererseits wieviel finanzielle Unterstützung (z.B. Höhe, Häufigkeit) sie von ihren Eltern erhalten. Vergisst man hier auf einen Teil, dann kann die Hypothese nicht beantwortet werden. Das ist klar. Aber auch wenn man beide Teile auf einmal erhebt (also zum Beispiel mit der Frage: „Wie sehr haben Sie das Gefühl, dass sie mit zunehmendem Alter weniger finanzielle Unterstützung Ihrer Eltern erhalten“), kann man keine Korrelation berechnen und somit die Hypothese ebenfalls nicht beantworten. Damit die Hypothesen am Schluss gut beantwortet werden können, muss man sich schon bei der Gestaltung des Fragebogens überlegen, wie man das anschließend auswertet.

    Wie komme ich zu guten Fragen?

    Oft sollen in Fragebögen auch Konstrukte erhoben werden, die in der Literatur schon untersucht wurden (z.B. Arbeitszufriedenheit, Persönlichkeitseigenschaften). Da braucht man sich selbst nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, wie man das am besten erhebt, sondern man sucht am besten in den Material- und Ergebniskapiteln der gelesenen Artikel, wie das dort erhoben wurde. Das sind dann meist schon getestete Fragenbatterien (auf g’scheit: Skalen), die man dann im eigenen Fragebogen übernehmen kann. Außerdem gibt es auch Datenbanken, die alle möglichen Skalen sammeln (siehe Links unten). Zuerst sollte man sich aber noch genau überlegen, ob das zu erhebende Konstrukt aus den Hypothesen auch gut zu den ausgewählten Skalen passt. Nur weil irgendwer das mal verwendet hat, heißt das noch lange nicht, dass das eine super Skala ist! Da muss man sich auch ein wenig auf das eigene Gefühl verlassen, um zu beurteilen, ob die Skala was taugt. Einzelne Wörter und das Antwortformat kann man auch bei schon gut geprüften (auf g’scheit: validierten) Skalen natürlich ohne weiteres anpassen.

    Die Intervallskala

    Am besten erhebt man immer alles auf dem höchstmöglichen Skalenniveau. Bei Skalen sollte das also Intervallskalenniveau sein. So kann man die besten Analysen durchführen bzw. wenn man es dann doch nicht so genau braucht, kann man das noch umkodieren. Was ganz grauslich zum Auswerten geht, sind Mehrfachantworten (d.h. Wählen Sie alles aus was auf Sie zutrifft.) und Reihungsfragen (d.h. Ordnen Sie die folgenden Aussagen danach, wie diese auf Sie zutreffen.). Besser ist es immer die Alternativen vorzugeben und für jede auf einer 7stufigen Antwortskala abzufragen, wie sehr diese zutrifft und zwar mit den Endpolen „trifft gar nicht zu“ bis „trifft völlig zu“.

    Was muss man noch beachten?

    Wenn sich Personen in einem Fragebogen nicht wiederfinden oder dieser sie nervt, dann brechen sie die Befragung ab. Niemand hat Zeit für und Lust auf einen schlechten Fragebogen. Daher sollte man immer überlegen, ob auch alle Personen eine passende Antwortalternative haben. Auch sollte man immer die Möglichkeit geben, dass eine Frage nicht beantwortet werden muss. Da verzichtet man lieber mal auf eine einzelne Antwort, als auf den ganzen Fragebogen.

    Natürlich knallt man den Fragebogen den Teilnehmer_innen nicht einfach hin, sondern man schreibt eine kurze Einleitung. In dieser stellt man sich vor, gibt an wozu die Untersuchung durchgeführt wird, gibt grob an worum es im Fragebogen gehen wird – aber nicht zu genau, um niemanden zu beeinflussen –, sichert die Anonymität zu, schreibt, dass es keine richtigen und falschen Antworten gibt, führt die ungefähr benötigte Zeit zum Ausfüllen an und stellt Kontaktdaten für Nachfragen zur Verfügung. Am Ende des Fragebogens bedankt man sich für die Teilnahme – man will ja nicht unhöflich sein, oder? – und gibt nochmals Kontaktinformationen an.

    Wie sieht das dann in der Abschlussarbeit aus?

    In jeder Abschlussarbeit aber auch in jedem Artikel mit einer empirischen Studie gibt es ein Materialkapitel in welchem der Fragebogen von Anfang bis Ende, also von der Einleitung bis zur Danksagung, beschrieben wird. Also genau was wurde als Thema angegeben, auf wie lange wurde die ungefähre Bearbeitungsdauer geschätzt usw. Dann wird angegeben worauf mit welchen Fragen abgezielt wurde, welches Antwortformat verwendet wurde und man gibt eine Beispielfrage an. Für die Fragen und Skalen, die aus der Literatur stammen, wird hier die Quelle zitiert. So weiß eine Person, die den Fragebogen nicht vor sich hat, genau wie dieser ausgesehen hat und woher die Fragen stammen und was wie abgeändert wurde. Außerdem wird der Fragebogen im Anhang der Abschlussarbeit abgebildet.

    Wie lerne ich gute Fragebögen zu gestalten?

    Gute Fragebögen zu gestalten hat viel mit Erfahrung zu tun. Diese Erfahrung kann man sammeln, indem man einfach jeden Fragebogen, der einem in die Quere kommt, beantwortet. Dabei überlegt man am besten immer gleich mit, was gefällt, was nicht gefällt, fühlt man sich angesprochen, was würde man selbst anders und damit hoffentlich besser machen. So kann man dann schon beim eigenen Fragebogen gut abschätzen, wie man diesen gestalten könnte.

    Ist der Fragebogen einmal fertig, dann geht es los mit der Erhebung! Das erledigt sich meist wie von selbst. Sind die Daten einmal da, dann wird ausgewertet und darum geht es auch in meinem nächsten Blogbeitrag. Versprochen!

    Weiterführende Links

    https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro
    http://www.scalesandmeasures.net/
    https://www.testarchiv.eu/
    https://en.wikibooks.org/wiki/Handbook_of_Management_Scales
    http://zis.gesis.org/

  • Abschlussarbeiten schreiben – Jetzt wird’s hypothetisch

    Abschlussarbeiten schreiben – Jetzt wird’s hypothetisch

    Jetzt wo mit allen vorangegangen Blogbeiträgen das Thema, die Forschungsfrage und der Theorieteil stehen, gehts bei empirischen Arbeiten um eine weitere wichtige Entscheidung: Soll qualitativ oder quantitativ geforscht werden? Ich bin ganz klar in der quantitativen Forschung beheimatet, und schlage daher, wo es nur irgendwie sinnvoll ist, Forschung mit Experimenten und Fragebögen vor. Das mit dem qualitativen Forschen, also Interviews, Dokumentenanalysen usw. überlasse ich lieber unserer Spezialistin Anahid Aghamanoukjan. Ich werde mal bei ihr nachfragen, ob sie hier vielleicht einspringen und den einen oder anderen Blogbeitrag dazu schreiben mag. 😊

    Also, entschieden für quantitative Forschung und raus mit dem Fragebogen! So ist oft der Zugang von Studierenden. Das kann ganz schnell nach hinten los gehen. Zuerst muss man sich überlegen, was man überhaupt wissen will und das muss natürlich gut überlegt sein. Weil der beste Fragebogen bringt nichts, wenn er nicht erhebt, was man überhaupt wissen will.

    Um zu wissen, was man überhaupt wissen will, werden Hypothesen aufgestellt. Hypothesen fallen dabei nicht einfach vom Himmel, sondern sie werden in einem eigenen Kapitel der quantitativen empirischen Arbeit abgeleitet. Und das macht man so, dass man nochmal grob die Literatur aus dem Theorieteil wiederholt und dann Vermutungen ableitet, wie sich auf Grund des Zusammengefassten Zusammenhänge oder Unterschiede darstellen könnten. Studierende finden das manchmal komisch, noch mal die Literatur zu berichten oder vergessen dabei sogar darauf, zu zitieren. Es ist aber für die Klarheit des Forschungsprozesses wichtig, noch mal anhand der Literatur diese Vermutungen explizit aus der Theorie abzuleiten und darauf aufbauend die Hypothesen aufzustellen. Und wichtiger Merksatz zum Zitieren: „Zitiere, was ist nicht von dire!“ 🤣

    Wie schaut das jetzt praktisch aus?

    Meine Vermutung zu dem Problem, dass mir meine Eltern kein Geld mehr schenken, ist, dass ich wohl durch mein Alter (41 Jahre) und dadurch, dass ich arbeite und Geld verdiene (sorry, hierzu gibt es keine näheren Auskünfte, außer dass es natürlich gerne mehr sein darf! 😉) schlechte Karten habe, um hier auf Geld hoffen zu können. Um jetzt Hypothesen aufzustellen, muss ich in der Theorie auf jeden Fall zum Zusammenhang von Geschenken mit Alter und finanzielle Selbstständigkeit berichtet haben. Um die Hypothesen aufzustellen, muss ich nun diese im Theorieteil berichtete Literatur nochmal grob darstellen und komme zu dem Schluss, dass mit zunehmendem Alter und zunehmender Selbstständigkeit von Kindern die finanzielle Unterstützung durch die Eltern abnimmt.

    Wie werden jetzt Hypothesen formuliert?

    Meine Vermutung, dass mein Alter und mein Gehalt der elterlichen Unterstützung entgegenwirken, ist natürlich recht unfein formuliert und entspricht nicht dem, wie Hypothesen formuliert werden sollten. Hypothesen nehmen entweder einen Zusammenhang oder einen Unterschied an.

    Zusammenhangshypothesen haben immer die Form „je…, desto…“ Die obige Vermutung zum Alter wäre also: „Je älter die Kinder sind, desto weniger finanzielle Unterstützung erhalten sie von ihren Eltern.“ Dahingegen geben Unterschiedshypothesen immer an, zwischen welchen Gruppen eben ein Unterschied besteht. Für meine obige Vermutung zum Gehalt wäre das dann: „Personen, die ein eigenes Einkommen haben, erhalten weniger finanzielle Unterstützung von ihren Eltern, als Personen, die kein eigenes Einkommen haben.“ Achtung, bei Unterschiedshypothesen muss immer angegeben werden, welche Gruppen sich unterscheiden, leider wird oft die Vergleichsgruppe – also das was nach „als“ kommt – vergessen. Zur Info: Die hier aufgestellten Hypothesen sind gerichtet, das heißt es wird schon angenommen in welche Richtung der Zusammenhang oder Unterschied geht. Also ob der Zusammenhang positiv oder negativ ist bzw. welche Gruppe von den Eltern weniger Kohle bekommt.

    Wenn man aus der Literatur noch nicht ablesen kann, in welche Richtung der Zusammenhang oder der Unterschied geht, dann werden ungerichtete Hypothesen aufgestellt. Also: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen Alter der Kinder und der erhaltenen finanziellen Unterstützung durch die Eltern.“ bzw. „Zwischen Personen mit und ohne Gehalt besteht ein Unterschied in der Höhe der finanziellen Unterstützung der Eltern.“

    Kann man auch hypothetisieren, dass es keinen Zusammenhang oder Unterschied gibt?

    Immer wieder kommt es vor, dass Studierende Hypothesen aufstellen wollen, dass es keinen Zusammenhang oder Unterschied gibt. Das ist auf jeden Fall manchmal berechtigt, aber die Denkrichtung der Falsifikation in der wir uns befinden, lässt solche Annahmen leider nicht zu. Das heißt Hypothesen können immer nur annehmen, dass etwas zusammenhängt oder sich unterscheidet aber niemals, dass etwas nicht zusammenhängt oder gleich ist. Solche Annahmen können mit den statistischen Standardtests nämlich nicht falsifiziert werden.

    Puh, endlich sind die Hypothesen aus der Literatur abgeleitet! Jetzt kann es losgehen mit dem Fragebogen bzw. dem Experiment. Um hier mehr zu erfahren müsst ihr aber auf die nächsten Blogbeiträge warten.