Schlagwort: E-Learning

  • Netiquette – was liegt das pickt! Über den Umgang miteinander im virtuellen Raum

    Netiquette – was liegt das pickt! Über den Umgang miteinander im virtuellen Raum

    Die Kommunikation in virtuellen Lehr- und Arbeitsräumen ist schon eine besondere. Vielfältige Regelwerke für verantwortungsvolles Verhalten in digitalen Welten existieren bereits. Während die analog gesprochene Sprache synchron mit der Gestik und Mimik Gestalt annimmt, ist das geschriebene Wort asynchron. Verbale Kommunikation ist Dialog, geschriebene Kommunikation ist Monolog. Aber auch wenn man in einer Videokonferenz mit Bild und Ton teilnimmt, entsteht eine Form von Verzerrung, die das Gegenüber manchmal als nicht real wahrnimmt. In rein textuellen Online Kommunikationen fehlt auch das. Wenn wir schreiben, erhalten die anderen unsere Gedanken und Meinungen quasi Second Hand über die Hand.

    Wie aber bringt man zum Ausdruck, dass etwas verstanden wurde oder aber, dass etwas nicht in Ordnung ist? Der Verlust von Stimmlage und Gestik und Mimik wird zum Teil durch Emojis wettgemacht. Im wissenschaftlichen Kontext ist dies allerdings schwieriger. Was darf, kann oder soll sein? Was geht gar nicht? Wie schaffen wir es als Initiator_in virtueller Kommunikation auch Feedback zu erhalten? Wie wissen wir, ob wir richtig gehört und verstanden wurden?

    Is anybody out there?

    Es gelingt vielen von uns manchmal ungleich schwerer, sich im Rahmen einer Online Diskussion oder eines Chats oder in Foren zu melden. Um Reaktion und Interaktion im virtuellen Raum möglich zu machen, sollte eine angenehme Atmosphäre für alle geschaffen werden. Eventuell ist ein spielerischer Zugang ein Türöffner, um in weiterer Folge die Kommunikation anzukurbeln. Ein kurzer aktivierender Film kann den Einstieg erleichtern.  Virtuelle Kommunikation erleichtert aber auch den Drift in die Anonymität, macht das Vis-à-Vis oft unsichtbar oder auch unbekannt. Dies kann schnell zu Missverständnissen führen.

    Regeln – der Haltegriff zum Umgang miteinander

    Damit virtuelle Kommunikation Fahrt aufnehmen kann, sind Vertrauen und klare Regeln wichtige Grundlagen. Ein achtsamer Umgang fördert das Gelingen von Kommunikation und so kann ein virtueller Austausch auch friktionsfrei gestaltet werden.

    An der FernFH leben wir diesen respektvollen Umgang miteinander. Wir kommunizieren diese Netiquette auch an unsere Studierenden. In jeglicher Form der Kommunikation sollten wir bedenken, dass auf der anderen Seite auch ein Mensch sitzt. Der 3-Sprung „erst denken, dann schreiben, dann posten“ ist die Grundlage. Diskussion ja, Konflikt nein. Wir freuen uns über den Diskurs zu unterschiedlichen Thematiken, sind jedoch vorsichtig mit Humor und Sarkasmus. Wir sind große Freunde des Urheberrechts. Zitate sowie Quellen von Video- und Bildmaterial sind ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Kommunikation. Wir achten das geistige Eigentum anderer.

    Folgen wir diesen einfachen Regeln, schaffen wir einen Kommunikationsraum, der für alle angenehm ist und werden der Netiquette gerecht. Denn was liegt, das pickt. Diese österreichische Grundregel beim Kartenspiel, dass eine abgelegte Karte nicht wieder retour genommen werden kann, hat in der virtuellen Kommunikation durchaus auch seine Berechtigung. Play fair! Fair Play!

  • Drei Mythen zu E-Learning an Hochschulen

    Drei Mythen zu E-Learning an Hochschulen

    Wir an der FernFH beschäftigen uns bereits seit über zehn Jahren mit E-Learning im Hochschulbereich. Wenn wir auf Konferenzen mit Menschen mit weniger E-Learning-Erfahrung zusammentreffen, dann begegnen uns immer gleiche Mythen zum E-Learning. Auch in den vergangenen Wochen der Corona-Krise, als alle Bildungsinstitutionen innerhalb kürzester Zeit auf Distance Learning umstellen mussten, tauchten diese Mythen auf.

    Mythos 1: Die Videovorlesung

    Die meisten Menschen stellen sich unter E-Learning vor, dass die gesamte Vorlesung einfach online abgehalten wird. Entweder der/die Hochschullehrende zeichnet die Vorlesung auf Video für die Studierenden auf, oder die Vorlesung wird in Echtzeit gestreamt. Die Studierenden sitzen dabei vor ihren Endgeräten und können per Chat oder Mikrofon Kommentare abgeben und Fragen stellen.

    Was ist dran?

    Dieses Setting wird an manchen Hochschulen gerne als E-Learning eingesetzt, weil das Lehrkonzept im Vergleich zur Präsenzlehre – Stichwort: Frontalunterricht – kaum geändert werden muss.

    Was ist das Problem?

    Frustration bei Lehrenden, weil sie kein direktes Feedback (Video), bzw. kaum Feedback (Stream) bekommen, da sie Mimik und Gestik nicht lesen können. Es ist nicht oder nur schwer einzuschätzen, ob die Studierenden dem Vortrag folgen können oder auch vielleicht mit anderen Dingen beschäftigt sind. Aber auch die Studierenden sind nicht selten enttäuscht: Bei großen Gruppen geht eine Wortmeldung leicht unter oder ist gar nicht möglich. Nicht zu reden davon, wie schwierig es ist, aufmerksam und konzentriert bei einer 90-Minuten-Online/Video-Vorlesung dran zu bleiben.

    Fazit

    Eine Videoaufzeichnung bzw. ein gestreamter Vortrag allein ist noch keine E-Learning-Lehrveranstaltung. Methodenmix ist ein wichtiger und zentraler Aspekt im E-Learning. Außerdem sind Videovorlesungen für Lehrende und Studierende anstrengend und frustrierend. Für kleine „Happen“ wie Erklärungen, Herleitungen von Formeln, u.ä. sind Videos ein sehr sinnvolles Element im E-Learning. Es sollte aber sparsam und gezielt und in Kombination mit anderen didaktischen Methoden eingesetzt werden.

    Mythos 2: Soziale Interaktion ist online einfach nicht möglich.

    Dieser Mythos hat seinen Ursprung in der „Alt-Form“ des E-Learnings, als Unterlagen, Folien oder Texte auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt wurden und die Studierenden ihrerseits ihre Ausarbeitungen zur Abgabe online hochluden. Er hängt aber auch mit Mythos 1 – Die Videovorlesung – zusammen.

    Was ist dran?

    Im E-Learning ergibt sich die soziale Interaktion nicht „von selbst“ wie wir es in der Präsenzlehre kennen. Die Hemmschwelle für Studierende sich zu Wort zu melden ist weitaus höher.

    Was ist das Problem?

    Es wird übersehen, dass Diskussionen im virtuellen Raum angeleitet und gut moderiert sein wollen: erstes Kennenlernen, aktives Fragenstellen durch die Lehrenden, die Strukturierung und Zusammenfassung der Diskussion (siehe auch hier in unserem Blog).
    Zudem fehlt auch oft das Wissen über Tools, die die soziale Interaktion online fördern (hier finden sich viele Beispiele für Kommunikationstools und Lehrszenarien).

    Fazit

    Vor allem die Dramaturgie und Moderation einer Lehrveranstaltung ist entscheidend dafür, wie interaktiv diese abläuft. Aber auch Tools wie Wikis, Peer Feedback, Padlets uvm. und der sparsame Einsatz von synchroner Kommunikation (Webkonferenz, Chat) lassen soziale Interaktion im E-Learning gut funktionieren.

    Mythos 3: E-Learning spart Kosten.

    Dieser Mythos hängt ebenfalls stark mit Mythos 1 zusammen und ist besonders unter Hochschulmanager_innen verbreitet. Dahinter steht die Annahme, dass Lehrende beim E-Learning weniger Zeit im Hörsaal verbringen und, dass Infrastrukturkosten eingespart werden.

    Was ist dran?

    Ja, natürlich: Weniger Präsenzlehre spart Raumkosten. Lehrende haben weniger Anreisezeit. Aber das ist es dann auch schon. Demgegenüber stehen Kosten für Hardware, Serverausstattung, Software und vor allem die Zeit der Lehrenden.

    Was ist das Problem?

    Vor lauter Kosten sparen wird nicht gesehen, dass E-Learning zunächst einmal Investitionen erfordert: in die IT-Infrastruktur, aber vor allem in den Support und in die Personalentwicklung der Lehrenden. Auch an der, anlässlich der Corona-Krise überstürzten Umstellung auf E-Learning an vielen Hochschulen hat sich das gezeigt: überlastete Server und IT-Verantwortliche, überforderte Lehrende und frustrierte Studierende.
    Lehrende müssen sowohl technisch als auch didaktisch geschult und begleitet werden. Sie benötigen qualifizierte Unterstützung im E-Learning. Eine Lehrveranstaltung, die überwiegend über E-Learning abgehalten wird, muss vor Beginn sehr detailliert konzipiert und geplant werden, und zwar sowohl die didaktischen Elemente als auch deren technische Umsetzung. Während der Lehrveranstaltung müssen Studierende gerade im E-Learning dicht betreut werden: Fragen beantworten, Diskussionen moderieren, individuelles schriftliches Feedback auf Aufgaben geben. Das ist alles sehr zeitintensiv.

    Fazit

    E-Learning spart in manchen Bereichen Kosten. Ohne Investitionen in Technik, Personal und Personalentwicklung geht es aber auch nicht. Das sind jedoch Investitionen, die sich langfristig sicherlich bezahlt machen: im Kompetenzerwerb, in der Qualität der Lehre und der Zufriedenheit aller Beteiligten.

    Welche Mythen kennen Sie zum E-Learning?

    Diese drei sind die häufigsten Mythen zum E-Learning, denen wir begegnen. Wie ist das bei Ihnen? Welche Mythen kennen Sie zum E-Learning und Distance Learning aus Studierenden- und aus Lehrendensicht? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

    Quellen

    https://www.e-teaching.org/technik/kommunikation

    https://www.e-teaching.org/technik/kommunikation/synchron

    https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/vorlesung/diskussion/e-moderation.pdf

  • Flexibles Lernen gestalten

    Flexibles Lernen gestalten

    Ich lerne gern, wo ich will, wann ich will und wie ich will.

    Gehören Sie auch zu jenen, die sich an diesen Werbeslogan erinnern? Das zugehörige Unternehmen existiert zwar nicht mehr, die Fernsehspots haben aber einen gewissen Kultstatus erreicht – geadelt durch eine Parodie der „Willkommen Österreich“-Kabarettisten Stermann und Grissemann. Mir blitzt dieser Satz jedenfalls immer unweigerlich auf, wenn ich mich mit der Gestaltung flexiblen Lernens beschäftige. Bei aller Kritik an der – zugegeben recht trashigen – Werbung, die Leistungen dieser „Urmutter der Fernlehre“ sind unbestritten.  Über Jahrzehnte wurden didaktische Maßstäbe gesetzt und selbstbestimmte Lernprozesse initiiert, die auch bildungsferne Schichten angesprochen haben.

    Flexibilität schafft Freiheitsgrade

    Intuitiv wird Flexibilität in Lernprozessen oftmals als zeit- und ortsunabhängig verstanden. U.a. zeigen klassische E-Learning-Formate Ausprägungen in diesen Formen. Relevante Literatur definiert den Begriff breiter und identifiziert weitere, unterschiedlichste Dimensionen (Chen 2003, Li & Wong 2018). Neben den genannten bieten auch die Bereiche Inhalt, Zugangsvoraussetzungen, Bereitstellung, didaktische Gestaltung, Beurteilung und Bewertung, Lernressourcen und Support sowie Orientierung und Ziele konkrete Anknüpfungspunkte. Die Berücksichtigung zumindest einer dieser Dimensionen bei der Gestaltung von Lernumgebungen versetzt Lernende in die Lage, ihre Lernprozesse an eigene Bedürfnisse anzupassen und Verantwortung dafür zu übernehmen, was, wann, wo und wie gelernt wird.

    Innovative E-Learning-Formate unterstützen flexible Lernprozesse

    In der Hochschullandschaft wandelt sich aktuell das Bild der Studierendenschaft hin zu mehr Heterogenität. Eine wachsende Anzahl an nicht-traditionell Studierenden (z.B. Personen mit langer Anreise zu möglichen Studienorten oder familiären Betreuungsverpflichtungen) erfordert die Vereinbarkeit eines Studiums mit Privatleben und oftmals beruflicher Tätigkeit. Flexibilitätsunterstützende Lernsettings können studentische Bedürfnisse nach Vereinbarkeit erfüllen und selbstreguliertes Lernen fördern. Die allgegenwärtige Digitalisierung ist dabei wichtiger Enabler. Innovative E-Learning-Formate, die erst durch neue Technologien ermöglicht werden, schaffen Voraussetzungen für einen niederschwelligen Zugang zu (tertiärer) Bildung.

    Flexibles Lernen hat aber Grenzen, eine hohe Flexibilität ist für Studierende nicht zwangsläufig besser. Ein Zuviel an Wahlfreiheit kann Lernen beeinträchtigen, weniger Anwesenheitsverpflichtung kann fälschlicherweise mit weniger Lernaufwand verwechselt werden. In Fernlehrformaten ist daher verstärkt auf die Selbststeuerfähigkeit, die Integration und die Kommunikation der Studierenden einzugehen. Konkrete Vorgaben und Strukturen in Lernprozessen wirken möglicherweise flexibilitätseinschränkend, können aber auch in flexiblen Lernumgebungen als unterstützend wahrgenommen werden.

    Flexibel. Studieren.

    Hier an der FernFH verfolgen wir den Blended-Learning-Ansatz. Dieser vereint die Vorteile des E-Learnings und der Präsenzlehre, indem konventionelle Lehr-Lern-Szenarien mit Technologie unterstützt und kurze Phasen der Wissensvermittlung mit längeren Phasen des selbstgesteuerten Lernens kombiniert werden. Dies stellt für Studierende ein hohes Maß an Flexibilität bereit, sowohl auf Studiengangs- als auch auf Lehrveranstaltungsebene.

    Gemeinsam mit Kolleg_innen der FernFH möchten wir in weiteren Blogbeiträgen zum Schwerpunkt Flexibles Lernen aufzeigen, wie wir flexible Lernangebote gestalten. Wir zeigen so Wege und Erfahrungen im Kontext der Fernlehre auf, durch verschiedenste Dimensionen flexiblen Lernens die Lernbedürfnisse unserer Studierenden einzuschließen und selbstreguliertes Lernen zu unterstützen. Seien Sie gespannt!