Online Lehre

Drei Mythen zu E-Learning an Hochschulen

Wir an der FernFH beschäftigen uns bereits seit über zehn Jahren mit E-Learning im Hochschulbereich. Wenn wir auf Konferenzen mit Menschen mit weniger E-Learning-Erfahrung zusammentreffen, dann begegnen uns immer gleiche Mythen zum E-Learning. Auch in den vergangenen Wochen der Corona-Krise, als alle Bildungsinstitutionen innerhalb kürzester Zeit auf Distance Learning umstellen mussten, tauchten diese Mythen auf.

Mythos 1: Die Videovorlesung

Die meisten Menschen stellen sich unter E-Learning vor, dass die gesamte Vorlesung einfach online abgehalten wird. Entweder der/die Hochschullehrende zeichnet die Vorlesung auf Video für die Studierenden auf, oder die Vorlesung wird in Echtzeit gestreamt. Die Studierenden sitzen dabei vor ihren Endgeräten und können per Chat oder Mikrofon Kommentare abgeben und Fragen stellen.

Was ist dran?

Dieses Setting wird an manchen Hochschulen gerne als E-Learning eingesetzt, weil das Lehrkonzept im Vergleich zur Präsenzlehre – Stichwort: Frontalunterricht – kaum geändert werden muss.

Was ist das Problem?

Frustration bei Lehrenden, weil sie kein direktes Feedback (Video), bzw. kaum Feedback (Stream) bekommen, da sie Mimik und Gestik nicht lesen können. Es ist nicht oder nur schwer einzuschätzen, ob die Studierenden dem Vortrag folgen können oder auch vielleicht mit anderen Dingen beschäftigt sind. Aber auch die Studierenden sind nicht selten enttäuscht: Bei großen Gruppen geht eine Wortmeldung leicht unter oder ist gar nicht möglich. Nicht zu reden davon, wie schwierig es ist, aufmerksam und konzentriert bei einer 90-Minuten-Online/Video-Vorlesung dran zu bleiben.

Fazit

Eine Videoaufzeichnung bzw. ein gestreamter Vortrag allein ist noch keine E-Learning-Lehrveranstaltung. Methodenmix ist ein wichtiger und zentraler Aspekt im E-Learning. Außerdem sind Videovorlesungen für Lehrende und Studierende anstrengend und frustrierend. Für kleine „Happen“ wie Erklärungen, Herleitungen von Formeln, u.ä. sind Videos ein sehr sinnvolles Element im E-Learning. Es sollte aber sparsam und gezielt und in Kombination mit anderen didaktischen Methoden eingesetzt werden.

Mythos 2: Soziale Interaktion ist online einfach nicht möglich.

Dieser Mythos hat seinen Ursprung in der „Alt-Form“ des E-Learnings, als Unterlagen, Folien oder Texte auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt wurden und die Studierenden ihrerseits ihre Ausarbeitungen zur Abgabe online hochluden. Er hängt aber auch mit Mythos 1 – Die Videovorlesung – zusammen.

Was ist dran?

Im E-Learning ergibt sich die soziale Interaktion nicht „von selbst“ wie wir es in der Präsenzlehre kennen. Die Hemmschwelle für Studierende sich zu Wort zu melden ist weitaus höher.

Was ist das Problem?

Es wird übersehen, dass Diskussionen im virtuellen Raum angeleitet und gut moderiert sein wollen: erstes Kennenlernen, aktives Fragenstellen durch die Lehrenden, die Strukturierung und Zusammenfassung der Diskussion (siehe auch hier in unserem Blog).
Zudem fehlt auch oft das Wissen über Tools, die die soziale Interaktion online fördern (hier finden sich viele Beispiele für Kommunikationstools und Lehrszenarien).

Fazit

Vor allem die Dramaturgie und Moderation einer Lehrveranstaltung ist entscheidend dafür, wie interaktiv diese abläuft. Aber auch Tools wie Wikis, Peer Feedback, Padlets uvm. und der sparsame Einsatz von synchroner Kommunikation (Webkonferenz, Chat) lassen soziale Interaktion im E-Learning gut funktionieren.

Mythos 3: E-Learning spart Kosten.

Dieser Mythos hängt ebenfalls stark mit Mythos 1 zusammen und ist besonders unter Hochschulmanager_innen verbreitet. Dahinter steht die Annahme, dass Lehrende beim E-Learning weniger Zeit im Hörsaal verbringen und, dass Infrastrukturkosten eingespart werden.

Was ist dran?

Ja, natürlich: Weniger Präsenzlehre spart Raumkosten. Lehrende haben weniger Anreisezeit. Aber das ist es dann auch schon. Demgegenüber stehen Kosten für Hardware, Serverausstattung, Software und vor allem die Zeit der Lehrenden.

Was ist das Problem?

Vor lauter Kosten sparen wird nicht gesehen, dass E-Learning zunächst einmal Investitionen erfordert: in die IT-Infrastruktur, aber vor allem in den Support und in die Personalentwicklung der Lehrenden. Auch an der, anlässlich der Corona-Krise überstürzten Umstellung auf E-Learning an vielen Hochschulen hat sich das gezeigt: überlastete Server und IT-Verantwortliche, überforderte Lehrende und frustrierte Studierende.
Lehrende müssen sowohl technisch als auch didaktisch geschult und begleitet werden. Sie benötigen qualifizierte Unterstützung im E-Learning. Eine Lehrveranstaltung, die überwiegend über E-Learning abgehalten wird, muss vor Beginn sehr detailliert konzipiert und geplant werden, und zwar sowohl die didaktischen Elemente als auch deren technische Umsetzung. Während der Lehrveranstaltung müssen Studierende gerade im E-Learning dicht betreut werden: Fragen beantworten, Diskussionen moderieren, individuelles schriftliches Feedback auf Aufgaben geben. Das ist alles sehr zeitintensiv.

Fazit

E-Learning spart in manchen Bereichen Kosten. Ohne Investitionen in Technik, Personal und Personalentwicklung geht es aber auch nicht. Das sind jedoch Investitionen, die sich langfristig sicherlich bezahlt machen: im Kompetenzerwerb, in der Qualität der Lehre und der Zufriedenheit aller Beteiligten.

Welche Mythen kennen Sie zum E-Learning?

Diese drei sind die häufigsten Mythen zum E-Learning, denen wir begegnen. Wie ist das bei Ihnen? Welche Mythen kennen Sie zum E-Learning und Distance Learning aus Studierenden- und aus Lehrendensicht? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Quellen

https://www.e-teaching.org/technik/kommunikation

https://www.e-teaching.org/technik/kommunikation/synchron

https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/vorlesung/diskussion/e-moderation.pdf

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