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Von der Blockade zum Flow: So können auch Sie Ihre Abschlussarbeit fertigstellen!

Das Studienjahr geht dem Ende zu und das bedeutet für viele von Ihnen, dass Sie Ihr Studium bald abschließen werden. Sie haben Ihre Bachelor- und Masterarbeiten fertigstellen können und werden diese in den nächsten Wochen vor einer Prüfungskommission präsentieren und verteidigen. Dafür gebührt Ihnen die höchste Anerkennung und Gratulation!

Für manche geht sich der Studienabschluss im Juni nicht aus

Manchen allerdings ist es aufgrund beruflicher, familiärer, privater und/oder gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen, zum Juni-Termin ihre Abschlussarbeit fertigzustellen. All jenen Studierenden ist dieser Blogartikel gewidmet. Ich erzähle Ihnen meinen Geschichte zum Fertigstellen meiner Abschlussarbeiten gebe abschließend noch ein paar Tipps für Ihre nächsten Schritte.

Meine Geschichte zu Abschlussarbeiten

In meinem Diplomstudium Betriebswirtschaft an der WU Wien bin ich gut vorangekommen, bis kurz vorm Abschluss. Was passierte dann? Mitten in meinem Diplomarbeitsprojekt bin ich steckengeblieben. Nichts ging mehr. Die Gründe dafür waren vielfältig: Ich habe plötzlich mehr Stunden gearbeitet, intensivst für die letzten LVs und Abschlussprüfungen gelernt, Wohnung aufgeräumt usw. usf. Sie kennen das sicher alle! Aber Prokrastination hilft nix, wenn das Studium endlich abgeschlossen werden muss. (Hilfreiche Tipps gegen Prokrastination finden Sie in unserem Blog von Tanja Adamcik: https://wissblog.fernfh.ac.at/was-eisenhower-konnte-kann-ich-schon-lange/ und https://wissblog.fernfh.ac.at/was-hat-eine-tomate-mit-zeitmanagement-zu-tun/)

Mir war klar, um aus diesem Loch wieder rauszukommen, benötige ich Hilfe von außen. In der Universitätsbibliothek zwischen den Ratgeberbücher „So schließe ich mein Studium ab“ und  „Wissenschaftliches Schreiben für Dummies“ fand ich jenes Buch, das mir den entscheidenden Impuls zum Fertigschreiben meiner Diplomarbeit und damit Abschluss des Diplomstudiums gab: „Keine Angst vorm leeren Blatt“ von Otto Kruse.

Schreiben ist Denken

Ein wichtiges Learning für mich aus dem Buch war, dass Schreiben auch Denken ist. Was bedeutet das?

Schreiben ist die aktive Auseinandersetzung mit einem fachlichen Thema. Deshalb blockiert mich die Erwartung, gleich korrekte und verständliche Texte zu schreiben. Zuerst nutze ich also das Schreiben, um meine Gedankengänge deutlich zu machen. Ich formuliere Argumente und dadurch lassen sich dann oft Lücken in meinen Überlegungen finden. Gerade auch bei inhaltlichen oder konzeptionellen Problemen wird durch das Niederschreiben der Probleme die Lösung jener viel klarer.

Ein Beispiel: Mein zentraler Begriff in meiner Forschungsarbeit wird von namhaften Autor_innen unterschiedlich definiert und ich kann mich nicht entscheiden, welcher Definition ich folgen soll. Ich beschreibe also in eigenen Worten die beiden Definitionen und formuliere dabei auch, welches Problem ich mit der einen bzw. der anderen Definition habe. Schwarz auf weiß in eigenen Worten niedergeschrieben wird mir deutlich welche Definition für mich besser passt (oder auch eine Kombination aus beiden).

Weitere Tipps von Otto Kruse z.B. zur Zeitplanung halfen mir schlussendlich, die Arbeit fertigzuschreiben und mein Studium abzuschließen.

Die Geschichte wiederholt sich

Fast 10 Jahre später wiederholte sich die Geschichte allerdings für mich: wieder blieb ich stecken, diesmal allerdings mitten in meiner Doktorarbeit. Auch hier hatte ein Buch entscheidenden Einfluss, dass ich auch dieses Projekt erfolgreich beenden konnte: „Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten“ von Judith Wolfsberger.

Schreiben ist erlernbar

Aus diesem Buch konnte ich mir mitnehmen, dass Schreiben erlernbar ist.

Die meisten von uns glauben, dass gutes Schreiben ein Talent ist. Tatsächlich ist Schreiben eine Fertigkeit, die wir erlernen können und üben müssen, um sie weiterzuentwickeln (Vedral, 2012, S. 484). Dazu gibt es einfach einzusetzende Methoden und Ideen. Mir beispielsweise hilft die Idee der „shitty first version“: Für einen Teil oder ein Kapitel einen Rohtext in einem Guss – im Flow – runterschreiben. Alle Formalia wie Zitate, Rechtschreibung, Layout kommen erst später dazu. Wichtig ist es, einfach einmal etwas auf dem Papier zu haben. Dann lass ich den Text eine Weile liegen, am besten über Nacht oder noch länger und dann erst überarbeite ich den Text, dabei behandle ich ihn aber wie „rohe Eier“ (Wolfsberger, 2021): ich muss mich loben, nett zu meiner Leistung sein. Ein Text wird nach und nach schlüssig und stimmig als ein Ergebnis mehrerer Überarbeitungen.

So habe ich nach vielen Jahren neben Berufstätigkeit und Familie meine Dissertation fertiggeschrieben.

Bleiben Sie dran!

Zur Fertigstellung Ihrer Abschlussarbeit habe ich noch diese letzten Tipps für Sie:

  1. Dranbleiben: Ja, es war ein anstrengendes Studienjahr und ja, Sie haben sich Urlaub und Erholung mehr als verdient. Trotzdem: bleiben Sie dran an Ihrer Abschlussarbeit. Im besten Fall haben Sie ein approbiertes Proposal auf dessen Basis Sie weiterschreiben können. Wenn nicht, dann schauen Sie so schnell wie möglich, dass Sie das Proposal fertigstellen.
  2. Kleine Portionen: Nehmen Sie sich vor, jeden Tag 15 Minuten in Ihre Abschlussarbeit zu investieren: eine Mindmap zu einem Unterpunkt erstellen, oder zwei Absätze schreiben, oder zumindest bibliografieren (also Publikationen in Ihre Literaturdatenbank eintragen). Dadurch bekommen Sie eine Schreib- und Arbeitsroutine und die Abschlussarbeit wird von einem großen, angstmachenden Brocken zu kleinen machbaren Arbeitsschritten. Eines der Lieblingsbücher von Ingrid Wahl, die effizienteste Schreiberin, die ich kenne, ist übrigens: „Writing your Dissertation in 15 Minutes a Day“ von Joan Bolker. Hier ist diese Strategie genau beschrieben.
  3. Auch wenn es noch nicht Ihr persönlicher Studienabschluss ist: Feiern Sie mit Ihren Studienkolleg_innen deren Sponsion. Freuen Sie sich mit ihnen mit und formen Sie aus diesen Momenten Ihre persönliche Vision von Ihrem Studienabschluss, die Sie als Motivation nutzen können. Erstmals seit 2019 kann die Sponsion an der FernFH wieder vor Ort stattfinden, und gemeinsam gefeiert werden.

Sie schaffen das!

Damit hoffe ich, Ihnen auf Ihrem Weg zum Abschluss zu helfen, egal ob dieser im Oktober, März oder Juni erfolgt. Halten Sie durch, Sie schaffen das!

PS: Und noch etwas, damit Sie sich besser fühlen, wenn Sie erst zum Oktober- oder März-Termin antreten: Ich habe für meine Diplomarbeit fast 2 Jahre benötigt und für meine Dissertation 11 Jahre 😊.

Weiterführende Hinweise

Was für eine Abschlussarbeit noch alles wichtig ist, hat Ingrid Wahl in mehreren Blogartikel prägnant auf den Punkt gebracht:

Schreibprobleme lösen: Hier habe ich ein paar Erklärvideos zum Schreiben gemacht (Zugriff leider nur für FernFH-Studierende).

Quellen

Bolker, Joan. (2002). Writing Your Dissertation in Fifteen Minutes a Day. McMillan. New York.

Kruse, Otto. (2007). Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. (12. Aufl.). Campus. Frankfurt [u.a.].

Vedral, Johanna. (2012). Welche Leistungen müssen Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten aus psychologischer Perspektive erbringen? Psychologie in Österreich, 5, 10.

Wolfsberger, Judith. (2021). Frei geschrieben: Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. (5., bearbeitete Aufl.). UTB-Taschenbuch. Stuttgart.

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