Autor: Eszter Geresics-Földi

  • Studieren ohne Grenzen

    Studieren ohne Grenzen

    Studieren in einer anderen Sprache? Heutzutage ist es nichts Besonderes. Viele studieren auf Englisch entweder in Österreich oder im Ausland.

    Viele können sehr gut Deutsch, möchten sich weiterentwickeln.

    Viele Leute, die in Österreich wohnen, haben Deutsch nicht als Muttersprache. Sie haben eine neue Heimat aus unterschiedlichen Gründen ausgesucht: Krieg, sie sollten mit den Eltern/Kindern mitkommen, finanzielle Probleme oder einfach, weil es hier so schön ist! Viele von diesen Menschen können sehr gut Deutsch, möchten sich weiterentwickeln, nicht mehr nur in der Sprache, sondern auch fachlich. Wenn sie an einer Uni oder FH in Österreich studieren möchten, haben sie zwei Möglichkeiten: Sie suchen eine Weiterbildungsmöglichkeit in Englisch aus (wenn sie die englische Sprache so gut beherrschen), oder sie versuchen es auf Deutsch.

    Wie schwierig ist es aber, mit guten Sprachkenntnissen Frontalunterricht, viele Vorlesungen zu haben, verbindlich anwesend zu sein, vor den anderen zu reden….?

    Die komplizierten Sätze entknoten

    Oft ist es sehr anstrengend, den ganzen Tag eine andere Sprache zu hören, und es kommen noch die unterschiedlichen Fachwörter dazu. Zuhause muss man noch die Studienhefte, Fachbücher durchlesen – nicht nur lesen, sondern auch verstehen. Oft bis zum nächsten Tag. Ist es möglich? Ja, sicher. Aber einfach ist es nicht. Man möchte sich ein bisschen Zeit nehmen, nicht für den nächsten Tag alles erledigen, weil man wahrscheinlich länger braucht als die anderen. Im Wörterbuch dauernd nachschauen, die komplizierten Sätze entknoten.

    Wie wäre es, wenn man es sich selbst einteilen könnte?

    Wie wäre es, wenn man selbst einteilen könnte, wann man bei einer Vorlesung teilnehmen möchte, könnte den Frontalunterricht pausieren, um im Wörterbuch etwas nachzuschauen, oder die Vorlesung noch einmal anhören?

    Zu schön? Ja. Aber es ist möglich. Man kann bei uns an der FernFH die sprachlichen Schwierigkeiten überwinden. Natürlich ist es eine sehr harte Arbeit, aber man kann sich in seinem Rhythmus weiterentwickeln.

  • Was ist für wen „normale“ Lehre?

    Was ist für wen „normale“ Lehre?

    Was bedeutet „normale“ Lehre? Was ist „normal“? Nach der Meinung vieler Menschen: Normal ist was die meisten Leute tun. Alle anderen Sachen sind einfach anders.

    Auch bei der Lehre ist das so. Wenn man täglich – oder mindestens viermal in der Woche – auf die Fachhochschule (FH) fährt, ist das normal. Wenn man nur dreimal im Semester zur FernFH fährt, ist es einfach anders. Das sind wir.

    Unsere Lehre ist die Fernlehre.

    Ich war 13 Jahre lang in der „normalen“ Lehre tätig. Jeden Tag war ich an der FH, habe meine Vorlesungen, Programmierstunden oder etwas ähnliches gehalten. Das heißt: um 6:00 in der Früh aufstehen, um 7:30 in der Arbeit sein, bis 15:00 Uhr unterrichten. Dann natürlich noch Tests verbessern, ein paar Fragen beantworten, Bachelorarbeiten betreuen usw. Jeden Tag, von Montag bis Freitag.

    Heute bin ich nicht mehr in der „normalen“ Lehre tätig, sondern in der Fernlehre. Das schaut ganz anders aus, da die Studierenden nur sechs Tage im Semester an der FernFH anwesend sind.

    Oder doch nicht?

    Ich stehe um 6:00 auf, um 7:30 bin ich in der Arbeit. Ich arbeite zirka bis 16:00 Uhr. Jeden Tag, von Montag bis Freitag. Gibt es dann einen Unterschied? Ja. Ich halte nicht jeden Tag Vorlesungen, Programmierstunden oder etwas ähnliches.

    Bei der „normalen“ Lehre sind in einem Kurs mindestens 25 Studierende. In diesem Fall hat man zwei Optionen:

    • während des Programmierens entweder alle Fragen beantworten und fast gar nicht im Stoff weiterkommen, oder
    • fast keine Fragen beantworten und im Stoff einfach weitergehen.

    Beides ist keine gute Lösung. Wir haben uns darüber noch keine Gedanken gemacht, dass die Studierenden unterschiedliche Niveaus im Programmieren haben …

    An der FernFH habe ich oft 80 statt 25 Studierende. Aber diese 80 Studierenden lernen alles selbst. Einige erst in der letzten Woche, andere schon ab der ersten Woche des Semesters.

    Die Zeit können sie sich selbst einteilen, und sie können jederzeit Fragen stellen.

    Es gibt die Möglichkeit, die Unsicherheiten untereinander zu besprechen, oder mich zu fragen. Dafür bin ich da.

    Meine Aufgabe ist es, die Studierenden zu unterstützen.

    Egal ob sie den Stoff in einer Woche oder in drei Monaten durcharbeiten können. Natürlich müssen es alle bis zur Prüfung schaffen.

    Ich habe jetzt einen großen Vorteil, der in der „normalen“ Lehre nicht möglich war: es gibt endlich Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden. Es gibt genug Zeit, Fragen zu beantworten, neue Beispiele auszuarbeiten, sofortiges Feedback zu geben. Wenn Wichtiges fehlt, kann ich per Skype auch wöchentlich Vorlesungen anbieten.

    Jede_r Studierende kann im eigenen Tempo weitergehen, muss keinen Stress wegen Fragen haben, sich Sorgen machen was die anderen glauben, wenn sie etwas fragen, …

    Komischerweise hatte ich während der 13 Jahre in der „normalen“ Lehre viel weniger Kontakt mit meinen Studierenden gehabt, als im letzten Jahr an der FernFH – trotzdem wir uns jede Woche gesehen haben.

    Das macht mich glücklich.

    Ich kann Studierende jetzt richtig unterstützen und nicht nur lehren. Kann ihnen die Kenntnisse, die sie brauchen, vermitteln.

    Ich hoffe, dass das meine Studierenden auch glücklich macht und viel Freude beim Lernen bringt!

    Wir haben aber jetzt eine Sondersituation….

    Seit Montag 16.03.2020 dürfen aufgrund der Situation in Zusammenhang mit COVID-19 keine Studierenden mehr im Hochschulbereich vor Ort zu sein. Sie müssen alles von zu Hause erledigen. Kein Frontalunterricht, keine Präsenzveranstaltungen, keine persönlichen Gespräche mit den Betreuer_innen und/oder Studienkolleg_innen.

    Das ist eine sehr spezielle Situation.

    Die Studierenden müssen sich darum kümmern, alles alleine zu besorgen und zu erledigen.

    Die Lehrenden müssen alle Lernunterlagen irgendwie den Studierenden mitteilen, Skype oder Teams Gruppen erstellen, statt persönliche Kontakte alles online machen.

    Für uns an der FernFH ist das eigentlich ganz normal.

    Oder doch nicht? Wir dürfen auch nicht mehr an die FernFH gehen, wir müssen von zu Hause arbeiten. Natürlich vermisse ich meine Kolleg_innen sehr. Es ist schön zu Hause zu sein, aber man braucht soziale Kontakte. Wenn ich dieses Gefühl habe, mache ich einen Kaffee für mich, und skype mit meinen Kolleg_innen. Wir trinken gemeinsam einen Kaffee. 🙂

    Von der Arbeitsseite her ist es eigentlich nicht anders. Ich bereite meine Online-Tests vor, ich betreue meine Studierenden, wie immer – ONLINE.

    In unserer Arbeit gibt es zum Glück keine Pause, keine große Besonderheit – außer, dass unsere FernFH am 17.03.2020 die ersten Online-Abschlussprüfungen in Österreich erfolgreich durchgeführt hat. Sonst läuft alles, wie gewohnt.