Schlagwort: Selbstmanagement

  • Mut zur Lücke – ist das die Lösung?

    Mut zur Lücke – ist das die Lösung?

    In meinen zwei vorigen Artikeln zur Pomodoro-Technik und zur Eisenhower-Technik habe ich beschrieben, wie man diese beiden Zeitmanagement-Methoden dafür nutzen kann, Zeit für Aufgaben, Lernen, Vorbereitungen effektiv zu nutzen bzw. auch wie man Prioritäten setzen und Aufgaben nach seiner Wichtigkeit reihen kann. Was ist aber, wenn einfach viel zu viel auf der To-Do-Liste steht?

    Viel zu viel auf der To-Do-Liste?

    Mut zur Lücke wäre hier eine Möglichkeit. Sie fragen sich „einfach etwas weglassen?“. Ja genau, das wäre der Plan. Und das geht nicht nur in Bezug auf das Studium, sondern auch im Job, bei Freunden oder bei der Familie!

    Mut zur Lücke – aber wie?

    Wie finde ich aber heraus, welche Aufgaben, Treffen, Meetings, Lernstoff ich „weglassen“ kann? Das ist wohl der Knackpunkt. Manche Dinge fallen Ihnen sicher sofort ein, die man ohne größere Konsequenzen weglassen kann, damit man sich auf wesentliche, wichtige oder auch sehr dringende Aufgaben fokussieren kann. Damit meine ich aber nicht, keinen Sport mehr zu machen, auf gesundes Essen zu verzichten oder sich keine Zeit für sich selbst zu nehmen! Das wäre wohl der falsche Weg!

    Eine Möglichkeit wäre hier eine Risikoanalyse zu machen und mit einer Risikomatrix zu arbeiten. Diese Methode wird häufig im Projektmanagement angewendet und soll Risiken sowie Auswirkungen im Projekt beschreiben und deren Eintrittswahrscheinlichkeit abschätzen. Die bildliche Darstellung in einer Matrix kann bei der Einschätzung helfen, welche Aufgaben, Tätigkeiten, etc. Priorität haben und unbedingt erledigt werden sollten und welche vielleicht nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit auftreten und auch mit keinem großen Risiko verbunden sind. Genau hier wäre in Bezug auf „Mut zur Lücke“ sinnvoll anzusetzen.

    Risikoanalyse mittels Ampelsystem

    Vielleicht noch kurz zur Erklärung: Die Risikomatrix folgt im Normalfall einem Ampelsystem:

    • Grün bedeutet ein geringes Risiko für das Auftreten von schwerwiegenden Konsequenzen oder keine hohe Auftrittswahrscheinlichkeit. Das könnte zum Beispiel sein, wenn Sie beim Lernen für eine Prüfung zwei Unterkapitel weglassen, sonst aber alles können.
    • Gelb heißt, dass Konsequenzen auftreten könnten, bzw. die Wahrscheinlichkeit dazu steigt. Das könnte der Fall sein, wenn Sie von acht Kapiteln, die zu einer Prüfung kommen, drei bis vier nicht besonders gut gelernt haben, aber die anderen gut vorbereitet haben.
    • Rot ist gleich zu setzen mit hohem Risiko sowohl, dass „es“ passiert als auch dass mit negativen Konsequenzen gerechnet werden muss. Ja, das Risiko würde ziemlich stark steigen, wenn Sie gar nichts für eine Prüfung gelernt haben, oder den Stoff nur kurz überfolgen haben.

    Was ist auf jeden Fall bei dieser Methode zu berücksichtigen? Es sollte immer wieder kontrolliert werden, ob sich an der Auftrittswahrscheinlichkeit oder den zu erwartenden Konsequenzen etwas geändert hat, damit es dann nicht zu bösen Überraschungen kommt.

    Mehr Luft zum Atmen

    Verstehen Sie mich nicht falsch, grundsätzlich bin ich dafür, Aufgaben, Tätigkeiten, etc., die zu tun sind auch zu erledigen, aber wenn es nicht anders geht und einfach für zu viel zu wenig Zeit ist, dann einfach einmal ein Risiko eingehen und etwas mit geringer Auftrittswahrscheinlichkeit bzw. keinen schlimmen zu erwartenden Konsequenzen weglassen und überraschen lassen, ob dadurch die Welt untergeht oder vielleicht doch eher mehr Luft zum Atmen übrig bleibt.

    Für die, die diese Matrix einmal ausprobieren möchten, hier eine Vorlage.

  • Von der Blockade zum Flow: So können auch Sie Ihre Abschlussarbeit fertigstellen!

    Von der Blockade zum Flow: So können auch Sie Ihre Abschlussarbeit fertigstellen!

    Das Studienjahr geht dem Ende zu und das bedeutet für viele von Ihnen, dass Sie Ihr Studium bald abschließen werden. Sie haben Ihre Bachelor- und Masterarbeiten fertigstellen können und werden diese in den nächsten Wochen vor einer Prüfungskommission präsentieren und verteidigen. Dafür gebührt Ihnen die höchste Anerkennung und Gratulation!

    Für manche geht sich der Studienabschluss im Juni nicht aus

    Manchen allerdings ist es aufgrund beruflicher, familiärer, privater und/oder gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen, zum Juni-Termin ihre Abschlussarbeit fertigzustellen. All jenen Studierenden ist dieser Blogartikel gewidmet. Ich erzähle Ihnen meinen Geschichte zum Fertigstellen meiner Abschlussarbeiten gebe abschließend noch ein paar Tipps für Ihre nächsten Schritte.

    Meine Geschichte zu Abschlussarbeiten

    In meinem Diplomstudium Betriebswirtschaft an der WU Wien bin ich gut vorangekommen, bis kurz vorm Abschluss. Was passierte dann? Mitten in meinem Diplomarbeitsprojekt bin ich steckengeblieben. Nichts ging mehr. Die Gründe dafür waren vielfältig: Ich habe plötzlich mehr Stunden gearbeitet, intensivst für die letzten LVs und Abschlussprüfungen gelernt, Wohnung aufgeräumt usw. usf. Sie kennen das sicher alle! Aber Prokrastination hilft nix, wenn das Studium endlich abgeschlossen werden muss. (Hilfreiche Tipps gegen Prokrastination finden Sie in unserem Blog von Tanja Adamcik: https://wissblog.fernfh.ac.at/was-eisenhower-konnte-kann-ich-schon-lange/ und https://wissblog.fernfh.ac.at/was-hat-eine-tomate-mit-zeitmanagement-zu-tun/)

    Mir war klar, um aus diesem Loch wieder rauszukommen, benötige ich Hilfe von außen. In der Universitätsbibliothek zwischen den Ratgeberbücher „So schließe ich mein Studium ab“ und  „Wissenschaftliches Schreiben für Dummies“ fand ich jenes Buch, das mir den entscheidenden Impuls zum Fertigschreiben meiner Diplomarbeit und damit Abschluss des Diplomstudiums gab: „Keine Angst vorm leeren Blatt“ von Otto Kruse.

    Schreiben ist Denken

    Ein wichtiges Learning für mich aus dem Buch war, dass Schreiben auch Denken ist. Was bedeutet das?

    Schreiben ist die aktive Auseinandersetzung mit einem fachlichen Thema. Deshalb blockiert mich die Erwartung, gleich korrekte und verständliche Texte zu schreiben. Zuerst nutze ich also das Schreiben, um meine Gedankengänge deutlich zu machen. Ich formuliere Argumente und dadurch lassen sich dann oft Lücken in meinen Überlegungen finden. Gerade auch bei inhaltlichen oder konzeptionellen Problemen wird durch das Niederschreiben der Probleme die Lösung jener viel klarer.

    Ein Beispiel: Mein zentraler Begriff in meiner Forschungsarbeit wird von namhaften Autor_innen unterschiedlich definiert und ich kann mich nicht entscheiden, welcher Definition ich folgen soll. Ich beschreibe also in eigenen Worten die beiden Definitionen und formuliere dabei auch, welches Problem ich mit der einen bzw. der anderen Definition habe. Schwarz auf weiß in eigenen Worten niedergeschrieben wird mir deutlich welche Definition für mich besser passt (oder auch eine Kombination aus beiden).

    Weitere Tipps von Otto Kruse z.B. zur Zeitplanung halfen mir schlussendlich, die Arbeit fertigzuschreiben und mein Studium abzuschließen.

    Die Geschichte wiederholt sich

    Fast 10 Jahre später wiederholte sich die Geschichte allerdings für mich: wieder blieb ich stecken, diesmal allerdings mitten in meiner Doktorarbeit. Auch hier hatte ein Buch entscheidenden Einfluss, dass ich auch dieses Projekt erfolgreich beenden konnte: „Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten“ von Judith Wolfsberger.

    Schreiben ist erlernbar

    Aus diesem Buch konnte ich mir mitnehmen, dass Schreiben erlernbar ist.

    Die meisten von uns glauben, dass gutes Schreiben ein Talent ist. Tatsächlich ist Schreiben eine Fertigkeit, die wir erlernen können und üben müssen, um sie weiterzuentwickeln (Vedral, 2012, S. 484). Dazu gibt es einfach einzusetzende Methoden und Ideen. Mir beispielsweise hilft die Idee der „shitty first version“: Für einen Teil oder ein Kapitel einen Rohtext in einem Guss – im Flow – runterschreiben. Alle Formalia wie Zitate, Rechtschreibung, Layout kommen erst später dazu. Wichtig ist es, einfach einmal etwas auf dem Papier zu haben. Dann lass ich den Text eine Weile liegen, am besten über Nacht oder noch länger und dann erst überarbeite ich den Text, dabei behandle ich ihn aber wie „rohe Eier“ (Wolfsberger, 2021): ich muss mich loben, nett zu meiner Leistung sein. Ein Text wird nach und nach schlüssig und stimmig als ein Ergebnis mehrerer Überarbeitungen.

    So habe ich nach vielen Jahren neben Berufstätigkeit und Familie meine Dissertation fertiggeschrieben.

    Bleiben Sie dran!

    Zur Fertigstellung Ihrer Abschlussarbeit habe ich noch diese letzten Tipps für Sie:

    1. Dranbleiben: Ja, es war ein anstrengendes Studienjahr und ja, Sie haben sich Urlaub und Erholung mehr als verdient. Trotzdem: bleiben Sie dran an Ihrer Abschlussarbeit. Im besten Fall haben Sie ein approbiertes Proposal auf dessen Basis Sie weiterschreiben können. Wenn nicht, dann schauen Sie so schnell wie möglich, dass Sie das Proposal fertigstellen.
    2. Kleine Portionen: Nehmen Sie sich vor, jeden Tag 15 Minuten in Ihre Abschlussarbeit zu investieren: eine Mindmap zu einem Unterpunkt erstellen, oder zwei Absätze schreiben, oder zumindest bibliografieren (also Publikationen in Ihre Literaturdatenbank eintragen). Dadurch bekommen Sie eine Schreib- und Arbeitsroutine und die Abschlussarbeit wird von einem großen, angstmachenden Brocken zu kleinen machbaren Arbeitsschritten. Eines der Lieblingsbücher von Ingrid Wahl, die effizienteste Schreiberin, die ich kenne, ist übrigens: „Writing your Dissertation in 15 Minutes a Day“ von Joan Bolker. Hier ist diese Strategie genau beschrieben.
    3. Auch wenn es noch nicht Ihr persönlicher Studienabschluss ist: Feiern Sie mit Ihren Studienkolleg_innen deren Sponsion. Freuen Sie sich mit ihnen mit und formen Sie aus diesen Momenten Ihre persönliche Vision von Ihrem Studienabschluss, die Sie als Motivation nutzen können. Erstmals seit 2019 kann die Sponsion an der FernFH wieder vor Ort stattfinden, und gemeinsam gefeiert werden.

    Sie schaffen das!

    Damit hoffe ich, Ihnen auf Ihrem Weg zum Abschluss zu helfen, egal ob dieser im Oktober, März oder Juni erfolgt. Halten Sie durch, Sie schaffen das!

    PS: Und noch etwas, damit Sie sich besser fühlen, wenn Sie erst zum Oktober- oder März-Termin antreten: Ich habe für meine Diplomarbeit fast 2 Jahre benötigt und für meine Dissertation 11 Jahre 😊.

    Weiterführende Hinweise

    Was für eine Abschlussarbeit noch alles wichtig ist, hat Ingrid Wahl in mehreren Blogartikel prägnant auf den Punkt gebracht:

    Schreibprobleme lösen: Hier habe ich ein paar Erklärvideos zum Schreiben gemacht (Zugriff leider nur für FernFH-Studierende).

    Quellen

    Bolker, Joan. (2002). Writing Your Dissertation in Fifteen Minutes a Day. McMillan. New York.

    Kruse, Otto. (2007). Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. (12. Aufl.). Campus. Frankfurt [u.a.].

    Vedral, Johanna. (2012). Welche Leistungen müssen Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten aus psychologischer Perspektive erbringen? Psychologie in Österreich, 5, 10.

    Wolfsberger, Judith. (2021). Frei geschrieben: Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. (5., bearbeitete Aufl.). UTB-Taschenbuch. Stuttgart.

  • Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    „Digitalisierung in Lehre und Studium bedeutet weit mehr als Vorlesungen zu streamen, Seminare im Netz abzuhalten oder Lehrveranstaltungsunterlagen herunterladen zu können…“

    Mit diesen Worten leitet das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung den Menüpunkt Digitalisierung von Studium und Lehre ein.

    Die Coronapandemie hat der Digitalisierung einen enormen Schub verliehen und mancherorts kann man lesen:

    „Wenn man sich nicht selbst neu erfindet, wird man verdrängt.“

    An der FernFH sind digitale Elemente im hybriden Lernsetting seit Bestehen der Bildungseinrichtung ein fester Bestandteil in unseren Lehr- und Lernsettings. Wir haben Follower bekommen. Viele Fachhochschulen und Universitäten mussten von heute auf morgen ihren Betrieb auf Onlinelehre umstellen, um einen möglichst friktionsfreien Unterricht zu gewährleisten. Nicht immer zur Freude aller Beteiligten. Neues schafft Unsicherheit und Arbeit, Routinen müssen aufgegeben werden, es dauert, bis man sich in einer neuen Umgebung eingewöhnt hat. Und: es geschah nicht ganz freiwillig, das schafft schnell mal Reaktanz. Doch die eingeschränkte Freiheit durch die Pandemie wurde an den Fachhochschulen und Universitäten durch eine neue ersetzt: Anfahrtswege und Wartezeiten fielen weg, die Annehmlichkeiten des Home- oder Mobile Working-Settings wurden gern akzeptiert. Unsere Studierenden kennen diese Form des Lehr-und Lernsettings schon von Studienbeginn an.

    Digitale Elemente in der Lehre überwinden Distanz, schaffen (oft) eine 24/7 Zugriffsmöglichkeit auf Unterlagen und Lerninhalte und ermöglichen Kollaboration ungeachtet des Wohn- und Arbeitsorts und weitgehende Flexibilität in der Selbstorganisation. Im Studium ist es Wissenserwerb auf einer Ebene, die im Arbeitsleben in vielen Branchen längst Einzug gehalten hat.

    Nicht mehr als ein Werkzeug

    Ich möchte der Digitalisierung nicht absprechen, einen enormen Anteil in unserer Arbeits- und Lebenswelt zu haben. Vieles ändert sich schneller als wir selbst. Innovationen, Adaptionen, Neuerungen, Verbesserungen sind uns immer ein Stück voraus. Das Leben ist dadurch einfacher geworden, auch wenn es im ersten Moment komplex erscheint. Dennoch meine ich, Digitalisierung ist ein „Werkzeug“ aber keine Philosophie, es ist plakativ gesprochen vielmehr ein „Transportmittel“ für Austausch, Ideenfindung, Erneuerung, Transfer und vor allem Organisation in seiner Vielschichtigkeit. Dabei ist es für alle Akteur:innen notwendig, sich digitale Kompetenzen anzueignen und entsprechendes didaktisches Know-how und Medienkompetenz aufzubauen um sich gut im digitalen Setting bewegen zu können.

    Und darüber hinaus ist es unerlässlich, OFF-Line Settings beizubehalten, so wie in unserem Blended Learning Format an der FernFH umgesetzt, um Social Distancing, wie wir es aus Pandemiezeiten zur Genüge kennen, zu vermeiden. Denn genau die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, was wir unabhängig von den digitalen Möglichkeiten ebenso brauchen, um ein freudvolles und sinnerfülltes Arbeits-, Studien-, und Privatleben zu führen: soziale Nähe.

  • Wie gehe ich das Studium an? Malen nach Zahlen oder Paint with the Flow?

    Wie gehe ich das Studium an? Malen nach Zahlen oder Paint with the Flow?

    Wir an der FernFH sind in der Fernlehre verankert. Wir sind flexibel, leben Inklusion und geben den Studierenden die Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig zu studieren. Der Rahmen ist vorgegeben. Die Herangehensweise, wie ein Bildungswerk im Detail ausgestaltet sein kann, ist dennoch individuell. Wenn sich jemand für die Themenkreise, welche die FernFH anbietet interessiert, dann noch die Zugangsvoraussetzungen erfüllt und den Eignungstest besteht, stehen einem für ein flexibel angelegtes Studium Tür und Tor offen.

    Gibt es Stolpersteine?

    Äußere Rahmenbedingungen und Struktur sind gegeben. Ja, das ist richtig. Aber der Rahmen bestimmt ja noch nicht den Inhalt des Bildes und dies sollte schon auch Berücksichtigung finden. Wer Künstler seines eigenen Bildungswerkes (BA, MA Abschluss) sein will, sollte sich darüber im Klaren sein. Oder zumindest reflektieren, wie die Ausgestaltung aussehen könnte. Bezeichnen wir den äußeren Rahmen des eigenen Bildungswerks als strukturellen Rahmen, dann beinhaltet dieser die studienzeitlichen, curricularen, finanziellen und rechtlichen Aspekte des Studiums. Die persönlichen Rahmenbedingungen werden individuell abgesteckt. Dabei sind Fragen hilfreich, wie z.B.: „Was interessiert mich besonders? Wo möchte ich in 5 Jahren sein? Welche privaten oder beruflichen Ziele möchte ich verfolgen? Wie sieht meine Kosten-Nutzenanalyse aus?“ Hier kommen zwei Aspekte der Motivation zum Tragen, die ich genauer betrachten möchte.

    Intrinsisch, extrinsisch, oder beides?

    Während uns die intrinsische Motivation unabhängig von positiven Konsequenzen antreibt, quasi die Freude am Malen darstellt, sind bei der extrinsischen Motivation die erwarteten externen Konsequenzen unser Motor. Zum Beispiel, wenn wir für unser Bild gelobt werden.

    Extrinsisch Motivierte antizipieren mit Ihrer Ausbildung möglicherweise die in Aussicht gestellte Beförderung oder Anerkennung im persönlichen und beruflichen Umfeld. Sie wollen oder müssen sich bilden und wählen auf Basis ihrer Interessen eine Studienrichtung. Der Studienverlauf ist klar und die einzelnen Lehrveranstaltungen werden sukzessive „absolviert“. Der Lohn der Arbeit ist die Note am Ende der Lehrveranstaltung. Das Zeugnis am Ende des Semesters. Die Abschlussprüfung am Ende des Studiums. Und möglicherweise ein Kurswechsel im Berufsleben. Es ist Malen nach Zahlen. Aus Teilschritten entsteht ein Gesamtbild.

    Intrinsisch Motivierte haben ein tiefergehendes Interesse an der Thematik, haben Freude am Problemlösen, sind an der Sache selbst interessiert und erfahren dadurch einen gesteigerten Selbstwert. Die personellen Fähigkeiten harmonieren mit den gestellten Anforderungen. Dieser positive Zustand kann sich so weit steigern, dass man im Tun völlig aufgeht. Flow stellt sich ein. Es entsteht ein von individuellem Erkenntnisgewinn geprägtes Kunstwerk, an dem Stunden gearbeitet und immer wieder Feinschliff vorgenommen wurde, bis man mit seinem persönlichen Ergebnis zufrieden ist.

    Der Lohn ist IHR Bildungswerk

    Beide Formen der Motivation haben Ihre Berechtigung und müssen sich nicht kannibalisieren. Beide Herangehensweisen werden im Rahmen eines Studiums gefordert und gefördert. Die unterschiedliche Ausgestaltung der Curricula und Studiengänge macht dies möglich. Motivation, Selbstdisziplin und Freude am Wissenserwerb sollten Sie in Ihrem Malkasten mitbringen. Die Leinwand und den Rahmen stellen wir.

    Literaturtipps zur Thematik:

    Heckhausen, Jutta/Heck hausen, Heinz (Hrsg.) (2006). Motivation und Handeln. Springer: Heidelberg

    Kirchler, Erich/Walenta, Christa (2010). Motivation. facultas wuv: Wien

  • Was Eisenhower konnte, kann ich schon lange!

    Was Eisenhower konnte, kann ich schon lange!

    Was mache ich, wenn viele Aufgaben/To-Dos in meinem Studium oder auch in anderen Bereichen, zum Beispiel der Arbeit oder Freizeit anstehen, aber ich mir schwer damit tue, welche davon als erstes, zweites, drittes, …. zu erledigen sind? Heute gibt es eine mögliche Lösung dafür, die ich persönlich im Alltag immer wieder als ganz hilfreich empfinde.

    Das Eisenhower-Prinzip

    benannt nach dem US-Präsidenten, der diese Methode angeblich selbst angewendet haben soll, ist eine Zeitmanagement-Methode, bei der Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit geordnet werden und so sichtbar wird, welche Aufgaben mit welcher Priorität erledigt werden sollten. Die Aufgaben werden in vier Gruppen aufgeteilt:

    A-Aufgaben: wichtig und dringlich

    Diese Aufgaben haben höchste Priorität und sollten sofort von einem persönlich erledigt werden, zum Beispiel die Vorbereitung auf eine anstehende Prüfung.

    B-Aufgaben: wichtig, aber nicht dringlich

    Auch diese Aufgaben sind wichtig, aber nicht dringlich, d.h. sie können auf einen etwas späteren Zeitpunkt verschoben werden. Hier am besten gleich einen Termin fixieren! B-Aufgaben könnten beispielsweise Aufgaben oder Arbeiten in einer Lehrveranstaltung sein, die erst zu einem späteren Zeitpunkt abgegeben werden müssen. Früher oder später wird jedoch eine B-Aufgabe oft zu einer A-Aufgabe und somit auch dringlich, zum Beispiel kurz vor der Abgabefrist.

    C-Aufgaben: unwichtig, aber dringlich

    Diese Aufgaben können als eher unwichtig angesehen werden, sind aber dringend und könnten auch an andere delegiert werden. Dies geht möglicherweise gut bei Haushaltsaufgaben oder etwas in diese Richtung, ist aber eher schwierig (oder auch nicht erlaubt) bei Studienaufgaben.

    D-Aufgaben: nicht wichtig und nicht dringlich

    Diese Aufgaben sind weder wichtig noch dringend, zum Beispiel ziellos im Internet zu surfen oder Bilder der letzten 10 Jahre am Computer zu sortieren. Am besten von der Bearbeitungsliste streichen und nicht weiter damit aufhalten.

    Nutzen und Grenzen

    Das Eisenhower-Prinzip kann einem helfen, einen Überblick zu verschaffen und für die Aufgabenabarbeitung eine sinnvolle und gezielte Reihenfolge ersichtlich zu machen. Was ich aber auch dazu sagen muss, dieses Prinzip löst nicht alle zeitlichen Probleme, besonders wenn viele A- und B-Aufgaben auf der Liste auftauchen, also Aufgaben, die wichtig sind und dringend beziehungsweise wichtig aber nicht ganz zeitkritisch sind. Was dafür die Lösung sein könnte, lesen Sie in einem meiner nächsten Blogbeiträge. Wenn Sie aber auf der Suche nach einer guten Methode sind, um konzentriert an Ihren Aufgaben zu arbeiten, dann werden Sie vielleicht in meinem letzten Blogbeitrag zur Pomodoro-Technik fündig.

    Meine Devise ist jedoch, „Probieren geht über Studieren“. Versuchen Sie es einfach einmal, vielleicht liegt Ihnen die heute dargestellte Zeitmanagement-Methode um Ihren Alltag zu strukturieren und sich auf Wichtiges zu fokussieren!

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    Hier eine Vorlage für die Eisenhower-Matrix, für alle, die es gleich einmal ausprobieren möchten.

  • Was hat eine Tomate mit Zeitmanagement zu tun?

    Was hat eine Tomate mit Zeitmanagement zu tun?

    Wer kennt das nicht, dass anstehende Aufgaben und Pflichten in der Arbeit oder auch im Studium aufgeschoben werden. Im Bereich des Studiums wird dies meist mit Prokrastination beschrieben.

    Besonders in einem Fernstudium wie beispielsweise an der FernFH, wo es kaum Anwesenheitszeiten und viel an Flexibilität gibt, ist es ganz besonders wichtig ein gutes Zeitmanagement zu haben, um im Studium gut voranzukommen. Meist ist es gar nicht so leicht, wenn von Zuhause studiert wird, nicht tausend Dinge zu finden, die einem von Aufgaben oder Pflichten in Bezug auf das Studium ablenken. Vielleicht kommen dem/der einen oder anderen so manches angeführte Beispiel bekannt vor, Wäsche waschen, aufräumen, Schreibtisch sortieren, Gewand ausmisten, Rasen mähen, Einkäufe erledigen, E-Mails und Nachrichten schreiben/checken, Social Media Kanäle aktuell halten, etc.

    Das Problem betrifft viele

    Da dieses Problem ja nicht nur einzelne Personen betrifft, sondern eine Vielzahl an Personen bzw. Studierenden wurden die verschiedensten Techniken entwickelt, um diesem Problem bzw. dieser Herausforderung entgegen zu wirken. In diesem Beitrag möchte ich gerne eine dieser Techniken, die helfen kann Zeit effektiv zu nutzen, vorstellen.

    Diese Technik wurde von Francesco Cirillo entwickelt und hat die Grundidee, statt gegen die Zeit mit der Zeit zu arbeiten. Vorbereitend, um diese Technik anzuwenden, benötigen Sie nur einen Wecker, ein Handy mit Timerfunktion, oder eine andere Art von Timer z.B. aus dem Internet und etwas, was Sie in einer bestimmten Zeit von ungefähr zwei Stunden bearbeiten möchten. Hier ist es wichtig, dass Sie ein konkretes und realistisches Ziel haben, das auch in dieser Zeit bearbeitbar ist, zum Beispiel einen Text zu schreiben, ein Unterkapitel einer Abschlussarbeit zu verfassen, eine Aufgabe zu bearbeiten, einen Text zusammen zu fassen, oder ein Kapitel für eine Prüfung zu lernen, etc.

    Die Pomodoro-Technik[1]

    Wie funktioniert das nun?

    • Sie stellen sich den Timer auf 25 Minuten, in dieser Zeit arbeiten Sie fokussiert an Ihrem Text oder Ihrer Aufgabe. Sie lassen sich durch nichts ablenken (Beispiele siehe oben). Sollte Ihnen zwischendurch etwas Wichtiges in den Kopf schießen, dann notieren Sie dies am besten auf einem Blatt Papier, um nicht weiter daran denken zu müssen.
    • Sind die 25 Minuten vorbei, dann ist es Zeit fünf Minuten Pause zu machen. In den fünf Minuten wird empfohlen einen kurzen Ortswechsel, oder eine kurze Übung, die aktivierend oder entspannend sein kann, zu machen. Die Zeit soll nicht dafür genutzt werden, um Tippfehler zu korrigieren oder etwas für den Text oder die Aufgabe nachzuschlagen. Hier eignet sich zum Beispiel eine kurze Entspannungsübung oder einfach Trinknachschub zu holen.
    • Dieser Ablauf (25 Minuten konzentriert arbeiten und fünf Minuten Pause) wird noch drei Mal wiederholt. Nach vier „Pomodoros“ sollte eine längere Pause eingelegt werden (eine halbe bis ganze Stunde).
    • Ist nach diesen zwei Stunden noch Energie und Motivation vorhanden, dann kann nach der längeren Pause noch eine oder zwei Pomodoro-Sequenzen angeschlossen werden. Achten Sie darauf sich nicht zu überfordern!

    Vielleicht hilft Ihnen die vorgestellte Technik, wenn Sie das nächste Mal fokussiert Aufgaben oder Texte bearbeiten möchten, um dran zu bleiben und konzentriert voran zu kommen.

    Sehen Sie jedoch die Herausforderung in Ihrem Zeitmanagement nicht unbedingt in der Fokussierung auf Aufgaben, sondern eher darin wie Sie die Aufgaben priorisieren, dann gibt es in meinem nächsten Blogbeitrag Näheres dazu.

    Ach ja, falls sich jemand beim Lesen gefragt hat, warum diese Technik Pomodoro-Technik genannt wurde, Francesco Cirillo hat bei der Entwicklung der Pomodoro-Technik eine Eieruhr verwendet, die die Form einer Tomate (italienisch: Pomodoro) hatte.


    [1] Cirillo, F. (2018). The Pomodoro Technique. The Acclaimed Time-Management System That Has Transformed How We Work. New York: Currency.

  • Zeit+ oder: wieviel OFF ist im ON erlaubt?

    Zeit+ oder: wieviel OFF ist im ON erlaubt?

    Die Welt seit 03/2020

    Das kennen wir schon aus dem regulären FernFH Studienbetrieb: selbstorganisiertes Lernen, virtuelle Unterstützung, zahlreiche hilfreiche Tools, digitale Medien, Web Chats, Videokonferenzen, Austausch der Studierenden in sozialen Netzwerken usw. ….. Eine schöne Abwechslung zum Arbeits- und Familienalltag. Alles strukturiert und nach Plan.

    Und doch hat seit März 2020 ein Virus die virtuelle Struktur des Lebens gehörig durcheinandergewirbelt. Denn auf einmal müssen viele die private Datenleitung nicht nur zu Studienzwecken sondern auch aus beruflichen, schulischen und privaten Gründen teilen. Und das permanent. Ganz zu schweigen von diverser Hardware, die jetzt mehrfach in Verwendung ist. Die Flexibilität und Annehmlichkeiten des Fernstudiums wurden durch die Lockdown Maßnahmen Martini gleich geschüttelt.

    Ein Oscar für alle Organisator_innen von Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter oder anderen Betreuungspflichten!! Abgesehen vom enormen organisatorischen Aufwand kam noch eine viel höhere Motivationsleistung, die der Eigenmotivation, ins Spiel, damit die Prozesse weiter im Laufen bleiben. Denn auf einmal war ein Großteil unseres Lebens in den Onlinebereich gedriftet und damit ging eine gewisse virtuelle Müdigkeit einher.

    Wertvolle Tipps oder Zusatzaufgaben!?

    Gibt man in Google den Suchbegriff „Home Office Corona Tipps” ein, erhält man sage und schreibe „ungefähr 12.700.000 Ergebnisse (in 0,43 Sekunden)“. Ich würde meinen, hier wird jeder fündig. Daher möchte ich an dieser Stelle nicht eine weitere Liste mit möglichen Optimierungsvorschlägen an Sie herantragen. Mit der Zeit haben mittlerweile ohnehin schon viele einen Modus gefunden, um mit der Situation halbwegs praktikabel umzugehen. Und auch zum Fernstudium im Homeoffice gibt es schon einige wertvolle Impulse im Weltweitenweb.

    Abgesehen von den vielen (wieder mal online-inspirierten) Hobbybäcker_innen, Kreativbastler_innen, Aufräufmer_innen, Literaturentdecker_innen und Yogapraktizierenden, die das Virus im Laufe der Monate auf Grund mangelnder Echtzeitkontakte mit Freunden, Bekannten, oder weniger Bekannten bei diversen Veranstaltungen hervorgebracht hatte, gab es auch ein fettes Plus am Zeitkonto zu verbuchen. Zumindest bei einigen, so auch bei mir, war und ist dies der Fall.

    Das Zeitgeschenk

    Ich habe eine Überlegung angestellt: Da ich, mit wenigen Unterbrechungen seit über 40 Wochen im Homeoffice arbeite, erspare ich mir wöchentlich rund 12 Stunden Fahrtzeit (öffentlich). Macht einen netto Bonus von etwa 480 Stunden, das ist nicht schlecht. Diesen Bonus habe ich in Pausen investiert. Pausen von allem. Selbstfürsorge gelebt. Bewusst Pausen machen und wirklich nichts tun ist anfangs durchaus fordernd. Aber mit der Zeit war es sehr inspirierend und sehr kreativitätsfördernd, wenn man einfach nur den Gedanken und Blitzlichtern im Kopf Raum lässt. En block oder in kleinen Stücken genossen, wie eine Tafel Schokolade, sind Pausen wahre Genussmomente. Eine völlig neue Erfahrung. Pausen und OFF vom ON lege ich Ihnen ans Herz. Diese Zeit muss auch nicht erst irgendwo freigeschaufelt werden. Sie wird anders verwendet. Und für dieses Nichtstun braucht man auch kein schlechtes Gewissen haben. Lassen Sie statt Wegstreckenkilometern einfach die Gedanken reisen.

    Die für mich herausragende Kinderbuchautorin Astrid Lindgren soll in ihr Tagebuch 1964 folgenden Satz geschrieben haben: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.”

    Ob dieser Tipp unter den 12.700.000 Einträgen wohl zu finden ist?