Autor: Ursula Höllhumer

  • Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    Analog/Digital – das Beste aus zwei Welten

    „Digitalisierung in Lehre und Studium bedeutet weit mehr als Vorlesungen zu streamen, Seminare im Netz abzuhalten oder Lehrveranstaltungsunterlagen herunterladen zu können…“

    Mit diesen Worten leitet das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung den Menüpunkt Digitalisierung von Studium und Lehre ein.

    Die Coronapandemie hat der Digitalisierung einen enormen Schub verliehen und mancherorts kann man lesen:

    „Wenn man sich nicht selbst neu erfindet, wird man verdrängt.“

    An der FernFH sind digitale Elemente im hybriden Lernsetting seit Bestehen der Bildungseinrichtung ein fester Bestandteil in unseren Lehr- und Lernsettings. Wir haben Follower bekommen. Viele Fachhochschulen und Universitäten mussten von heute auf morgen ihren Betrieb auf Onlinelehre umstellen, um einen möglichst friktionsfreien Unterricht zu gewährleisten. Nicht immer zur Freude aller Beteiligten. Neues schafft Unsicherheit und Arbeit, Routinen müssen aufgegeben werden, es dauert, bis man sich in einer neuen Umgebung eingewöhnt hat. Und: es geschah nicht ganz freiwillig, das schafft schnell mal Reaktanz. Doch die eingeschränkte Freiheit durch die Pandemie wurde an den Fachhochschulen und Universitäten durch eine neue ersetzt: Anfahrtswege und Wartezeiten fielen weg, die Annehmlichkeiten des Home- oder Mobile Working-Settings wurden gern akzeptiert. Unsere Studierenden kennen diese Form des Lehr-und Lernsettings schon von Studienbeginn an.

    Digitale Elemente in der Lehre überwinden Distanz, schaffen (oft) eine 24/7 Zugriffsmöglichkeit auf Unterlagen und Lerninhalte und ermöglichen Kollaboration ungeachtet des Wohn- und Arbeitsorts und weitgehende Flexibilität in der Selbstorganisation. Im Studium ist es Wissenserwerb auf einer Ebene, die im Arbeitsleben in vielen Branchen längst Einzug gehalten hat.

    Nicht mehr als ein Werkzeug

    Ich möchte der Digitalisierung nicht absprechen, einen enormen Anteil in unserer Arbeits- und Lebenswelt zu haben. Vieles ändert sich schneller als wir selbst. Innovationen, Adaptionen, Neuerungen, Verbesserungen sind uns immer ein Stück voraus. Das Leben ist dadurch einfacher geworden, auch wenn es im ersten Moment komplex erscheint. Dennoch meine ich, Digitalisierung ist ein „Werkzeug“ aber keine Philosophie, es ist plakativ gesprochen vielmehr ein „Transportmittel“ für Austausch, Ideenfindung, Erneuerung, Transfer und vor allem Organisation in seiner Vielschichtigkeit. Dabei ist es für alle Akteur:innen notwendig, sich digitale Kompetenzen anzueignen und entsprechendes didaktisches Know-how und Medienkompetenz aufzubauen um sich gut im digitalen Setting bewegen zu können.

    Und darüber hinaus ist es unerlässlich, OFF-Line Settings beizubehalten, so wie in unserem Blended Learning Format an der FernFH umgesetzt, um Social Distancing, wie wir es aus Pandemiezeiten zur Genüge kennen, zu vermeiden. Denn genau die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, was wir unabhängig von den digitalen Möglichkeiten ebenso brauchen, um ein freudvolles und sinnerfülltes Arbeits-, Studien-, und Privatleben zu führen: soziale Nähe.

  • Früher war alles besser: Alter und Digitalität – geht das zusammen?

    Früher war alles besser: Alter und Digitalität – geht das zusammen?

    Als ich meine erste Arbeitsstelle angetreten habe, gab es Telefon, Fax, Telex und Rohrpost. Die wenigen Computer mit einfachen Datenverarbeitungsprogrammen hielten nach und nach Einzug in die Arbeitswelt, die Bildschirme flimmerten grün schwarz und waren nicht wirklich langfristig augentauglich. Die Entwicklung schritt rasch und stetig voran und heute sind digitale Geräte nicht mehr aus der Arbeits- und Bildungswelt wegzudenken. Ganz zu schweigen vom Privatleben. Wir sind vernetzt und überall erreichbar. Jede beliebige Information kann jederzeit abgerufen werden. Digitale Bildung beginnt schon im Kleinkindalter.

    Wir sind so digital wie nie

    „Laut Globalwebindex beträgt die durchschnittliche Nutzungsdauer des Internets in Österreich rund fünf Stunden und 45 Minuten pro Tag. Österreichische Internetnutzer im Alter zwischen 16 und 64 Jahren verbringen täglich eine Stunde und 22 Minuten in sozialen Medien (Stand 2020; statista.com)“

    Eher neueren Datums ist die Forschung, wie ältere Menschen mit digitalen Medien umgehen und welche Hemmschwellen sie dafür überwinden müssen oder auch sollten. Während wir uns darüber freuen, dass der Berufsalltag und das Privatleben immer papierloser wird und alles flexibel-leicht über mobile Endgeräte speicher- und abrufbar wird, stöhnen die Älteren. Filialen verschwinden, Automaten ersetzen Angestellte, Termine werden Online ausgemacht, Telefonservice wird mittels Sprachservice automatisiert. Das muss nicht sein. Denn Digitalität vermag auch viel Positives. Wichtig ist es, sich von negativen Altersstereotypen zu befreien.

    Digitale Teilhabe hört nicht mit dem Pensionsantritt auf.

    Ältere Menschen können sich genauso wie andere Generationen weiterentwickeln, es gilt hier den geänderten Bedürfnissen gerecht zu werden. Gerade die Zeit um Covid-19 hat gezeigt, dass digitale Vernetzung wesentliche Vorteile bringt, wenn es um sozialen Austausch, medizinische Unterstützung oder alltagsbedingte Informationsangebote geht.

    Inklusion der älteren Generationen

    Es scheint jedoch noch einen gewissen diffusen Leerstand zu geben. Erst im hochbetagten Alter werden AAL Konzepte attraktiv und zwangsläufig notwendig. Dazwischen gibt es vielfach konzipierte Annäherungsversuche. Was bereits in der LLL Strategie angekommen ist, nämlich „Punkt 9. Die Bereicherung der Lebensqualität durch Bildung in der nachberuflichen Lebensphase“, muss sich noch in den Köpfen der Partizipient_innen verankern. Dabei gilt es die Interessen aller Anspruchsgruppen zu bündeln. Einerseits in der Lehre, andererseits im sozialen Umfeld und letztendlich bei den Betroffenen selbst.

    Was braucht es dazu?

    Laut meiner Einschätzung Mut zur Veränderung, positive Vorbilder und Geduld. Ältere Menschen haben andere Grundvoraussetzungen, müssen Scheu abbauen und benötigen unter Umständen einen längeren Lernprozess, bis gewisse Handlungsschritte eingeübt worden sind. Essenziell bleibt, die Vorzüge beim Gebrauch von digitalen Medien praxisnah zu veranschaulichen und die lernende ältere Generation dabei in den Mittelpunkt zu stellen. „Die Dosis macht das Gift“ – ein abgewandelter Spruch, der von Paracelsus überliefert ist, mag wohl auch für die Digitalität im Alter stimmen. Der soziale Raum kann erweitert werden, wenn die Möglichkeiten sinnvoll und gezielt genutzt werden.

    Ich wünsche Ihnen einen erholsamen, sozialen Sommer!

    Weiterführende Lesetipps:

    https://erwachsenenbildung.at/themen/lebenslanges_lernen/oesterreichische_strategie/aktuell.php#lll2020

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/digitalisierung-im-alter-internetnutzung-der-senioren-16432678.html

  • Über das Lesen – Chancen und Nebenwirkungen

    Über das Lesen – Chancen und Nebenwirkungen

    Aller Anfang war leicht … Lesen im Kindesalter

    Lesen ist eine der Kulturtechniken in Kombination mit dem Schreiben, die wir mehr oder weniger enthusiastisch im Vorschulalter erlernen. Da werden aus Zeichen plötzlich erste Wörter. Wir konnten die Buschstaben A-P-F-E-L dem Objekt Apfel zuordnen. Lesen ist eine Schlüsselkompetenz. Dies bedeutet, dass Wörter und Texte sinnerfassend verarbeitet und auch reflektiert werden können. Auch abseits der Schule ermöglichte das Lesen es, die Informationen des Alltags zu erfassen. Lesen bedeutete in der Kindheit ein Stück weit Unabhängigkeit. Es machte Spaß, Buchstaben zu erkennen, zu verknüpfen, lesen zu lernen und die Geschichten, die aus Buchstaben im Kopf entstanden, zu erleben.

    Von Lust zu Frust oder umgekehrt?

    Später dann, wenn der externe Auftrag kam, etwas lesen zu müssen, (z.B. Seminar-, oder Abschlussarbeiten an der FernFH) wandelte sich manche Lust in Frust. Die Texte wurden länger, die Inhalte komplexer und es ging uns nicht mehr so leicht von der Hand. Auch hat sich in unserer multimedialen Welt die Haltung zum Lesen stark verändert. Wir legen ein anderes Leseverhalten an den Tag. Wir lesen vermehrt überschriftenorientiert und schnell erfassbar muss es sein. Die Umwelt hat sich verändert und eine Vielfalt von Textsorten (digital und/oder analog) stehen uns zur Verfügung. Es bedarf einiger Selektionskriterien.

    Die Suche nach Genres oder Fachliteratur war nie so leicht aber auch nie so komplex wie jetzt. Zum einen findet man sehr schnell viele Angebote, zum anderen befindet man sich meist auch gleich in einem Dilemma. Es ist zu viel! Es bedarf eines guten Systems, um relevanten Lesestoff ausfindig zu machen. Hat man den passenden Text oder das Medium gefunden, gilt es die nächste Hürde zu meistern….

    … und wie liest man jetzt richtig?

    An dieser Stelle möchte ich zwei Aspekte anführen. Das Lesen „zum Vergnügen“, also der Roman, der Zeitungsartikel zu meinem Lieblingshobby, das bedeutet für uns Lesespaß, Entspannung und Unterhaltung. Das geht meist runter wie Öl, finden Sie nicht? Man taucht ganz in die Geschichte ein. Ehe man es sich versieht, sind Stunden verflogen. Und ganz nebenbei trainieren wir auch noch unsere kognitiven Fähigkeiten, erweitern unseren Wortschatz und reduzieren Stress.

    Auf der anderen Seite gibt es auch Schriften, die nicht unbedingt zur Entspannungslektüre zählen, jedoch gefordert und zweckdienlich sind. Hier wäre es sinnvoll, sich nicht unvorbereitet in die Materie zu stürzen, sondern sich ein paar Fragen zu stellen: Was will ich mit dem Lesen erreichen? Schnelle Information? Einen groben Überblick? Tiefergehendes Verständnis für eine mir (gerade) wichtige Materie erlangen? Jetzt geht es um zeit- und energiesparendes, effektives Lesen.

    Anregungen mit positiven Nebenwirkungen

    Hier helfen ein paar Tipps, meine Favoriten möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

    1. Verorten Sie die Texte – das Wissen über die Autor_innenschaft unterstützt bei der Einordnung der Texte und schafft Verständnis für den Rahmen, in dem ein Werk entstanden ist.
    2. Bei Artikeln empfiehlt es sich, das Abstract zu lesen. Passt der Inhalt nicht, weglegen.
    3. Lesen Sie nicht Wort für Wort: Unser Gehirn kann mehrere Worte gleichzeitig verarbeiten, sie ergeben mehr Sinn als jedes einzelne und noch dazu bleiben wir konzentrierter.
    4. Machen Sie sich Notizen im Buch: Markieren Sie die Seiten und Stellen, die Ihnen merk-würdig erscheinen (z.B. auf der ersten Innenseite)
    5. Schreiben Sie auf, was Sie über den Inhalt denken – verfassen Sie quasi Ihre persönliche Buchrezension.
    6. Reflektieren Sie. Die paar Minuten zahlen sich aus. Sie verknüpfen die Inhalte mit ihrem Wissenstand. Gelesenes bleibt so länger im Gedächtnis.

    Machen wir es wie die Kinder, lassen wir uns auch von fordernder Lektüre überraschen, seien wir stolz, wenn wir Inhalte verinnerlichen konnten und kreieren wir aus komplexen Buchstabenketten unsere persönlichen AHA-Erlebnisse. Mehr zu guter Lesetechnik im Studienumfeld gibt es sicher demnächst in einem meiner nächsten WissBlog Beiträge.

    Artikel zum Thema:

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/im-gespraech-umberto-eco-sind-sie-der-ideale-leser-signor-eco-1635716.html

    http://www.buecherlei.de/fab/hesse/uelesen.htm

  • Wie gehe ich das Studium an? Malen nach Zahlen oder Paint with the Flow?

    Wie gehe ich das Studium an? Malen nach Zahlen oder Paint with the Flow?

    Wir an der FernFH sind in der Fernlehre verankert. Wir sind flexibel, leben Inklusion und geben den Studierenden die Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig zu studieren. Der Rahmen ist vorgegeben. Die Herangehensweise, wie ein Bildungswerk im Detail ausgestaltet sein kann, ist dennoch individuell. Wenn sich jemand für die Themenkreise, welche die FernFH anbietet interessiert, dann noch die Zugangsvoraussetzungen erfüllt und den Eignungstest besteht, stehen einem für ein flexibel angelegtes Studium Tür und Tor offen.

    Gibt es Stolpersteine?

    Äußere Rahmenbedingungen und Struktur sind gegeben. Ja, das ist richtig. Aber der Rahmen bestimmt ja noch nicht den Inhalt des Bildes und dies sollte schon auch Berücksichtigung finden. Wer Künstler seines eigenen Bildungswerkes (BA, MA Abschluss) sein will, sollte sich darüber im Klaren sein. Oder zumindest reflektieren, wie die Ausgestaltung aussehen könnte. Bezeichnen wir den äußeren Rahmen des eigenen Bildungswerks als strukturellen Rahmen, dann beinhaltet dieser die studienzeitlichen, curricularen, finanziellen und rechtlichen Aspekte des Studiums. Die persönlichen Rahmenbedingungen werden individuell abgesteckt. Dabei sind Fragen hilfreich, wie z.B.: „Was interessiert mich besonders? Wo möchte ich in 5 Jahren sein? Welche privaten oder beruflichen Ziele möchte ich verfolgen? Wie sieht meine Kosten-Nutzenanalyse aus?“ Hier kommen zwei Aspekte der Motivation zum Tragen, die ich genauer betrachten möchte.

    Intrinsisch, extrinsisch, oder beides?

    Während uns die intrinsische Motivation unabhängig von positiven Konsequenzen antreibt, quasi die Freude am Malen darstellt, sind bei der extrinsischen Motivation die erwarteten externen Konsequenzen unser Motor. Zum Beispiel, wenn wir für unser Bild gelobt werden.

    Extrinsisch Motivierte antizipieren mit Ihrer Ausbildung möglicherweise die in Aussicht gestellte Beförderung oder Anerkennung im persönlichen und beruflichen Umfeld. Sie wollen oder müssen sich bilden und wählen auf Basis ihrer Interessen eine Studienrichtung. Der Studienverlauf ist klar und die einzelnen Lehrveranstaltungen werden sukzessive „absolviert“. Der Lohn der Arbeit ist die Note am Ende der Lehrveranstaltung. Das Zeugnis am Ende des Semesters. Die Abschlussprüfung am Ende des Studiums. Und möglicherweise ein Kurswechsel im Berufsleben. Es ist Malen nach Zahlen. Aus Teilschritten entsteht ein Gesamtbild.

    Intrinsisch Motivierte haben ein tiefergehendes Interesse an der Thematik, haben Freude am Problemlösen, sind an der Sache selbst interessiert und erfahren dadurch einen gesteigerten Selbstwert. Die personellen Fähigkeiten harmonieren mit den gestellten Anforderungen. Dieser positive Zustand kann sich so weit steigern, dass man im Tun völlig aufgeht. Flow stellt sich ein. Es entsteht ein von individuellem Erkenntnisgewinn geprägtes Kunstwerk, an dem Stunden gearbeitet und immer wieder Feinschliff vorgenommen wurde, bis man mit seinem persönlichen Ergebnis zufrieden ist.

    Der Lohn ist IHR Bildungswerk

    Beide Formen der Motivation haben Ihre Berechtigung und müssen sich nicht kannibalisieren. Beide Herangehensweisen werden im Rahmen eines Studiums gefordert und gefördert. Die unterschiedliche Ausgestaltung der Curricula und Studiengänge macht dies möglich. Motivation, Selbstdisziplin und Freude am Wissenserwerb sollten Sie in Ihrem Malkasten mitbringen. Die Leinwand und den Rahmen stellen wir.

    Literaturtipps zur Thematik:

    Heckhausen, Jutta/Heck hausen, Heinz (Hrsg.) (2006). Motivation und Handeln. Springer: Heidelberg

    Kirchler, Erich/Walenta, Christa (2010). Motivation. facultas wuv: Wien

  • Zeit+ oder: wieviel OFF ist im ON erlaubt?

    Zeit+ oder: wieviel OFF ist im ON erlaubt?

    Die Welt seit 03/2020

    Das kennen wir schon aus dem regulären FernFH Studienbetrieb: selbstorganisiertes Lernen, virtuelle Unterstützung, zahlreiche hilfreiche Tools, digitale Medien, Web Chats, Videokonferenzen, Austausch der Studierenden in sozialen Netzwerken usw. ….. Eine schöne Abwechslung zum Arbeits- und Familienalltag. Alles strukturiert und nach Plan.

    Und doch hat seit März 2020 ein Virus die virtuelle Struktur des Lebens gehörig durcheinandergewirbelt. Denn auf einmal müssen viele die private Datenleitung nicht nur zu Studienzwecken sondern auch aus beruflichen, schulischen und privaten Gründen teilen. Und das permanent. Ganz zu schweigen von diverser Hardware, die jetzt mehrfach in Verwendung ist. Die Flexibilität und Annehmlichkeiten des Fernstudiums wurden durch die Lockdown Maßnahmen Martini gleich geschüttelt.

    Ein Oscar für alle Organisator_innen von Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter oder anderen Betreuungspflichten!! Abgesehen vom enormen organisatorischen Aufwand kam noch eine viel höhere Motivationsleistung, die der Eigenmotivation, ins Spiel, damit die Prozesse weiter im Laufen bleiben. Denn auf einmal war ein Großteil unseres Lebens in den Onlinebereich gedriftet und damit ging eine gewisse virtuelle Müdigkeit einher.

    Wertvolle Tipps oder Zusatzaufgaben!?

    Gibt man in Google den Suchbegriff „Home Office Corona Tipps” ein, erhält man sage und schreibe „ungefähr 12.700.000 Ergebnisse (in 0,43 Sekunden)“. Ich würde meinen, hier wird jeder fündig. Daher möchte ich an dieser Stelle nicht eine weitere Liste mit möglichen Optimierungsvorschlägen an Sie herantragen. Mit der Zeit haben mittlerweile ohnehin schon viele einen Modus gefunden, um mit der Situation halbwegs praktikabel umzugehen. Und auch zum Fernstudium im Homeoffice gibt es schon einige wertvolle Impulse im Weltweitenweb.

    Abgesehen von den vielen (wieder mal online-inspirierten) Hobbybäcker_innen, Kreativbastler_innen, Aufräufmer_innen, Literaturentdecker_innen und Yogapraktizierenden, die das Virus im Laufe der Monate auf Grund mangelnder Echtzeitkontakte mit Freunden, Bekannten, oder weniger Bekannten bei diversen Veranstaltungen hervorgebracht hatte, gab es auch ein fettes Plus am Zeitkonto zu verbuchen. Zumindest bei einigen, so auch bei mir, war und ist dies der Fall.

    Das Zeitgeschenk

    Ich habe eine Überlegung angestellt: Da ich, mit wenigen Unterbrechungen seit über 40 Wochen im Homeoffice arbeite, erspare ich mir wöchentlich rund 12 Stunden Fahrtzeit (öffentlich). Macht einen netto Bonus von etwa 480 Stunden, das ist nicht schlecht. Diesen Bonus habe ich in Pausen investiert. Pausen von allem. Selbstfürsorge gelebt. Bewusst Pausen machen und wirklich nichts tun ist anfangs durchaus fordernd. Aber mit der Zeit war es sehr inspirierend und sehr kreativitätsfördernd, wenn man einfach nur den Gedanken und Blitzlichtern im Kopf Raum lässt. En block oder in kleinen Stücken genossen, wie eine Tafel Schokolade, sind Pausen wahre Genussmomente. Eine völlig neue Erfahrung. Pausen und OFF vom ON lege ich Ihnen ans Herz. Diese Zeit muss auch nicht erst irgendwo freigeschaufelt werden. Sie wird anders verwendet. Und für dieses Nichtstun braucht man auch kein schlechtes Gewissen haben. Lassen Sie statt Wegstreckenkilometern einfach die Gedanken reisen.

    Die für mich herausragende Kinderbuchautorin Astrid Lindgren soll in ihr Tagebuch 1964 folgenden Satz geschrieben haben: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.”

    Ob dieser Tipp unter den 12.700.000 Einträgen wohl zu finden ist?

  • Netiquette – was liegt das pickt! Über den Umgang miteinander im virtuellen Raum

    Netiquette – was liegt das pickt! Über den Umgang miteinander im virtuellen Raum

    Die Kommunikation in virtuellen Lehr- und Arbeitsräumen ist schon eine besondere. Vielfältige Regelwerke für verantwortungsvolles Verhalten in digitalen Welten existieren bereits. Während die analog gesprochene Sprache synchron mit der Gestik und Mimik Gestalt annimmt, ist das geschriebene Wort asynchron. Verbale Kommunikation ist Dialog, geschriebene Kommunikation ist Monolog. Aber auch wenn man in einer Videokonferenz mit Bild und Ton teilnimmt, entsteht eine Form von Verzerrung, die das Gegenüber manchmal als nicht real wahrnimmt. In rein textuellen Online Kommunikationen fehlt auch das. Wenn wir schreiben, erhalten die anderen unsere Gedanken und Meinungen quasi Second Hand über die Hand.

    Wie aber bringt man zum Ausdruck, dass etwas verstanden wurde oder aber, dass etwas nicht in Ordnung ist? Der Verlust von Stimmlage und Gestik und Mimik wird zum Teil durch Emojis wettgemacht. Im wissenschaftlichen Kontext ist dies allerdings schwieriger. Was darf, kann oder soll sein? Was geht gar nicht? Wie schaffen wir es als Initiator_in virtueller Kommunikation auch Feedback zu erhalten? Wie wissen wir, ob wir richtig gehört und verstanden wurden?

    Is anybody out there?

    Es gelingt vielen von uns manchmal ungleich schwerer, sich im Rahmen einer Online Diskussion oder eines Chats oder in Foren zu melden. Um Reaktion und Interaktion im virtuellen Raum möglich zu machen, sollte eine angenehme Atmosphäre für alle geschaffen werden. Eventuell ist ein spielerischer Zugang ein Türöffner, um in weiterer Folge die Kommunikation anzukurbeln. Ein kurzer aktivierender Film kann den Einstieg erleichtern.  Virtuelle Kommunikation erleichtert aber auch den Drift in die Anonymität, macht das Vis-à-Vis oft unsichtbar oder auch unbekannt. Dies kann schnell zu Missverständnissen führen.

    Regeln – der Haltegriff zum Umgang miteinander

    Damit virtuelle Kommunikation Fahrt aufnehmen kann, sind Vertrauen und klare Regeln wichtige Grundlagen. Ein achtsamer Umgang fördert das Gelingen von Kommunikation und so kann ein virtueller Austausch auch friktionsfrei gestaltet werden.

    An der FernFH leben wir diesen respektvollen Umgang miteinander. Wir kommunizieren diese Netiquette auch an unsere Studierenden. In jeglicher Form der Kommunikation sollten wir bedenken, dass auf der anderen Seite auch ein Mensch sitzt. Der 3-Sprung „erst denken, dann schreiben, dann posten“ ist die Grundlage. Diskussion ja, Konflikt nein. Wir freuen uns über den Diskurs zu unterschiedlichen Thematiken, sind jedoch vorsichtig mit Humor und Sarkasmus. Wir sind große Freunde des Urheberrechts. Zitate sowie Quellen von Video- und Bildmaterial sind ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Kommunikation. Wir achten das geistige Eigentum anderer.

    Folgen wir diesen einfachen Regeln, schaffen wir einen Kommunikationsraum, der für alle angenehm ist und werden der Netiquette gerecht. Denn was liegt, das pickt. Diese österreichische Grundregel beim Kartenspiel, dass eine abgelegte Karte nicht wieder retour genommen werden kann, hat in der virtuellen Kommunikation durchaus auch seine Berechtigung. Play fair! Fair Play!

  • Studienstart und der Delay of Gratification: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Marshmallow mehr!

    Studienstart und der Delay of Gratification: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Marshmallow mehr!

    Im kommenden Wintersemester werden wir wieder unsere neuen Studierenden an der FernFH begrüßen dürfen. Sie alle haben sich einem mehrstufigen Aufnahmeprozess unterzogen, der auch intensiv vorbereitet werden musste. Berufsbegleitend flexibel zu studieren, wie es die FernFH in den Studien- und Lehrgängen anbietet, bedeutet auch, dass man sich der Einschränkungen bewusst wird, die in den kommenden Semestern mehr oder minder intensiv auftreten werden. Sich einen Hochschulabschluss als Ziel zu setzen, bedeutet für jede und jeden in gewisser Weise auch andernorts zurückstecken zu müssen. Sei es in der Freizeitgestaltung, bei familiären Angelegenheiten oder aber auch im Freundeskreis.

    Dabei ist das System ganz einfach: Will ich etwas erreichen, muss ich dafür etwas tun. Vielleicht ist es deshalb auch ganz gut, dieses „etwas tun“ nicht als negativ zu konnotieren.

    Am Anfang war die Strategie

    Wie schaffen wir es, im Moment oder für eine längere Zeit zu verzichten, um dann später mehr zu erhalten? Da war doch der Marshmallow Test?  Das Belohnungsaufschub-Paradigma erklärt, dass wenn ich auf eine sofortige Belohnung oder auch Befriedigung eines Bedürfnisses verzichte, ich zu einem späteren Zeitpunkt eine höherwertige Belohnung erhalte (Mischel & Mischel, 1973, S. 257; Mischel, 1968, S. 81 ff.). In Studien zeigte sich, dass die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub den zukünftigen akademischen Erfolg vorhersagen lässt.

    Der Academic Delay of Gratification definiert die Fähigkeit von Studierenden, aktuellen Impulsen und Ablenkungen nicht nachzugeben und den Fokus auf den zukünftigen akademischen Erfolg auszurichten (vgl. Bembenutty & Karabenick, 1997). Die Autor_innen fanden heraus, dass die Willensintension gepaart mit selbstregulierenden Maßnahmen maßgeblich am akademischen Erfolg beteiligt sind.

    Tools die helfen…(und kollegiale WissBlog-Beiträge, die das thematisieren)

    Innerhalb der kommenden Semester ist selbstreguliertes Lernen sicherlich der Aspekt der den Bogen über alle vermittelten Inhalte spannt. Dabei geht es auch darum, eine Work-Life-Learn Balance zu halten, die einen positiven Abschluss möglich macht. Diesen Spagat zu schaffen ist nur temporär, das ist schon mal ein positiver Aspekt. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass es viele Strategien gibt, die Sie sich zurechtlegen können, um den positiven Abschluss auch wirklich in die Tasche zu stecken.

    Selbstreguliert heißt nicht, allein über den Büchern zu brüten und sich Wissen anzueignen. Das Studium und die Aufbereitung der Lerninhalte bieten eine Fülle von Möglichkeiten der Interaktivität. Die Lehrenden bieten Sprechstunden und Foren für Fragen, die Peergruppen fördern den Austausch und Diskurs zu den Themen und virtuelle Meetings fördern Kooperation. Darüber hinaus werden Videos, Quizze und auch interaktive neue Tools zur Vertiefung angeboten.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, gehen Sie mit Herz und Hirn an das Studium heran, schaffen Sie sich Lernzeiten und Reflexionszeiten, seien Sie in diesen Phasen aktiv. Ein Stundenplan wie aus der Volksschule kann hier wertvolle Hilfestellung bieten. Planen Sie auch OFF-Zeiten ein und das ohne schlechtes Gewissen. Sie tun gut! Und lassen Sie sich die größere Menge Marshmallows, die später folgen, schmecken. Auch wenn diese vielleicht nur als Platzhalter für andere Belohnungen hinhalten dürfen. Es lohnt sich!

    Literatur:

    Bembenutty, H.& Karabenick, S. (1998). Academic delay of gratification. Learning and Individual Differences, 10(4), 329–346.

    Mischel, Harriet N./Mischel Walter (1973). Readings in Personality. New York: Holt, Rinehart and Winston.

    Mischel, Walter (1968). Personality and Assessment. New York: Wiley.

    Mischel, W., Shoda, Y., & Peake, P. K. (1988). The nature of adolescent competencies predicted by preschool delay of gratification. Journal of Personality and Social Psychology, 54(4), 687–696

    Online: https://www.youtube.com/watch?v=jQvBrEEYS20&feature=youtu.be (Abruf am 04/08/20)

  • Wer hat´s erfunden? Auch abseits von Ricola eine gute Frage.

    Wer hat´s erfunden? Auch abseits von Ricola eine gute Frage.

    Einigen von Ihnen mag die Werbekampagne aus den 90igern des Schweizer Kräuterzuckerlherstellers noch in Erinnerung sein. Die Kampagne mit dem Slogan „Wer hat´s erfunden?“ ging um die Welt und entbehrte nicht einer gewissen schweizer Ironie. Aussagen wie diese und viele andere Zitate gibt es zuhauf. Ich möchte mit Ihnen gerne meine Gedanken zu diesem Thema teilen, da Zitate in der Lehre durchaus häufig vorkommen und auch die eine oder andere Seminar- oder Abschlussarbeit zieren.

    „Etwas falsch zu machen, ist einfach nur eine Möglichkeit etwas zu tun.“ Dieser Satz stammt angeblich von Katharine Graham, Verlegerin 1917-2001. Im Englischen ist diese Aussage unter „A mistake is simply another way of doing things.“ zu finden.

    Wenn diese Zeilen zeitlich verortet werden, dann erhalten sie einen ganz anderen Bedeutungshorizont. Graham war Journalistin und Verlegerin in Amerika. In der Zeit der Watergate Affäre war sie Herausgeberin der Washington Post. Die missbräuchlichen Amtsgeschäfte der damaligen US-Regierung zwangen Präsident Nixon zum Rücktritt. Und dieser hatte offensichtlich in seiner Regierungszeit ein paar Entscheidungen getroffen, die nicht die richtigen waren.

    Die große Welt der „weisen“ Worte…

    Sinnsprüche und Zitate werden sintflutartig auf Webseiten, Kalendern, Grußkarten und ähnlichem angeboten und präsentiert. Sehr oft auch mit den vermeintlichen Autor_innen angeführt. Es ist häufig nicht so einfach, dies auch zu verifizieren.

    Schon damals sagte…

    Wer kann schon überprüfen, ob Konfuzius wirklich folgende Aussage getätigt hat: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“ Dieser Satz ist ein „Allerweltsatz“ der von vielen Personen stammen könnte. Konfuzius war chinesischer Philosoph und Begründer des Konfuzianismus. Von ihm selbst sind keine Niederschriften überliefert. Die Herkunftsüberprüfung bleibt somit vage. Familie, Staat und Gemeinschaft geben den Rahmen für moralisch und sittliches Verhalten im Konfuzianismus vor. Es ist vielmehr eine Haltung als eine Religion. Vielleicht war es der Fehler von Konfuzius, nichts niederzuschreiben.

    Wenn also nun diese beiden Aussagen verglichen werden und die zeitliche Verortung ebenfalls in Betracht gezogen wird, dann entsteht ein Verständnis für den jeweiligen Inhalt und eine mögliche neue Form der Interpretation.

    Vieles im Studium und Wissenserwerb ward schon mal gesagt…

    Im Laufe eines Studiums ist es notwendig und sinnvoll, mitunter auch freudvoll, unterschiedliche Theorien kennenzulernen, zu untersuchen oder mit selbstformulierten Beispielen anschaulicher darzustellen. Dabei sollten wir uns auch immer die zeitliche Verortung vor Augen führen. Jede Zeit hat Ihren Bildungshorizont und manche Hypothesen, die zu Thesen wurden, gelten heute als wiederlegt, weil weiterführende Forschung und eingehende Überprüfung neue Erkenntnisse geschaffen haben. Sie waren nicht falsch, sie waren zeitadäquat. Einige halten sich und bleiben gültig. Prüfen und verorten Sie! Das nicht zu machen, wäre falsch. Und im Übrigen hat Katharine Graham noch einige ganz nette Aussagen getätigt.

    PS: Das Bild der „rostigen Beisszange“ stammt aus dem Donaupark und ist Teil der Skulputur „The golden calf – monument of technology“ , erfunden hat sie Karl Anton Wolf.

    brainquotes://www.brainyquote.com/authors/katharine-graham-quotes , Ricola

  • Kollaboration – von Ameisen lernen

    Kollaboration – von Ameisen lernen

    Eliud Kipchoge lief am 12. Oktober 2019 die Marathonstrecke in Wien in weniger als 2 Stunden und betonte dabei immer wieder, dass es sich hierbei nicht um seine Einzelleistung handelt. Diese Story allein wäre einen eigenen Blogbeitrag wert. Aber was haben der kenianische Langstreckenläufer und Ameisen gemeinsam? Gar nicht so wenig, wie ich meine!

    Komplexe Herausforderungen im Ameisenstaat werden durch ein Miteinander möglich. Die scheinbar so verwundbaren Tiere schaffen es, hochkomplizierte Konstrukte zu bauen oder knifflige Aufgaben zu erledigen. Mit mathematischer und technischer Verliebtheit und Präzision. Dabei ist jede Einzelleistung genauso wichtig wie die Gesamtleistung und das Ziel, ein großes Projekt gemeinsam geschafft zu haben. Und dabei vollbringen sie oft Höchstleistungen.

    We all can break the impossible

    Im Arbeitsleben sind wir sehr häufig, vielleicht auch fast immer, ebenfalls auf kollaborative Arbeitsformen angewiesen. Umso wichtiger ist es, in der Lehre genau diese Fähigkeiten zu trainieren. Im virtuellen Rahmen der Fernlehre ist dem kollaborativen Arbeiten noch ein besonderer Aspekt anheim. Die Gruppenmitglieder und Teams kennen einander nur flüchtig und können sich zu Beginn nur erschwert auf die anderen Teammitglieder einlassen. Teambildungsmaßnahmen (#Worldcafé) sollten dies daher fördern und initiieren.

    Ist das Teambuilding einmal abgeschlossen, kommt es durchaus relativ rasch zu einer Rollenverteilung. Leader übernehmen und Struktur und Arbeitsabläufe werden in den Gruppen bestimmt.

    Multiplikator-Effekt nützen: Mehr schaffen mehr

    Prozess des Wissenszuwachses in einer kollaborativen Lerngruppe (Straub, 2001)

    Wo im Vorfeld das Wissen auf einzelne Studierende verteilt ist (Distributed Knowledge), wird durch den Austausch von Wissen eine Basis geschaffen, die es jeder und jedem ermöglicht, sein/ihr Wissen zu erweitern. Die Teilhabe am Wissen anderer erweitert somit das eigene Wissen. Diesen Austausch und Erweiterungsprozess nennt man auch Grounding. Am Ende verfügen alle Teammitglieder über ein erweitertes gemeinsames Wissen (Mutual-Knowledge).

    Was bringt das? Unterschiedliche Meinungen und Aspekte können herausgearbeitet werden. Das Arbeiten wird breiter, ganz im Sinne einer Horizonterweiterung. Die Vorteile von kollaborativen Lehr- und Lernmethoden sind:

    • Abbildung des Arbeitsalltags
    • Förderung von Konsensstrategien
    • Förderung von demokratischen Aspekten

    Der Nachteil könnte sein, dass die Einzelleistung nicht im Vordergrund steht oder aber dass es vereinzelt zu social loafing kommt (soziale Faulheit). Gruppenmitglieder lassen sich „mitschleifen“ und erbringen keine Einzelleistung.

    Maßnahmen, um dem entgegen zu wirken, könnten sein:

    • Forderung durch den Lehrenden zu Einzelaktivitäten
    • Abwechselnde Rollen im Team einnehmen
    • Präsentationen der Endergebnisse offline
    • Peer Review durch die anderen Gruppen ermöglichen
    • Gruppendiskussionen zum Abschluss initiieren

    Fazit

    Wer in der kurzen Zeit einer Lehrveranstaltung die Gewinnmaximierung (Mutual-Knowledge) dahingehend nutzen möchte, dass die Studierenden aktiviert werden in der Gruppe ihr Bestes zu geben, inhaltlich und sozial davon zu profitieren, der sollte Kollaborationsaspekte in der Lehr- und Lernform integrieren. Der Mehrwert für die Studierenden liegt in der Vorbereitung auf durchaus gängige berufliche Arbeitsformen und deren Förderung. Ich denke, Eliud und die Ameisen haben Recht: It takes a Team!

    Quellen:

    Straub, 2001. In: Schwabe, Gerhard (2001). Grundlagen des kollaborativen Lernens mit neuen Medien .

    Weiterführende Links:

    It takes a Team https://www.youtube.com/watch?v=-keG05Bucho [Abruf am 27.02.2020]
    https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/57254/1/20120125164918_merlin-id_3149.pdf (Grundlagen des kollaborativen Lernens mit neuen Medien. https://pflege-professionell.at/was-wir-von-ameisen-und-amoeben-ueber-koordination-und-zusammenarbeit-lernen-koennen

  • Ein Geburtstag ohne Geschenk ist auch keine Lösung.

    Ein Geburtstag ohne Geschenk ist auch keine Lösung.

    Kennen Sie das:

    „Meine Studienkollegin hat Geburtstag. Soll ich ihr etwas schenken? JA!“

    Anlässe dieser Art durchziehen unser gesamtes Leben. Sie beginnen im Kindergarten oder bereits früher. Es sind Einladungen, die wir annehmen dürfen oder manchmal auch müssen. Ob wir uns nun darüber freuen oder nicht: Für viele ist oft der erste Gedanke „Was soll ich mitnehmen?“ Unser Alltag ist voll von Situationen dieser Art. Seien es Geburtstage, Jahrestage, Abschlussprüfungen, Hochzeiten oder einfach nur eine Essenseinladung. Mit leeren Händen zu kommen, ist den meisten unangenehm. Haben wir doch schon von Kindesbeinen an gelernt, dass sich das „nicht gehört“.

    Es müssen allerdings nicht immer Einladungen oder Feste sein. Auch kleine Gefälligkeiten im Alltag oder etwa im Studienalltag, lösen in uns einen Drang zur Gegenleistung aus. Wir fühlen uns verpflichtet etwas zurückzugeben. Und das ist gut so, denn schon immer hat eine Hand die andere gewaschen. Was jetzt oberflächlich nach Freunderlwirtschaft klingt hat einen tieferen sozialen Sinn.

    Es geht auch immateriell

    Dieses Phänomen kann auch im Wissensaustausch an einer Hochschule Thema sein. Beispielsweise ist eine der Kommilitoninnen besonders versiert in einer komplexen Materie und hilft. Dadurch stehe ich nun in ihrer Schuld. Oder: Ein Lehrender bemüht und engagiert sich besonders, um den Wissenserwerb seiner Studierenden zu unterstützen. Das Gefühl, den Lehrenden nicht enttäuschen zu wollen und eine gute Arbeit abzugeben, motiviert die Studierenden – im Optimalfall – zu einer besseren Lernleistung. Wo ein Ausgleich möglich ist, wird dieser wahrgenommen.

    Diese Wechselseitigkeit in der Verpflichtung hat Goulder mit der Norm der Reziprozität (1960) definiert.

    „Wie du mir, so ich Dir“

    … könnte man nun salopp formulieren und altbekannt ist diese Verhaltensnorm allemal. Ein Austausch funktioniert in materieller Form beispielsweise als Geschenk oder in immaterieller Form beispielsweise als Dienstleistung.

    Quid pro Quo

    So verhält es sich auch mit der Reziprozität im Lernalltag. Studierende können sich gut unterstützen. Manchen Personen geht eine Aufgabe leicht von der Hand, bei einer anderen fällt ihnen die Lösung schwer. Wir kennen den Lernalltag und dass es da immer jemanden gibt der mal besser und mal schlechter mit einer Aufgabe zurechtkommt und sich so die Unterstützung der Kolleg_innenschaft holt.

    Langfristig profitieren alle

    Gemäß Goulder (1960) können Personen im sozialen Austausch auch darauf vertrauen, dass die erbrachte Leistung auch langfristig zurückbezahlt wird. Und langfristig sollte diese Form des Gebens und Nehmens sich natürlich auch ausgleichen. Interessant dabei ist, dass sich diese Norm der Reziprozität kulturunabhängig etabliert hat.

    Die Norm der Reziprozität legt somit auch den Grundstein für soziale Beziehungen und auch die Stabilität dieser. Bleibt zu hoffen, dass Sie Ihr Studierendennetzwerk und die Geburtstage immer schön im Auge behalten. Ebenso wie eine gewisse Ausgewogenheit im Geben und Nehmen.

    Literaturverweis:

    Gouldner, A. W. (1960). The norm of reciprocity: A preliminary statement. American Sociological Review, 25(2), 161–178.