Kategorie: Aus unseren Fachgebieten

  • Wohin mit den vielen Passwörtern?

    Wohin mit den vielen Passwörtern?

    Heutzutage kommt kaum jemand daran vorbei mehrere digitale Zugänge zu haben. Sei es Mail, der eigene PC, Social-Media-Profile, Smartphones, Onlineshops, Online-Zeitungen, Lernplattformen 😉 und vieles mehr. Für jeden Zugang wird dabei ein Username, eine E-Mailadresse aber natürlich auch ein Passwort benötigt.

    Aber wie kann ich mir die vielen Zugänge und Passwörter überhaupt merken?

    Jeder entwickelt sein eigenes System und es kursieren auch viele, mal bessere und mal schlechtere Tipps im Internet, im Bekanntenkreis, der Firma, durch IT-Spezialisten, usw.

    Die einfachste Lösung ist natürlich überall die selben Zugangsdaten zu verwenden. Aber ist das dann sicher? Nein, ist es nicht. Denn sobald einer der vielen Anbieter das Passwort verliert, sind auf einmal alle Zugangsdaten aller anderen genutzten Dienste auch bekannt. Wenn beispielsweise einer der Onlineshops, in denen ich registriert bin, eine Sicherheitslücke hat und die darin gespeicherten Passwörter verliert, können sich potentielle Angreifer*innen auch in meinem Mailaccount und alle weiteren Zugänge einloggen. Rückschlüsse auf den Mailaccount lassen sich sehr leicht finden und gerade dieser Zugang ist einer der sensibelsten.

    Um dies zu vermeiden wird meistens empfohlen für jeden Account ein anderes Passwort zu verwenden. Hier gibt es viele Anleitungen, wie mit Eselsbrücken ein variabler Teil des Passworts getauscht wird und ein Teil immer gleich bleibt. Auch das ist nicht optimal, da viele dieser Eselsbrücken reproduziert werden können, und der fixe Passwortanteil zumindest schnell bekannt oder leicht herzuleiten ist. Auch wird es ab hier schon schwierig, sich Passwort und Eselsbrücken zu merken.

    Ein einzelnes Passwort wäre einfacher.

    Wenn ein Passwort verloren wird, ist es sehr aufwändig alle zu ändern. Manche Services verlangen dies ohnehin regelmäßig. Passwörter dürfen dann nicht ähnlich sein, und damit funktionieren Eselsbrücken meist nicht mehr.

    Die Lösung sind Passwortmanager.

    Die beste Möglichkeit wäre also ein System mit nur einem Passwort, welches ich mir merken muss. Jedoch mit individuellen Passwörtern je Dienst, die ich mir dann nicht mehr merken muss. Diese sollen leicht zu ändern sein, voneinander unabhängig und ohne Eselsbrücken erstellt werden. Aber wie funktioniert das?

    Die Lösung sind Passwortmanager. Dabei handelt es sich um Programme, mit denen beliebig viele Zugänge gespeichert werden können. Meist übernehmen diese dann auch gleich automatisch den Login in der jeweils betreffenden Anwendung oder Webseite und sorgen für den Austausch der Passwörter bzw. generieren diese in der gewünschten Komplexität. Gemerkt muss dabei lediglich ein Passwort werden: das mit dem der Passwortmanager selbst geschützt ist. Natürlich muss gerade dieses Passwort dann umso besser geschützt werden und sicher sein. Dafür gibt es inzwischen sehr gute Möglichkeiten.

    Es gibt viele verschiedene solcher Passwortmanager oder -tresore und sie kommen als Online-Version, USB-Stick und auch als lokal installierte Programme vor. Über die Arten der Passwortmanager, ihre Vor- und Nachteile, und wie ein sicheres und leicht zu merkendes Haupt-Passwort erstellt wird, lesen Sie in der Fortsetzung.

  • Ein Geburtstag ohne Geschenk ist auch keine Lösung.

    Ein Geburtstag ohne Geschenk ist auch keine Lösung.

    Kennen Sie das:

    „Meine Studienkollegin hat Geburtstag. Soll ich ihr etwas schenken? JA!“

    Anlässe dieser Art durchziehen unser gesamtes Leben. Sie beginnen im Kindergarten oder bereits früher. Es sind Einladungen, die wir annehmen dürfen oder manchmal auch müssen. Ob wir uns nun darüber freuen oder nicht: Für viele ist oft der erste Gedanke „Was soll ich mitnehmen?“ Unser Alltag ist voll von Situationen dieser Art. Seien es Geburtstage, Jahrestage, Abschlussprüfungen, Hochzeiten oder einfach nur eine Essenseinladung. Mit leeren Händen zu kommen, ist den meisten unangenehm. Haben wir doch schon von Kindesbeinen an gelernt, dass sich das „nicht gehört“.

    Es müssen allerdings nicht immer Einladungen oder Feste sein. Auch kleine Gefälligkeiten im Alltag oder etwa im Studienalltag, lösen in uns einen Drang zur Gegenleistung aus. Wir fühlen uns verpflichtet etwas zurückzugeben. Und das ist gut so, denn schon immer hat eine Hand die andere gewaschen. Was jetzt oberflächlich nach Freunderlwirtschaft klingt hat einen tieferen sozialen Sinn.

    Es geht auch immateriell

    Dieses Phänomen kann auch im Wissensaustausch an einer Hochschule Thema sein. Beispielsweise ist eine der Kommilitoninnen besonders versiert in einer komplexen Materie und hilft. Dadurch stehe ich nun in ihrer Schuld. Oder: Ein Lehrender bemüht und engagiert sich besonders, um den Wissenserwerb seiner Studierenden zu unterstützen. Das Gefühl, den Lehrenden nicht enttäuschen zu wollen und eine gute Arbeit abzugeben, motiviert die Studierenden – im Optimalfall – zu einer besseren Lernleistung. Wo ein Ausgleich möglich ist, wird dieser wahrgenommen.

    Diese Wechselseitigkeit in der Verpflichtung hat Goulder mit der Norm der Reziprozität (1960) definiert.

    „Wie du mir, so ich Dir“

    … könnte man nun salopp formulieren und altbekannt ist diese Verhaltensnorm allemal. Ein Austausch funktioniert in materieller Form beispielsweise als Geschenk oder in immaterieller Form beispielsweise als Dienstleistung.

    Quid pro Quo

    So verhält es sich auch mit der Reziprozität im Lernalltag. Studierende können sich gut unterstützen. Manchen Personen geht eine Aufgabe leicht von der Hand, bei einer anderen fällt ihnen die Lösung schwer. Wir kennen den Lernalltag und dass es da immer jemanden gibt der mal besser und mal schlechter mit einer Aufgabe zurechtkommt und sich so die Unterstützung der Kolleg_innenschaft holt.

    Langfristig profitieren alle

    Gemäß Goulder (1960) können Personen im sozialen Austausch auch darauf vertrauen, dass die erbrachte Leistung auch langfristig zurückbezahlt wird. Und langfristig sollte diese Form des Gebens und Nehmens sich natürlich auch ausgleichen. Interessant dabei ist, dass sich diese Norm der Reziprozität kulturunabhängig etabliert hat.

    Die Norm der Reziprozität legt somit auch den Grundstein für soziale Beziehungen und auch die Stabilität dieser. Bleibt zu hoffen, dass Sie Ihr Studierendennetzwerk und die Geburtstage immer schön im Auge behalten. Ebenso wie eine gewisse Ausgewogenheit im Geben und Nehmen.

    Literaturverweis:

    Gouldner, A. W. (1960). The norm of reciprocity: A preliminary statement. American Sociological Review, 25(2), 161–178.

  • Lass es mich tun und ich werde es können….

    Lass es mich tun und ich werde es können….

    Am Anfang war die Theorie. Wie Lerntransfer gelingen kann.

    Der Studierendenalltag ist gefüllt von komplexen Theorien, die entdeckt werden wollen. Die Grundlagenfächer eines wissenschaftlichen Studiums an der FernFH beinhalten meist viele Theorien und Konstrukte. Diese sind wichtig, um ein tiefergehendes Verständnis für die Materie zu erlangen. Gerade die Wirtschaftspsychologie ist voll davon.

    Wie gelingt es nun, diese prüfungsrelevanten Ansätze in unseren Köpfen so zu verankern, dass sie replizierbar und anwendbar werden?

    Das Leben bietet die Bühne, um Theorien in Szene zu setzen.

    Studien besagen, dass der Lerntransfer am besten dadurch gelingt, wenn Wissen aktiv angewendet wird (Bloom et. al, 1956).

    Die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1985) lässt sich beispielsweise gut anhand nachhaltiger Ernährung erklären. Mit der Norm der Reziprozität (Goulder, 1960) kann man die Mitarbeiter_innenbindung im eigenen Unternehmen veranschaulichen. Persuasionstechniken, wie etwa die „Foot-in-the-door Technik“ (Fredmann & Fraser, 1966) wird in der Kindererziehung sichtbar, wo oftmals kleinen Bitten große Bitten folgen.

    Unser Alltag und Berufsalltag sind voller guter Beispiele für diese Theorien.

    Gehen Sie auf die Suche und analysieren Sie!

    Haben Sie eine Geschichte, verknüpfen Sie die Lerninhalte auf emotionale Weise und verankern diese im Gedächtnis (Sprenger, 2011). Die Reproduzierbarkeit bei einer Prüfung fällt Ihnen leichter und Ihr Wissen wird für Sie schneller zugänglich.

    Auch wenn Ihnen die hier angeführten Theorien fremd erscheinen mögen, tut dies nichts zur Sache. Andere Lerninhalte bieten sicherlich auch genug Stoff, um die Bühne mit Leben zu füllen.

    ….und für all jene, die tiefer in die Theorien eintauchen möchten, es gibt dazu künftig mehr Content!

    Tun Sie es und Sie werden es können!

    Literaturverweise:

    Ajzen I. (1985) From intentions to actions: A theory of planned behavior. In: Kuhl J, Beckman J (eds) Action-control: From cognition to behaviour. Springer: Berlin Heidelberg New York Tokyo

    Bloom, B. S./Englehart, M. D./Furst, E. J./Hill, W. H./Krathwohl, D. R. (1956). The Taxonomy of educational objectives, handbook I: The Cognitive domain. New York: David McKay Co., Inc.: New York

    Freedman, J. L./Fraser, S. C. (1966). Compliance without pressure: The-foot-in-the-door technique. Journal of Personality and Social Psychology, 4, 195–203.

    Gouldner, A. W. (1960). The norm of reciprocity: A preliminary statement. American Sociological Review, 25(2), 161–178.

    Sprenger, M. (2011). Damit was hängen bleibt. Beltz Verlag: Weinheim Basel