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  • Motivationsförderung an der FernFH – ein Beitrag zu den Homeoffice Debatten in Unternehmen

    Motivationsförderung an der FernFH – ein Beitrag zu den Homeoffice Debatten in Unternehmen

    Immer wenn die persönlichen Aufnahmegespräche im Studiengang laufen, erfahre ich vieles über die maßgeblichen Beweggründe, ein Fernstudium anzugehen. Heuer hatte ich den Eindruck Corona hat einen Aspekt unseres Studienangebotes besonders prägnant zum Leuchten gebracht. Die verpflichtenden Präsenztage vor Ort, zwischen den betreuten Onlinephasen, werden fast von allen erstmals – nicht nur als etwas Notwendiges, sondern als etwas ganz Positives angesprochen.

    Präsenzphasen als „soziale Klammer“

    Bei der Fülle an Angeboten am privaten und freien Bildungsmarkt, welche die totale Flexibilität als USP (unique selling proposition – Alleinstellungsmerkmal) hervorheben, ist das für mich bemerkenswert. Wir pflegen in unserem Blended Learning Konzept konsequent drei Präsenzphasen im Semester, wo alle zusammenkommen. Wir sehen darin auch den Wert als „soziale Klammer“ in unserer didaktischen Konzeption (siehe dazu auch Blogbeitrag Herbert Schwarzenberger). Denn es geht eben nicht mehr vorrangig darum, mit der größten Freiheit zu entscheiden, ob man ein Studium jederzeit allein starten kann, oder wie, wann und wo man täglich lernt. Vielmehr haben zwischenzeitlich viele erkannt, wie sehr sie es brauchen zu einer Gruppe, einem Team, einem Jahrgang zu gehören, Leute kennenzulernen, sich auszutauschen, sich selten aber doch persönlich physisch treffen zu dürfen. Die fixen und damit gut planbaren Face2Face-Tage sind also ein großes Thema, ein entscheidendes Motiv für ein Studium an der FernFH.

    Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit

    Als Psychologin weiß ich: Hier geht es um das zentrale Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit. Das Gefühl ein Teil einer Community zu sein, Ansprechpersonen zu haben, die man kennt, denen man vertrauen kann, ein Team zu haben – nicht nur für fachliche Fragen, sondern auch um über Lernprobleme und -techniken, über scheinbar Unwichtiges, Nebensächliches, vielleicht Alltägliches reden zu können. Die Möglichkeit zu haben, sich auch mal vergleichen zu können, denn daraus leiten wir alle Informationen über den eigenen Selbstwert ab. Das sind nicht nur „private“ Bedürfnisse – es sind nicht nur profane Wünsche, nein, es sind fundamentale Voraussetzungen für Motivation und Erfolg.

    Die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan

    Als Lehrende und Wissenschaftlerin stelle ich daher den neuen Studierenden schon zu Beginn die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (2008) vor, die – wie kaum eine andere Motivationstheorie – überzeugende und praktisch nutzbare Hinweise darauf gibt, worauf es ankommt, damit wir motiviert lernen und arbeiten können. Im Prinzip gilt das für das Studieren ebenso wie für unsere Motivation am Arbeitsplatz.

    Wir alle streben nach der Befriedigung dreier psychologischer Grundbedürfnisse:

    • Autonomie (ich kann selbst bestimmen, wann und insbesondere wie ich eine Aufgabe erledige),
    • Kompetenz (ich kann erkennen, was ich kann und dass ich erfolgreich bin und neues Wissen praktisch anwenden kann) und die
    • soziale Eingebundenheit (ich bin Teil einer Community, kann Beziehungen pflegen, kann mich auf andere verlassen, wenn ich Hilfe und Unterstützung brauche, wenn ich einmal „down“ bin, weil mir alles zu anstrengend wird).

    Auf Basis dieser Erkenntnisse gestalten wir unser Studienangebot, unser Blended Learning Konzept. Es umfasst in der Planung und Umsetzung immer genug Angebote zur Befriedigung der „basic needs“: Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit.

    Ein Modell auch für Unternehmen

    Eigentlich ein Modell, das auch in den Managementebenen von Unternehmen viel mehr Verbreitung finden sollte. Dort scheinen so manche jetzt leider wieder retour zu rudern, das Distance-Remote-Homeoffice-Arbeiten gern wieder möglichst eindämmen zu wollen, so erzählen mir das zumindest meine Bewerber_innen, die in vielfältigen Branchen arbeiten. In Zeiten des Fachkräftemangels und der „händeringenden Suche“ nach gutem Personal ist das keine gute Idee.

    Soziale Eingebundenheit im Unternehmen – wenn man sie lässt

    Die heurigen Studienbewerber_innen haben jedenfalls sehr viel für Ihre berufliche Arbeit durch Corona gelernt und sind perfekt vorbereitet auf ein Fernstudium mit möglichst „kleinem, aber feinem“ vor-Ort Präsenzanteil. Sie sind imstande remote zu arbeiten, sie können virtuell Besprechungen leiten und Projekte im Team abwickeln, sie können Weiterbildungen ohne Probleme online absolvieren, selbständig lernen und übernehmen Verantwortung für ihre beruflichen Aufgaben und Ziele. Sie sind fleißig. Sie wissen mehr denn je um die Bedeutung der Freiheit und Autonomie, die notwendig ist um motiviert an Aufgaben dranzubleiben. Sie brauchen und schätzen die soziale Eingebundenheit in ein Unternehmen, in ihr Team mehr denn je, können aber sehr gut selber einschätzen, wann ein Vor-Ort Treffen erforderlich ist und wann Sie besser im Homeoffice arbeiten – „wenn man sie lässt“.

    Egoistisches Kontrollbedürfnis?

    Bleibt zu hoffen, dass auch die Manager_innen gelernt haben und nicht auf die Idee kommen, die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten und zum Homeoffice aus einem egoistischen Kontrollbedürfnis heraus, wieder rigoros einzuschränken und auf überholte Konzepte wie der Karotte vor der Nase zu setzen, wenn es um Motivationsförderung geht.

    Unsere Alumnis der Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie werden dieses Wissen und ihre Erfahrungen mit dem selbstregulierten Distance-Learning jedenfalls in die Arbeitswelt hinaustragen, hinein in die Unternehmensleitungen, in denen sie hoffentlich bald selbst sitzen.

    Viel Erfolg dabei an alle heurigen Absolvent_innen 2022 und herzlich willkommen an den neuen Jahrgang!

    Referenzen:

     Edward L. Deci, & Richard M. Ryan (2008): Self-Determination Theory: A Macrotheory of Human Motivation, Development, and Health, S. 183. In: Canadian Psychology 49, 182–185

    oder auch https://www.researchgate.net/publication/284515746_Deci_and_Ryan’s_self-determination_theory_A_view_from_the_hierarchical_model_of_intrinsic_and_extrinsic_motivation

  • Von der Blockade zum Flow: So können auch Sie Ihre Abschlussarbeit fertigstellen!

    Von der Blockade zum Flow: So können auch Sie Ihre Abschlussarbeit fertigstellen!

    Das Studienjahr geht dem Ende zu und das bedeutet für viele von Ihnen, dass Sie Ihr Studium bald abschließen werden. Sie haben Ihre Bachelor- und Masterarbeiten fertigstellen können und werden diese in den nächsten Wochen vor einer Prüfungskommission präsentieren und verteidigen. Dafür gebührt Ihnen die höchste Anerkennung und Gratulation!

    Für manche geht sich der Studienabschluss im Juni nicht aus

    Manchen allerdings ist es aufgrund beruflicher, familiärer, privater und/oder gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen, zum Juni-Termin ihre Abschlussarbeit fertigzustellen. All jenen Studierenden ist dieser Blogartikel gewidmet. Ich erzähle Ihnen meinen Geschichte zum Fertigstellen meiner Abschlussarbeiten gebe abschließend noch ein paar Tipps für Ihre nächsten Schritte.

    Meine Geschichte zu Abschlussarbeiten

    In meinem Diplomstudium Betriebswirtschaft an der WU Wien bin ich gut vorangekommen, bis kurz vorm Abschluss. Was passierte dann? Mitten in meinem Diplomarbeitsprojekt bin ich steckengeblieben. Nichts ging mehr. Die Gründe dafür waren vielfältig: Ich habe plötzlich mehr Stunden gearbeitet, intensivst für die letzten LVs und Abschlussprüfungen gelernt, Wohnung aufgeräumt usw. usf. Sie kennen das sicher alle! Aber Prokrastination hilft nix, wenn das Studium endlich abgeschlossen werden muss. (Hilfreiche Tipps gegen Prokrastination finden Sie in unserem Blog von Tanja Adamcik: https://wissblog.fernfh.ac.at/was-eisenhower-konnte-kann-ich-schon-lange/ und https://wissblog.fernfh.ac.at/was-hat-eine-tomate-mit-zeitmanagement-zu-tun/)

    Mir war klar, um aus diesem Loch wieder rauszukommen, benötige ich Hilfe von außen. In der Universitätsbibliothek zwischen den Ratgeberbücher „So schließe ich mein Studium ab“ und  „Wissenschaftliches Schreiben für Dummies“ fand ich jenes Buch, das mir den entscheidenden Impuls zum Fertigschreiben meiner Diplomarbeit und damit Abschluss des Diplomstudiums gab: „Keine Angst vorm leeren Blatt“ von Otto Kruse.

    Schreiben ist Denken

    Ein wichtiges Learning für mich aus dem Buch war, dass Schreiben auch Denken ist. Was bedeutet das?

    Schreiben ist die aktive Auseinandersetzung mit einem fachlichen Thema. Deshalb blockiert mich die Erwartung, gleich korrekte und verständliche Texte zu schreiben. Zuerst nutze ich also das Schreiben, um meine Gedankengänge deutlich zu machen. Ich formuliere Argumente und dadurch lassen sich dann oft Lücken in meinen Überlegungen finden. Gerade auch bei inhaltlichen oder konzeptionellen Problemen wird durch das Niederschreiben der Probleme die Lösung jener viel klarer.

    Ein Beispiel: Mein zentraler Begriff in meiner Forschungsarbeit wird von namhaften Autor_innen unterschiedlich definiert und ich kann mich nicht entscheiden, welcher Definition ich folgen soll. Ich beschreibe also in eigenen Worten die beiden Definitionen und formuliere dabei auch, welches Problem ich mit der einen bzw. der anderen Definition habe. Schwarz auf weiß in eigenen Worten niedergeschrieben wird mir deutlich welche Definition für mich besser passt (oder auch eine Kombination aus beiden).

    Weitere Tipps von Otto Kruse z.B. zur Zeitplanung halfen mir schlussendlich, die Arbeit fertigzuschreiben und mein Studium abzuschließen.

    Die Geschichte wiederholt sich

    Fast 10 Jahre später wiederholte sich die Geschichte allerdings für mich: wieder blieb ich stecken, diesmal allerdings mitten in meiner Doktorarbeit. Auch hier hatte ein Buch entscheidenden Einfluss, dass ich auch dieses Projekt erfolgreich beenden konnte: „Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten“ von Judith Wolfsberger.

    Schreiben ist erlernbar

    Aus diesem Buch konnte ich mir mitnehmen, dass Schreiben erlernbar ist.

    Die meisten von uns glauben, dass gutes Schreiben ein Talent ist. Tatsächlich ist Schreiben eine Fertigkeit, die wir erlernen können und üben müssen, um sie weiterzuentwickeln (Vedral, 2012, S. 484). Dazu gibt es einfach einzusetzende Methoden und Ideen. Mir beispielsweise hilft die Idee der „shitty first version“: Für einen Teil oder ein Kapitel einen Rohtext in einem Guss – im Flow – runterschreiben. Alle Formalia wie Zitate, Rechtschreibung, Layout kommen erst später dazu. Wichtig ist es, einfach einmal etwas auf dem Papier zu haben. Dann lass ich den Text eine Weile liegen, am besten über Nacht oder noch länger und dann erst überarbeite ich den Text, dabei behandle ich ihn aber wie „rohe Eier“ (Wolfsberger, 2021): ich muss mich loben, nett zu meiner Leistung sein. Ein Text wird nach und nach schlüssig und stimmig als ein Ergebnis mehrerer Überarbeitungen.

    So habe ich nach vielen Jahren neben Berufstätigkeit und Familie meine Dissertation fertiggeschrieben.

    Bleiben Sie dran!

    Zur Fertigstellung Ihrer Abschlussarbeit habe ich noch diese letzten Tipps für Sie:

    1. Dranbleiben: Ja, es war ein anstrengendes Studienjahr und ja, Sie haben sich Urlaub und Erholung mehr als verdient. Trotzdem: bleiben Sie dran an Ihrer Abschlussarbeit. Im besten Fall haben Sie ein approbiertes Proposal auf dessen Basis Sie weiterschreiben können. Wenn nicht, dann schauen Sie so schnell wie möglich, dass Sie das Proposal fertigstellen.
    2. Kleine Portionen: Nehmen Sie sich vor, jeden Tag 15 Minuten in Ihre Abschlussarbeit zu investieren: eine Mindmap zu einem Unterpunkt erstellen, oder zwei Absätze schreiben, oder zumindest bibliografieren (also Publikationen in Ihre Literaturdatenbank eintragen). Dadurch bekommen Sie eine Schreib- und Arbeitsroutine und die Abschlussarbeit wird von einem großen, angstmachenden Brocken zu kleinen machbaren Arbeitsschritten. Eines der Lieblingsbücher von Ingrid Wahl, die effizienteste Schreiberin, die ich kenne, ist übrigens: „Writing your Dissertation in 15 Minutes a Day“ von Joan Bolker. Hier ist diese Strategie genau beschrieben.
    3. Auch wenn es noch nicht Ihr persönlicher Studienabschluss ist: Feiern Sie mit Ihren Studienkolleg_innen deren Sponsion. Freuen Sie sich mit ihnen mit und formen Sie aus diesen Momenten Ihre persönliche Vision von Ihrem Studienabschluss, die Sie als Motivation nutzen können. Erstmals seit 2019 kann die Sponsion an der FernFH wieder vor Ort stattfinden, und gemeinsam gefeiert werden.

    Sie schaffen das!

    Damit hoffe ich, Ihnen auf Ihrem Weg zum Abschluss zu helfen, egal ob dieser im Oktober, März oder Juni erfolgt. Halten Sie durch, Sie schaffen das!

    PS: Und noch etwas, damit Sie sich besser fühlen, wenn Sie erst zum Oktober- oder März-Termin antreten: Ich habe für meine Diplomarbeit fast 2 Jahre benötigt und für meine Dissertation 11 Jahre 😊.

    Weiterführende Hinweise

    Was für eine Abschlussarbeit noch alles wichtig ist, hat Ingrid Wahl in mehreren Blogartikel prägnant auf den Punkt gebracht:

    Schreibprobleme lösen: Hier habe ich ein paar Erklärvideos zum Schreiben gemacht (Zugriff leider nur für FernFH-Studierende).

    Quellen

    Bolker, Joan. (2002). Writing Your Dissertation in Fifteen Minutes a Day. McMillan. New York.

    Kruse, Otto. (2007). Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. (12. Aufl.). Campus. Frankfurt [u.a.].

    Vedral, Johanna. (2012). Welche Leistungen müssen Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten aus psychologischer Perspektive erbringen? Psychologie in Österreich, 5, 10.

    Wolfsberger, Judith. (2021). Frei geschrieben: Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. (5., bearbeitete Aufl.). UTB-Taschenbuch. Stuttgart.

  • Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    „Digitalisierung in Lehre und Studium bedeutet weit mehr als Vorlesungen zu streamen, Seminare im Netz abzuhalten oder Lehrveranstaltungsunterlagen herunterladen zu können…“

    Mit diesen Worten leitet das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung den Menüpunkt Digitalisierung von Studium und Lehre ein.

    Die Coronapandemie hat der Digitalisierung einen enormen Schub verliehen und mancherorts kann man lesen:

    „Wenn man sich nicht selbst neu erfindet, wird man verdrängt.“

    An der FernFH sind digitale Elemente im hybriden Lernsetting seit Bestehen der Bildungseinrichtung ein fester Bestandteil in unseren Lehr- und Lernsettings. Wir haben Follower bekommen. Viele Fachhochschulen und Universitäten mussten von heute auf morgen ihren Betrieb auf Onlinelehre umstellen, um einen möglichst friktionsfreien Unterricht zu gewährleisten. Nicht immer zur Freude aller Beteiligten. Neues schafft Unsicherheit und Arbeit, Routinen müssen aufgegeben werden, es dauert, bis man sich in einer neuen Umgebung eingewöhnt hat. Und: es geschah nicht ganz freiwillig, das schafft schnell mal Reaktanz. Doch die eingeschränkte Freiheit durch die Pandemie wurde an den Fachhochschulen und Universitäten durch eine neue ersetzt: Anfahrtswege und Wartezeiten fielen weg, die Annehmlichkeiten des Home- oder Mobile Working-Settings wurden gern akzeptiert. Unsere Studierenden kennen diese Form des Lehr-und Lernsettings schon von Studienbeginn an.

    Digitale Elemente in der Lehre überwinden Distanz, schaffen (oft) eine 24/7 Zugriffsmöglichkeit auf Unterlagen und Lerninhalte und ermöglichen Kollaboration ungeachtet des Wohn- und Arbeitsorts und weitgehende Flexibilität in der Selbstorganisation. Im Studium ist es Wissenserwerb auf einer Ebene, die im Arbeitsleben in vielen Branchen längst Einzug gehalten hat.

    Nicht mehr als ein Werkzeug

    Ich möchte der Digitalisierung nicht absprechen, einen enormen Anteil in unserer Arbeits- und Lebenswelt zu haben. Vieles ändert sich schneller als wir selbst. Innovationen, Adaptionen, Neuerungen, Verbesserungen sind uns immer ein Stück voraus. Das Leben ist dadurch einfacher geworden, auch wenn es im ersten Moment komplex erscheint. Dennoch meine ich, Digitalisierung ist ein „Werkzeug“ aber keine Philosophie, es ist plakativ gesprochen vielmehr ein „Transportmittel“ für Austausch, Ideenfindung, Erneuerung, Transfer und vor allem Organisation in seiner Vielschichtigkeit. Dabei ist es für alle Akteur:innen notwendig, sich digitale Kompetenzen anzueignen und entsprechendes didaktisches Know-how und Medienkompetenz aufzubauen um sich gut im digitalen Setting bewegen zu können.

    Und darüber hinaus ist es unerlässlich, OFF-Line Settings beizubehalten, so wie in unserem Blended Learning Format an der FernFH umgesetzt, um Social Distancing, wie wir es aus Pandemiezeiten zur Genüge kennen, zu vermeiden. Denn genau die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, was wir unabhängig von den digitalen Möglichkeiten ebenso brauchen, um ein freudvolles und sinnerfülltes Arbeits-, Studien-, und Privatleben zu führen: soziale Nähe.

  • Abschlussarbeiten schreiben – auch ein nicht signifikantes Ergebnis ist ein Ergebnis

    Abschlussarbeiten schreiben – auch ein nicht signifikantes Ergebnis ist ein Ergebnis

    Nach mühevoller Arbeit mit Themenfindung, der Problemstellung, der Literatur, dem Theoriekapitel, den Hypothesen und der Fragebogenerstellung hat man endlich die Daten vorliegen. Seien wir uns einmal ganz ehrlich, da hat jetzt niemand großartig Lust systematisch vorzugehen. Man will doch wissen was rausgekommen ist. Also kurz mal das Statistikprogramm anwerfen und analysieren was das Zeug hält. 🤓 Wenn dann die erste Neugierde gestillt ist, sieht man sich die Daten natürlich gründlich der Reihe nach an.

    Was sehe ich mir zuerst an?

    Zuerst sichtet man die Daten und sieht nach, ob die Daten plausibel sind (z.B. hat eine 15jährige 6 Kinder, usw.). Solche Datensätze sollten gelöscht werden, weil man hier nicht sagen kann, wie ernsthaft der Fragebogen ausgefüllt wurde. Man sollte sich auch ansehen, ob es Fragen gibt, die viele Personen nicht beantwortet haben oder ob es an einer bestimmten Stelle im Fragebogen viele Abbrüche gegeben hat. Das gibt schon Aufschluss darüber, wie gut der Fragebogen bei den Teilnehmer_innen angekommen ist und wie brauchbar die Daten sind.

    Dann sieht man sich die soziodemographischen Daten der Stichprobe an. Hier wird oft davon gesprochen, ob die Stichprobe repräsentativ ist, aber das ist ein Blödsinn. Repräsentativ heißt, dass alle Personen, die der untersuchten Grundgesamtheit angehören (z.B. alle österreichischen Eltern), die gleiche Chance haben in die Stichprobe zu kommen. Das schafft eigentlich nur die Statistik Austria bei der Mikrozensuserhebung und die zwingen die Leute per Gesetz. 😊 Auf jeden Fall kommt in die Abschlussarbeit das Kapitel „Stichprobe“ in welchem beschrieben wird, wer die Personen waren, die an der Befragung teilgenommen haben (z.B. Alter, höchster Schulabschluss, Erwerbstätigkeit, usw.).

    Wie bilde ich meine Skalen?

    Als nächstes sieht man sich an, ob die verwendeten Skalen – egal ob selbst gemacht oder aus der Literatur – auch gut passen. Wie das geht, zeigen verschiedene schlaue Videos. 😊 Auf jeden Fall wird die Skalenbildung in der Abschlussarbeit entweder im Materialkapitel oder in einem eigenen Kapitel mit Namen „Vorbereitende Analysen“ berichtet. Dort wird dann auch alles im Text beschrieben (d.h. Itemanalyse, Ergebnis verwendeten Faktorenanalyse, Ergebnis Reliabilitätsanalyse, Name der gebildeten Skala und deren deskriptive Statistiken). Alle diese Daten werden auch in einer Tabelle zusammengefasst dargestellt, die nach der Beschreibung abgebildet wird. Bei der Beschreibung und der Tabelle muss man nicht kreativ sein, sondern man sucht sich eine gute Abschlussarbeit raus und orientiert sich daran. Achtung, nicht abschreiben, nur orientieren! 🤓

    Was wird im Ergebnisteil berichtet?

    Jetzt geht es daran, im Ergebniskapitel die Hypothesen zu beantworten. Dazu gibt man nochmal an was man untersuchen möchte, und zwar ausformuliert und ohne Angabe der Hypothesennummer. Nur Faule schreiben hier tatsächlich H1 usw. hin. Dann gibt man an welches Verfahren herangezogen wurde, welche Variablen die unabhängigen und welche die abhängigen waren, was dabei rausgekommen ist (inkl. Angabe Mittelwerte, Standardabweichung, Mediane, Korrelationskoeffizienten, F-Werte, Freiheitsgrade, p-Wert, usw.) und wie das Ganze zu interpretieren ist. Das liest sich dann zum Beispiel so: „Um zu analysieren, inwieweit das Alter mit der Höhe von Geldgeschenken zusammenhängt, wurde eine Korrelationsanalyse nach Spearman mit den Variablen „Alter“ und „HöheGeldgeschenk“ durchgeführt. Es zeigte sich eine signifikante negative Korrelation (rsp = -0.35, p < 0.01) welche bedeutet, dass sich mit zunehmenden Alter die Geldgeschenke der Eltern verringern.“

    Wie man die Ergebnisse genau angibt, ist meist in den zur Verfügung gestellten Leitfäden beschrieben. Also ist auch hier nie Kreativität sondern immer nur pure Genauigkeit gefragt. Steht in den Leitfäden wider Erwarten nichts zur Ergebnisdarstellung, dann sieht man sich am besten an, wie das in den gelesenen Artikeln gemacht wurde.

    Wie sehen Tabellen aus?

    Nach der Beschreibung kommt die Ergebnistabelle, in der die schon weiter oben berichteten Mittelwerte (inkl. Standardabweichung) der Gruppen, die Mediane der Gruppen oder die Korrelationen übersichtlich dargestellt werden. Es ist hier ziemlich verlockend, einfach die Ergebnistabelle aus dem Statistikprogramm reinzukopieren. Aber das sieht scheußlich aus und sollte daher auf keinen Fall – ich wiederhole – auf gar keinen Fall gemacht werden! Auch hier kann man sich an guten bestehenden Abschlussarbeiten und gelesenen Artikeln orientieren. Ebenfalls unbedingt zu beachten ist, dass im Text immer die ganze Information, die auch in der Tabelle steht, berichtet werden sollte und dass auf die jeweilige Tabelle verwiesen wird.

    Wo bringe ich zusätzliche Ergebnisse unter?

    Hat man mehrere Hypothesen, dann analysiert man diese der Reihe nach und berichtet die dazugehörigen Ergebnisse. Manchmal hat man noch nicht für alles eine Hypothese aufgestellt und trotzdem so richtig Lust auch nach der Beantwortung der Hypothesen weiter zu analysieren. Meist hat man ja viel mehr erhoben und möchte genau wissen, was hinter den ganzen Daten liegt. Kein Problem, Analysen, zu denen es keine Hypothesen gibt, werden im Kapitel „Weiterführende Analysen“ berichtet und zwar genau so wie ich das vorher beschrieben habe.

    Wie schlimm ist es, wenn nichts signifikant ist?

    Manchmal sind Studierende sehr enttäuscht, wenn sie ihre Nullhypothesen beibehalten müssen und ihre Alternativhypothesen nicht zutreffen. Das ist natürlich ein bisschen blöd, weil man ja gute Gründe für die Hypothesen hatte. Aber für die Abschlussarbeit ist das überhaupt kein Problem. Für eine gute Abschlussarbeit ist es nicht nötig, dass die Ergebnisse signifikant sind. Immerhin ist irren menschlich, das gilt auch in der Wissenschaft. Vielmehr ist es wichtig, dass in der Abschlussarbeit korrekt ausgewertet wird und alles nachvollziehbar dargestellt wird. Wenn man das schafft, dann bekommt man bestimmt auch eine gute Note. 🤓

    Wo hole ich mir Hilfe?

    Klar muss man erst mal wissen, wie das mit der Statistik funktioniert und was man wie auswertet. Das ist immer sehr individuell und kann daher nicht so locker und lässig in einem Blogbeitrag erklärt werden. Wenn man mit der Statistik Probleme hat, dann gibt es im Internet unzählige Videos und Erklärungen, die sich ganz leicht Googlen lassen. Für die Studierenden der FernFH habe ich im Statistik Austausch viele Informationen zusammengetragen und unterstütze auch wo es nur geht im Forum.

    Bald ist die Abschlussarbeit zu Ende. Leider‼ Aber das wichtigste Kapitel – die Diskussion – fehlt noch. Um die geht es in meinem nächsten Beitrag.

  • Früher war alles besser: Alter und Digitalität – geht das zusammen?

    Früher war alles besser: Alter und Digitalität – geht das zusammen?

    Als ich meine erste Arbeitsstelle angetreten habe, gab es Telefon, Fax, Telex und Rohrpost. Die wenigen Computer mit einfachen Datenverarbeitungsprogrammen hielten nach und nach Einzug in die Arbeitswelt, die Bildschirme flimmerten grün schwarz und waren nicht wirklich langfristig augentauglich. Die Entwicklung schritt rasch und stetig voran und heute sind digitale Geräte nicht mehr aus der Arbeits- und Bildungswelt wegzudenken. Ganz zu schweigen vom Privatleben. Wir sind vernetzt und überall erreichbar. Jede beliebige Information kann jederzeit abgerufen werden. Digitale Bildung beginnt schon im Kleinkindalter.

    Wir sind so digital wie nie

    „Laut Globalwebindex beträgt die durchschnittliche Nutzungsdauer des Internets in Österreich rund fünf Stunden und 45 Minuten pro Tag. Österreichische Internetnutzer im Alter zwischen 16 und 64 Jahren verbringen täglich eine Stunde und 22 Minuten in sozialen Medien (Stand 2020; statista.com)“

    Eher neueren Datums ist die Forschung, wie ältere Menschen mit digitalen Medien umgehen und welche Hemmschwellen sie dafür überwinden müssen oder auch sollten. Während wir uns darüber freuen, dass der Berufsalltag und das Privatleben immer papierloser wird und alles flexibel-leicht über mobile Endgeräte speicher- und abrufbar wird, stöhnen die Älteren. Filialen verschwinden, Automaten ersetzen Angestellte, Termine werden Online ausgemacht, Telefonservice wird mittels Sprachservice automatisiert. Das muss nicht sein. Denn Digitalität vermag auch viel Positives. Wichtig ist es, sich von negativen Altersstereotypen zu befreien.

    Digitale Teilhabe hört nicht mit dem Pensionsantritt auf.

    Ältere Menschen können sich genauso wie andere Generationen weiterentwickeln, es gilt hier den geänderten Bedürfnissen gerecht zu werden. Gerade die Zeit um Covid-19 hat gezeigt, dass digitale Vernetzung wesentliche Vorteile bringt, wenn es um sozialen Austausch, medizinische Unterstützung oder alltagsbedingte Informationsangebote geht.

    Inklusion der älteren Generationen

    Es scheint jedoch noch einen gewissen diffusen Leerstand zu geben. Erst im hochbetagten Alter werden AAL Konzepte attraktiv und zwangsläufig notwendig. Dazwischen gibt es vielfach konzipierte Annäherungsversuche. Was bereits in der LLL Strategie angekommen ist, nämlich „Punkt 9. Die Bereicherung der Lebensqualität durch Bildung in der nachberuflichen Lebensphase“, muss sich noch in den Köpfen der Partizipient_innen verankern. Dabei gilt es die Interessen aller Anspruchsgruppen zu bündeln. Einerseits in der Lehre, andererseits im sozialen Umfeld und letztendlich bei den Betroffenen selbst.

    Was braucht es dazu?

    Laut meiner Einschätzung Mut zur Veränderung, positive Vorbilder und Geduld. Ältere Menschen haben andere Grundvoraussetzungen, müssen Scheu abbauen und benötigen unter Umständen einen längeren Lernprozess, bis gewisse Handlungsschritte eingeübt worden sind. Essenziell bleibt, die Vorzüge beim Gebrauch von digitalen Medien praxisnah zu veranschaulichen und die lernende ältere Generation dabei in den Mittelpunkt zu stellen. „Die Dosis macht das Gift“ – ein abgewandelter Spruch, der von Paracelsus überliefert ist, mag wohl auch für die Digitalität im Alter stimmen. Der soziale Raum kann erweitert werden, wenn die Möglichkeiten sinnvoll und gezielt genutzt werden.

    Ich wünsche Ihnen einen erholsamen, sozialen Sommer!

    Weiterführende Lesetipps:

    https://erwachsenenbildung.at/themen/lebenslanges_lernen/oesterreichische_strategie/aktuell.php#lll2020

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/digitalisierung-im-alter-internetnutzung-der-senioren-16432678.html

  • Abschlussarbeiten schreiben – Give me the Fragebogen and nobody gets hurt!

    Abschlussarbeiten schreiben – Give me the Fragebogen and nobody gets hurt!

    Endlich kann man kreativ werden und Daten erheben! Immerhin hat man sich bisher schon mit der Themenfindung, der Problemstellung, der Literatur, dem Theoriekapitel und den Hypothesen abgemüht! Jetzt ist es Zeit, dass man sich mal selbst an die Arbeit begibt und die Erhebung gestaltet und nicht immer nur das zusammenfasst was andere gemacht haben. 😉 Bei Erhebungen gibt es wieder einiges zu beachten, weil wenn man einen Blödsinn erhoben hat, bringt einem die beste Auswertungsmethode nix mehr.

    Wie kann ich meine Hypothesen beantworten?

    Meine Forschungsfrage ist: „Welche Bedeutung haben Geldgeschenke im Familienkontext?“. Und meine Hypothesen sind: H1: „Je älter die Kinder sind, desto weniger finanzielle Unterstützung erhalten sie von ihren Eltern.“; H2: „Personen, die ein eigenes Einkommen haben, erhalten weniger finanzielle Unterstützung von ihren Eltern, als Personen, die kein eigenes Einkommen haben.“. Da habe ich mich ja schon entschieden, dass ich diese quantitativ, also mit einem Experiment oder einem Fragebogen untersuche. Bei einem Experiment werden Personen zufällig zu Experimentalbedingungen zugewiesen. Auch wenn ich das gerne möchte, aber leider kann ich nicht manipulieren, ob mir meine Eltern Geld geben oder nicht. Daher kann ich hier auch kein Experiment durchführen. Aber ich kann Leute mit einem Fragebogen befragen und damit meine Hypothesen beantworten.

    Konstrukte getrennt voneinander erheben

    Um Hypothesen mit einem Fragebogen zu beantworten, muss man die Dinge (auf g’scheit: Konstrukte), die in den Hypothesen vorkommen, getrennt voneinander erheben. Ich will wissen, ob das Alter negativ mit der finanziellen Unterstützung durch die Eltern zusammenhängt. Daher muss ich im Fragebogen einerseits erheben, wie alt meine Teilnehmer_innen sind und andererseits wieviel finanzielle Unterstützung (z.B. Höhe, Häufigkeit) sie von ihren Eltern erhalten. Vergisst man hier auf einen Teil, dann kann die Hypothese nicht beantwortet werden. Das ist klar. Aber auch wenn man beide Teile auf einmal erhebt (also zum Beispiel mit der Frage: „Wie sehr haben Sie das Gefühl, dass sie mit zunehmendem Alter weniger finanzielle Unterstützung Ihrer Eltern erhalten“), kann man keine Korrelation berechnen und somit die Hypothese ebenfalls nicht beantworten. Damit die Hypothesen am Schluss gut beantwortet werden können, muss man sich schon bei der Gestaltung des Fragebogens überlegen, wie man das anschließend auswertet.

    Wie komme ich zu guten Fragen?

    Oft sollen in Fragebögen auch Konstrukte erhoben werden, die in der Literatur schon untersucht wurden (z.B. Arbeitszufriedenheit, Persönlichkeitseigenschaften). Da braucht man sich selbst nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, wie man das am besten erhebt, sondern man sucht am besten in den Material- und Ergebniskapiteln der gelesenen Artikel, wie das dort erhoben wurde. Das sind dann meist schon getestete Fragenbatterien (auf g’scheit: Skalen), die man dann im eigenen Fragebogen übernehmen kann. Außerdem gibt es auch Datenbanken, die alle möglichen Skalen sammeln (siehe Links unten). Zuerst sollte man sich aber noch genau überlegen, ob das zu erhebende Konstrukt aus den Hypothesen auch gut zu den ausgewählten Skalen passt. Nur weil irgendwer das mal verwendet hat, heißt das noch lange nicht, dass das eine super Skala ist! Da muss man sich auch ein wenig auf das eigene Gefühl verlassen, um zu beurteilen, ob die Skala was taugt. Einzelne Wörter und das Antwortformat kann man auch bei schon gut geprüften (auf g’scheit: validierten) Skalen natürlich ohne weiteres anpassen.

    Die Intervallskala

    Am besten erhebt man immer alles auf dem höchstmöglichen Skalenniveau. Bei Skalen sollte das also Intervallskalenniveau sein. So kann man die besten Analysen durchführen bzw. wenn man es dann doch nicht so genau braucht, kann man das noch umkodieren. Was ganz grauslich zum Auswerten geht, sind Mehrfachantworten (d.h. Wählen Sie alles aus was auf Sie zutrifft.) und Reihungsfragen (d.h. Ordnen Sie die folgenden Aussagen danach, wie diese auf Sie zutreffen.). Besser ist es immer die Alternativen vorzugeben und für jede auf einer 7stufigen Antwortskala abzufragen, wie sehr diese zutrifft und zwar mit den Endpolen „trifft gar nicht zu“ bis „trifft völlig zu“.

    Was muss man noch beachten?

    Wenn sich Personen in einem Fragebogen nicht wiederfinden oder dieser sie nervt, dann brechen sie die Befragung ab. Niemand hat Zeit für und Lust auf einen schlechten Fragebogen. Daher sollte man immer überlegen, ob auch alle Personen eine passende Antwortalternative haben. Auch sollte man immer die Möglichkeit geben, dass eine Frage nicht beantwortet werden muss. Da verzichtet man lieber mal auf eine einzelne Antwort, als auf den ganzen Fragebogen.

    Natürlich knallt man den Fragebogen den Teilnehmer_innen nicht einfach hin, sondern man schreibt eine kurze Einleitung. In dieser stellt man sich vor, gibt an wozu die Untersuchung durchgeführt wird, gibt grob an worum es im Fragebogen gehen wird – aber nicht zu genau, um niemanden zu beeinflussen –, sichert die Anonymität zu, schreibt, dass es keine richtigen und falschen Antworten gibt, führt die ungefähr benötigte Zeit zum Ausfüllen an und stellt Kontaktdaten für Nachfragen zur Verfügung. Am Ende des Fragebogens bedankt man sich für die Teilnahme – man will ja nicht unhöflich sein, oder? – und gibt nochmals Kontaktinformationen an.

    Wie sieht das dann in der Abschlussarbeit aus?

    In jeder Abschlussarbeit aber auch in jedem Artikel mit einer empirischen Studie gibt es ein Materialkapitel in welchem der Fragebogen von Anfang bis Ende, also von der Einleitung bis zur Danksagung, beschrieben wird. Also genau was wurde als Thema angegeben, auf wie lange wurde die ungefähre Bearbeitungsdauer geschätzt usw. Dann wird angegeben worauf mit welchen Fragen abgezielt wurde, welches Antwortformat verwendet wurde und man gibt eine Beispielfrage an. Für die Fragen und Skalen, die aus der Literatur stammen, wird hier die Quelle zitiert. So weiß eine Person, die den Fragebogen nicht vor sich hat, genau wie dieser ausgesehen hat und woher die Fragen stammen und was wie abgeändert wurde. Außerdem wird der Fragebogen im Anhang der Abschlussarbeit abgebildet.

    Wie lerne ich gute Fragebögen zu gestalten?

    Gute Fragebögen zu gestalten hat viel mit Erfahrung zu tun. Diese Erfahrung kann man sammeln, indem man einfach jeden Fragebogen, der einem in die Quere kommt, beantwortet. Dabei überlegt man am besten immer gleich mit, was gefällt, was nicht gefällt, fühlt man sich angesprochen, was würde man selbst anders und damit hoffentlich besser machen. So kann man dann schon beim eigenen Fragebogen gut abschätzen, wie man diesen gestalten könnte.

    Ist der Fragebogen einmal fertig, dann geht es los mit der Erhebung! Das erledigt sich meist wie von selbst. Sind die Daten einmal da, dann wird ausgewertet und darum geht es auch in meinem nächsten Blogbeitrag. Versprochen!

    Weiterführende Links

    https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro
    http://www.scalesandmeasures.net/
    https://www.testarchiv.eu/
    https://en.wikibooks.org/wiki/Handbook_of_Management_Scales
    http://zis.gesis.org/

  • Warum ist mit dem Binnen-I nicht genug gegendert?

    Warum ist mit dem Binnen-I nicht genug gegendert?

    Das Binnen-I (z.B. StudentInnen, MitarbeiterInnen) ist in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden. Damit wurde versucht, in der deutschen Sprache Frauen, die vorher im generischen Maskulinum nur mitgemeint wurden, nun auch sprachlich sichtbar zu machen. Andere Möglichkeiten, um Frauen sichtbar zu machen, sind die Nennung in Paarform (z.B. Studenten und Studentinnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) oder die Schreibweise mit Schrägstich (z.B. Student/innen, Mitarbeiter/innen). Diese Schreibweisen werden mittlerweile vielfach angenommen und umgesetzt. Das ist meiner Meinung nach schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ich, als Gender- und Diversitätsbeauftragte der FernFH möchte jedoch noch einen Schritt weiter gehen und noch inklusiver in der Sprache werden. Dabei würde es mich sehr freuen, wenn viele Leute diesen Schritt mit mir gehen.

    Wie exkludiert Sprache?

    Die Sprache, die wir verwenden beeinflusst unser Umfeld und damit auch die Gesellschaft, in der wir leben. Wenn sprachlich Gruppen ausgeschlossen werden, werden diese implizit und auch explizit in der Gesellschaft ausgeklammert und als weniger wert wahrgenommen. Ein solcher Ausschluss widerspricht den Werten der FernFH, in welchen die Vielfalt der Menschen als Bereicherung und Inklusion als Auftrag gesehen wird (siehe auch: Diversität ist uns wichtig; Queer an der FernFH).

    Auch gesetzlich ist mittlerweile festgestellt worden, dass es nicht nur das männliche und weibliche Geschlecht gibt. So können intergeschlechtliche Personen, also Personen mit sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechtsmerkmalen, nun auch in ihrem Pass einen anderen Geschlechtseintrag wählen. Es gibt aber auch noch Personen, welche sich nicht in der Geschlechterdichotomie männlich-weiblich einordnen (z.B. trans*, non-binary), auf die das aktuelle Gesetz nicht zutrifft. Um auch diese Personen zu inkludieren, ist es notwendig in unserer Sprache von einer Zweiteilung wegzugehen und alle Personen, unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen.

    Was ist das Problem mit dem Binnen-I

    Das Binnen-I und auch die Schreibweisen mit Paarform oder Schrägstich schließen sprachlich nur Männer und Frauen ein. Das heißt, sie schließen Personen aus, die sich hier nicht einordnen. Aus diesem Grund ist es nötig, vom Binnen-I wegzugehen und eine inklusivere Sprache zu verwenden.

    Wie kann man inklusiver formulieren?

    An der FernFH wird in der offiziellen Kommunikation schon seit Jahren der Unterstrich (z.B. Student_innen, Mitarbeiter_innen) verwendet, um alle Menschen im gleichen Maße anzusprechen. Weitere Formen sind die Schreibweise mit Stern (z.B. Student*innen, Mitarbeiter*innen) oder die Schreibeweise mit Doppelpunkt (z.B. Student:innen, Mitarbeiter:innen). Auch kann einfach neutral formuliert werden, so dass keine Geschlechtsbezeichnung notwendig ist (z.B. Studierende, Belegschaft). Hierzu finden sich weitere Beispiele und Tipps im überarbeiteten Leitfaden für gendergerechte Sprache und diskriminierungsfreie Bilder der FernFH.

    Es ist klar, dass diese inklusive Sprache – gerade am Anfang – nicht immer so leicht ist und einer gewissen Umgewöhnung bedarf. Jedoch denke ich, dass wir durch diesen gemeinsamen Schritt an der FernFH ein inklusives Klima schaffen, welches dazu führt, dass alle Menschen inkludiert werden und sich wohl fühlen können.

    Weiterführende Links:

    *Leitfaden für gendergerechte Sprache und diskriminierungsfreie Bilder der FernFH

    *https://geschicktgendern.de/

    *https://www.gendern.de/

    *https://www.akbild.ac.at/Portal/universitaet/frauenfoerderung-geschlechterforschung-diversitaet/non-binary-universities/non-binary-uni-accessible-300ppi.pdf

  • Über das Lesen – Chancen und Nebenwirkungen

    Über das Lesen – Chancen und Nebenwirkungen

    Aller Anfang war leicht … Lesen im Kindesalter

    Lesen ist eine der Kulturtechniken in Kombination mit dem Schreiben, die wir mehr oder weniger enthusiastisch im Vorschulalter erlernen. Da werden aus Zeichen plötzlich erste Wörter. Wir konnten die Buschstaben A-P-F-E-L dem Objekt Apfel zuordnen. Lesen ist eine Schlüsselkompetenz. Dies bedeutet, dass Wörter und Texte sinnerfassend verarbeitet und auch reflektiert werden können. Auch abseits der Schule ermöglichte das Lesen es, die Informationen des Alltags zu erfassen. Lesen bedeutete in der Kindheit ein Stück weit Unabhängigkeit. Es machte Spaß, Buchstaben zu erkennen, zu verknüpfen, lesen zu lernen und die Geschichten, die aus Buchstaben im Kopf entstanden, zu erleben.

    Von Lust zu Frust oder umgekehrt?

    Später dann, wenn der externe Auftrag kam, etwas lesen zu müssen, (z.B. Seminar-, oder Abschlussarbeiten an der FernFH) wandelte sich manche Lust in Frust. Die Texte wurden länger, die Inhalte komplexer und es ging uns nicht mehr so leicht von der Hand. Auch hat sich in unserer multimedialen Welt die Haltung zum Lesen stark verändert. Wir legen ein anderes Leseverhalten an den Tag. Wir lesen vermehrt überschriftenorientiert und schnell erfassbar muss es sein. Die Umwelt hat sich verändert und eine Vielfalt von Textsorten (digital und/oder analog) stehen uns zur Verfügung. Es bedarf einiger Selektionskriterien.

    Die Suche nach Genres oder Fachliteratur war nie so leicht aber auch nie so komplex wie jetzt. Zum einen findet man sehr schnell viele Angebote, zum anderen befindet man sich meist auch gleich in einem Dilemma. Es ist zu viel! Es bedarf eines guten Systems, um relevanten Lesestoff ausfindig zu machen. Hat man den passenden Text oder das Medium gefunden, gilt es die nächste Hürde zu meistern….

    … und wie liest man jetzt richtig?

    An dieser Stelle möchte ich zwei Aspekte anführen. Das Lesen „zum Vergnügen“, also der Roman, der Zeitungsartikel zu meinem Lieblingshobby, das bedeutet für uns Lesespaß, Entspannung und Unterhaltung. Das geht meist runter wie Öl, finden Sie nicht? Man taucht ganz in die Geschichte ein. Ehe man es sich versieht, sind Stunden verflogen. Und ganz nebenbei trainieren wir auch noch unsere kognitiven Fähigkeiten, erweitern unseren Wortschatz und reduzieren Stress.

    Auf der anderen Seite gibt es auch Schriften, die nicht unbedingt zur Entspannungslektüre zählen, jedoch gefordert und zweckdienlich sind. Hier wäre es sinnvoll, sich nicht unvorbereitet in die Materie zu stürzen, sondern sich ein paar Fragen zu stellen: Was will ich mit dem Lesen erreichen? Schnelle Information? Einen groben Überblick? Tiefergehendes Verständnis für eine mir (gerade) wichtige Materie erlangen? Jetzt geht es um zeit- und energiesparendes, effektives Lesen.

    Anregungen mit positiven Nebenwirkungen

    Hier helfen ein paar Tipps, meine Favoriten möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

    1. Verorten Sie die Texte – das Wissen über die Autor_innenschaft unterstützt bei der Einordnung der Texte und schafft Verständnis für den Rahmen, in dem ein Werk entstanden ist.
    2. Bei Artikeln empfiehlt es sich, das Abstract zu lesen. Passt der Inhalt nicht, weglegen.
    3. Lesen Sie nicht Wort für Wort: Unser Gehirn kann mehrere Worte gleichzeitig verarbeiten, sie ergeben mehr Sinn als jedes einzelne und noch dazu bleiben wir konzentrierter.
    4. Machen Sie sich Notizen im Buch: Markieren Sie die Seiten und Stellen, die Ihnen merk-würdig erscheinen (z.B. auf der ersten Innenseite)
    5. Schreiben Sie auf, was Sie über den Inhalt denken – verfassen Sie quasi Ihre persönliche Buchrezension.
    6. Reflektieren Sie. Die paar Minuten zahlen sich aus. Sie verknüpfen die Inhalte mit ihrem Wissenstand. Gelesenes bleibt so länger im Gedächtnis.

    Machen wir es wie die Kinder, lassen wir uns auch von fordernder Lektüre überraschen, seien wir stolz, wenn wir Inhalte verinnerlichen konnten und kreieren wir aus komplexen Buchstabenketten unsere persönlichen AHA-Erlebnisse. Mehr zu guter Lesetechnik im Studienumfeld gibt es sicher demnächst in einem meiner nächsten WissBlog Beiträge.

    Artikel zum Thema:

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/im-gespraech-umberto-eco-sind-sie-der-ideale-leser-signor-eco-1635716.html

    http://www.buecherlei.de/fab/hesse/uelesen.htm

  • Abschlussarbeiten schreiben – Jetzt wird’s hypothetisch

    Abschlussarbeiten schreiben – Jetzt wird’s hypothetisch

    Jetzt wo mit allen vorangegangen Blogbeiträgen das Thema, die Forschungsfrage und der Theorieteil stehen, gehts bei empirischen Arbeiten um eine weitere wichtige Entscheidung: Soll qualitativ oder quantitativ geforscht werden? Ich bin ganz klar in der quantitativen Forschung beheimatet, und schlage daher, wo es nur irgendwie sinnvoll ist, Forschung mit Experimenten und Fragebögen vor. Das mit dem qualitativen Forschen, also Interviews, Dokumentenanalysen usw. überlasse ich lieber unserer Spezialistin Anahid Aghamanoukjan. Ich werde mal bei ihr nachfragen, ob sie hier vielleicht einspringen und den einen oder anderen Blogbeitrag dazu schreiben mag. 😊

    Also, entschieden für quantitative Forschung und raus mit dem Fragebogen! So ist oft der Zugang von Studierenden. Das kann ganz schnell nach hinten los gehen. Zuerst muss man sich überlegen, was man überhaupt wissen will und das muss natürlich gut überlegt sein. Weil der beste Fragebogen bringt nichts, wenn er nicht erhebt, was man überhaupt wissen will.

    Um zu wissen, was man überhaupt wissen will, werden Hypothesen aufgestellt. Hypothesen fallen dabei nicht einfach vom Himmel, sondern sie werden in einem eigenen Kapitel der quantitativen empirischen Arbeit abgeleitet. Und das macht man so, dass man nochmal grob die Literatur aus dem Theorieteil wiederholt und dann Vermutungen ableitet, wie sich auf Grund des Zusammengefassten Zusammenhänge oder Unterschiede darstellen könnten. Studierende finden das manchmal komisch, noch mal die Literatur zu berichten oder vergessen dabei sogar darauf, zu zitieren. Es ist aber für die Klarheit des Forschungsprozesses wichtig, noch mal anhand der Literatur diese Vermutungen explizit aus der Theorie abzuleiten und darauf aufbauend die Hypothesen aufzustellen. Und wichtiger Merksatz zum Zitieren: „Zitiere, was ist nicht von dire!“ 🤣

    Wie schaut das jetzt praktisch aus?

    Meine Vermutung zu dem Problem, dass mir meine Eltern kein Geld mehr schenken, ist, dass ich wohl durch mein Alter (41 Jahre) und dadurch, dass ich arbeite und Geld verdiene (sorry, hierzu gibt es keine näheren Auskünfte, außer dass es natürlich gerne mehr sein darf! 😉) schlechte Karten habe, um hier auf Geld hoffen zu können. Um jetzt Hypothesen aufzustellen, muss ich in der Theorie auf jeden Fall zum Zusammenhang von Geschenken mit Alter und finanzielle Selbstständigkeit berichtet haben. Um die Hypothesen aufzustellen, muss ich nun diese im Theorieteil berichtete Literatur nochmal grob darstellen und komme zu dem Schluss, dass mit zunehmendem Alter und zunehmender Selbstständigkeit von Kindern die finanzielle Unterstützung durch die Eltern abnimmt.

    Wie werden jetzt Hypothesen formuliert?

    Meine Vermutung, dass mein Alter und mein Gehalt der elterlichen Unterstützung entgegenwirken, ist natürlich recht unfein formuliert und entspricht nicht dem, wie Hypothesen formuliert werden sollten. Hypothesen nehmen entweder einen Zusammenhang oder einen Unterschied an.

    Zusammenhangshypothesen haben immer die Form „je…, desto…“ Die obige Vermutung zum Alter wäre also: „Je älter die Kinder sind, desto weniger finanzielle Unterstützung erhalten sie von ihren Eltern.“ Dahingegen geben Unterschiedshypothesen immer an, zwischen welchen Gruppen eben ein Unterschied besteht. Für meine obige Vermutung zum Gehalt wäre das dann: „Personen, die ein eigenes Einkommen haben, erhalten weniger finanzielle Unterstützung von ihren Eltern, als Personen, die kein eigenes Einkommen haben.“ Achtung, bei Unterschiedshypothesen muss immer angegeben werden, welche Gruppen sich unterscheiden, leider wird oft die Vergleichsgruppe – also das was nach „als“ kommt – vergessen. Zur Info: Die hier aufgestellten Hypothesen sind gerichtet, das heißt es wird schon angenommen in welche Richtung der Zusammenhang oder Unterschied geht. Also ob der Zusammenhang positiv oder negativ ist bzw. welche Gruppe von den Eltern weniger Kohle bekommt.

    Wenn man aus der Literatur noch nicht ablesen kann, in welche Richtung der Zusammenhang oder der Unterschied geht, dann werden ungerichtete Hypothesen aufgestellt. Also: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen Alter der Kinder und der erhaltenen finanziellen Unterstützung durch die Eltern.“ bzw. „Zwischen Personen mit und ohne Gehalt besteht ein Unterschied in der Höhe der finanziellen Unterstützung der Eltern.“

    Kann man auch hypothetisieren, dass es keinen Zusammenhang oder Unterschied gibt?

    Immer wieder kommt es vor, dass Studierende Hypothesen aufstellen wollen, dass es keinen Zusammenhang oder Unterschied gibt. Das ist auf jeden Fall manchmal berechtigt, aber die Denkrichtung der Falsifikation in der wir uns befinden, lässt solche Annahmen leider nicht zu. Das heißt Hypothesen können immer nur annehmen, dass etwas zusammenhängt oder sich unterscheidet aber niemals, dass etwas nicht zusammenhängt oder gleich ist. Solche Annahmen können mit den statistischen Standardtests nämlich nicht falsifiziert werden.

    Puh, endlich sind die Hypothesen aus der Literatur abgeleitet! Jetzt kann es losgehen mit dem Fragebogen bzw. dem Experiment. Um hier mehr zu erfahren müsst ihr aber auf die nächsten Blogbeiträge warten.

  • Wie gehe ich das Studium an? Malen nach Zahlen oder Paint with the Flow?

    Wie gehe ich das Studium an? Malen nach Zahlen oder Paint with the Flow?

    Wir an der FernFH sind in der Fernlehre verankert. Wir sind flexibel, leben Inklusion und geben den Studierenden die Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig zu studieren. Der Rahmen ist vorgegeben. Die Herangehensweise, wie ein Bildungswerk im Detail ausgestaltet sein kann, ist dennoch individuell. Wenn sich jemand für die Themenkreise, welche die FernFH anbietet interessiert, dann noch die Zugangsvoraussetzungen erfüllt und den Eignungstest besteht, stehen einem für ein flexibel angelegtes Studium Tür und Tor offen.

    Gibt es Stolpersteine?

    Äußere Rahmenbedingungen und Struktur sind gegeben. Ja, das ist richtig. Aber der Rahmen bestimmt ja noch nicht den Inhalt des Bildes und dies sollte schon auch Berücksichtigung finden. Wer Künstler seines eigenen Bildungswerkes (BA, MA Abschluss) sein will, sollte sich darüber im Klaren sein. Oder zumindest reflektieren, wie die Ausgestaltung aussehen könnte. Bezeichnen wir den äußeren Rahmen des eigenen Bildungswerks als strukturellen Rahmen, dann beinhaltet dieser die studienzeitlichen, curricularen, finanziellen und rechtlichen Aspekte des Studiums. Die persönlichen Rahmenbedingungen werden individuell abgesteckt. Dabei sind Fragen hilfreich, wie z.B.: „Was interessiert mich besonders? Wo möchte ich in 5 Jahren sein? Welche privaten oder beruflichen Ziele möchte ich verfolgen? Wie sieht meine Kosten-Nutzenanalyse aus?“ Hier kommen zwei Aspekte der Motivation zum Tragen, die ich genauer betrachten möchte.

    Intrinsisch, extrinsisch, oder beides?

    Während uns die intrinsische Motivation unabhängig von positiven Konsequenzen antreibt, quasi die Freude am Malen darstellt, sind bei der extrinsischen Motivation die erwarteten externen Konsequenzen unser Motor. Zum Beispiel, wenn wir für unser Bild gelobt werden.

    Extrinsisch Motivierte antizipieren mit Ihrer Ausbildung möglicherweise die in Aussicht gestellte Beförderung oder Anerkennung im persönlichen und beruflichen Umfeld. Sie wollen oder müssen sich bilden und wählen auf Basis ihrer Interessen eine Studienrichtung. Der Studienverlauf ist klar und die einzelnen Lehrveranstaltungen werden sukzessive „absolviert“. Der Lohn der Arbeit ist die Note am Ende der Lehrveranstaltung. Das Zeugnis am Ende des Semesters. Die Abschlussprüfung am Ende des Studiums. Und möglicherweise ein Kurswechsel im Berufsleben. Es ist Malen nach Zahlen. Aus Teilschritten entsteht ein Gesamtbild.

    Intrinsisch Motivierte haben ein tiefergehendes Interesse an der Thematik, haben Freude am Problemlösen, sind an der Sache selbst interessiert und erfahren dadurch einen gesteigerten Selbstwert. Die personellen Fähigkeiten harmonieren mit den gestellten Anforderungen. Dieser positive Zustand kann sich so weit steigern, dass man im Tun völlig aufgeht. Flow stellt sich ein. Es entsteht ein von individuellem Erkenntnisgewinn geprägtes Kunstwerk, an dem Stunden gearbeitet und immer wieder Feinschliff vorgenommen wurde, bis man mit seinem persönlichen Ergebnis zufrieden ist.

    Der Lohn ist IHR Bildungswerk

    Beide Formen der Motivation haben Ihre Berechtigung und müssen sich nicht kannibalisieren. Beide Herangehensweisen werden im Rahmen eines Studiums gefordert und gefördert. Die unterschiedliche Ausgestaltung der Curricula und Studiengänge macht dies möglich. Motivation, Selbstdisziplin und Freude am Wissenserwerb sollten Sie in Ihrem Malkasten mitbringen. Die Leinwand und den Rahmen stellen wir.

    Literaturtipps zur Thematik:

    Heckhausen, Jutta/Heck hausen, Heinz (Hrsg.) (2006). Motivation und Handeln. Springer: Heidelberg

    Kirchler, Erich/Walenta, Christa (2010). Motivation. facultas wuv: Wien